Chronik der außerschulischen Aktivitäten der AG Gedenkstätten zwischen Juni 2015 und Juni 2017

In den vergangenen Jahren haben wir eher unregelmäßig über die AG berichtet, daher haben wir uns für einen zusammenfassenden Überblick entschieden: Aufgeführt werden nicht die regulären Treffen der AG in der Schule, sondern nur außerschulische Aktivitäten und Veranstaltungen mit schulexternen Gästen.

Juni 2015

Besuch in der Tschechischen Botschaft in Berlin - Thematisierung der tschechischen Kultur und der deutsch-tschechischen Geschichte.

Gedenkstättenfahrt nach Tschechien: Besuch der Deutschen Botschaft in Prag, Teilnahme an den Gedenkfeierlichkeiten in Lidice (Abendkonzert und Gedenkfeier zum Jahrestag der Vernichtung des Dorfes), Besichtigung Prags, Besuch des Museums in Lidice und Zeitzeugingespräch.

November 2015

Teilnahme an der Gedenkveranstaltung am Rathaus Reinickendorf mit einer Rede der Schülerinnen Dorothea B. und Neele C.

Januar 2016

Teilnahme an der Veranstaltung im Rahmen des Holocaust-Gedenktages in der Mediothek. Der Holocaustüberlebenden Shaya Harshit reist mit seiner Familie an. Das Programm orientiert sich an dem Thema Gedenken in der 2. und 3. Generation, „Zeugen der Zeitzeugen“. Shaya reist mit seiner Familie an und wird von Dr. Lea Ganur von der Universität Haifa begleitet.

März 2016

Lesung von "Sonjas Tagebuch - Flucht und Alija in den Aufzeichnungen von Sonja Borus aus Berlin, 1941-1945" mit dem Herausgeber Dr. Klaus Voigt.

Besuch der Gedenkstätte Topographie des Terrors mit Führung und Diskussion.

Juni 2016

Gedenkstättenfahrt nach Tschechien: Besuch der Deutschen Botschaft in Prag, Führung: Das jüdische Prag (Besuch von Synagogen und dem alten jüdischen Friedhof),  Teilnahme an der Gedenkfeier zum Jahrestag der Vernichtung von Lidice, Besichtigung Prags, Besuch des Museums in Lidice und Zeitzeugingespräch.

Oktober 2016

Deutsch-tschechischer Tag: Besuch des Rosenbeets am Rathaus Reinickendorf, gemeinsames Frühstück und Kennenlernen in der Schule, Fahrt mit dem Ausflugsdampfer durch das Regierungsviertel.

November 2016

Teilnahme an der Gedenkveranstaltung am Rathaus Reinickendorf mit einer Rede der Schülerinnen Dorothea B. und Julia S.

Januar 2017

Ein Filmteam des ARD-Hauptstadtstudios besucht die AG Gedenkstätten und dreht einen kurzen Beitrag zum Thema Holocaust-Gedenktag für die Sendung "Bericht aus Berlin" Besuch der Gedenkveranstaltung in der Synagoge Oranienburger Straße im Rahmen des jährlichen Holocaust-Gedenktages.

Februar 2017

Besuch des Jüdischen Museums, Führung und Workshop zum Thema Antisemitismus. Besuch von Prof. Dr. Benz in der Bertha für einen Vortrag zur Aktualität von Antisemitismus mit anschließender Diskussion.

Juni 2017

Gedenkstättenfahrt nach Tschechien: Teilnahme an der Gedenkfeier zum Jahrestag der Vernichtung von Lidice, Picknick mit tschechischen Schüler*innen, Besichtigung Prags unter Anleitung der tschechischen Schüler*innen, Besuch des Museums in Lidice.

Exkursion in die KZ-Gedenkstätte Ravensbrück: Workshop zum Schicksal der Frauen aus Lidice.

Ausführliche Berichte zu früheren und einzelnen in der Chronik erwähnten Veranstaltungen finden sich unten stehend.

L. Ihsen, L. Kelp

 

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Auf Spurensuche der Frauen aus Lidice

In der Nacht vom 9. auf den 10. Juni marschieren deutsche Polizisten unterstützt von tschechischen Einheiten und der SS in die kleine tschechische Dorfgemeinde Lidice ein, im Zuge einer willkürlichen Vergeltungsaktion für das Attentat an dem Reichsprotektor Reinhard Heydrich am 27.05.1942. Die Frauen des Dorfes werden von ihren Männern und Kindern getrennt und in einem mehrtätigen Transport ins Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück deportiert. Sie stehen in keinem Zusammenhang mit dem Attentat, sie wissen nichts über den Verbleib ihrer Männer und Kinder, sie wissen nichts über ihr eigenes Schicksal. „Lidice brennt“- das wird ihnen auf dem Weg zum Zug zugeflüstert. Sie können nicht ahnen, dass ihre Männer schon erschossen wurden und die meisten der Kinder kurze Zeit später in Chelmo ermordet werden würden. So gelangen sie am 14. Juni 1942 vor die Tore des KZ Ravensbrück.

Dies ist ein Lager, das sich seit seiner Eröffnung 1939 rasant ausdehnt (später kommen Lagerkomplexe mit Männern und jungen Mädchen hinzu) und das vorerst, anders als Ausschwitz oder Dachau, als Arbeitslager gilt. Später, gegen Ende des Krieges ab 1944, kamen dann auch Frauen aus Auschwitz oder Warschau hinzu, die aufgrund der Frontverschiebung von den Nationalsoziallisten verlegt werden. Der gewaltsame Eintritt durch das große Tor, das das Lager mit seinen drei Meter hohen Wänden umschließt, bedeutet einen Schritt in eine andere grauenhafte Welt. Rasierte Köpfe, Nummern, willkürliche Schläge und Entzug von Essen sollen jeder der Frauen ihre soziale und kulturelle Identität nehmen. Die Frauen erhalten lediglich einen Winkel, der sie einer Gruppe zuordnen sollte. Poltische Häftlinge, jüdische Häftlinge, sogenannte „Asoziale“, Sinti und Roma, religiöse Häftlinge und andere foltert und martert die SS in diesem Lager.

130.000 Frauen wurden in dem KZ in Fürstenberg an der Havel zum Arbeiten gezwungen geschunden, geschlagen und auf grauenhafte Art und Weise ermordet. Tagtäglich. Auch für die 196 Frauen aus Lidice, die nicht verstanden, warum sie in das Lager geschickt wurden, begann ein neues, schreckliches Leben. 12 Stunden arbeiten, schwere Prügelstrafen, Hunger, Misshandlungen und Leid quälten die Frauen dort endlose Tage, Monate und Jahre.  Der Traum und der Kampf sich selbst nicht zu verlieren und irgendwann aus diesem schrecklichen Albtraum befreit zu werden, war der Wunsch, den jede Frau im KZ Ravensbrück gehabt haben muss. Eine Solidarität wie man sie sich kaum vorstellen kann, muss in diesem Lager geherrscht haben. Ein Drang, andere am Leben zu erhalten, um selbst nicht unterzugehen. Zusammenhalt war eine Medizin gegen die Brutalität, die jede dieser Frauen, doch zumindest teilweise, brechen ließ. Denn allein der Glaube, die Hoffnung und das Zusammenstehen der Frauen untereinander hielt manche von ihnen bis zur Befreiung im April 1945 durch die Rote Armee am Leben. Die Solidarität war für die Häftlinge der einzige Weg zu überleben. Vielleicht und vor allem für die Frauen aus Lidice, die die ganzen Jahre davon träumten, ihre Familien wiederzusehen. 143 der insgesamt 196 Frauen kehrten nach dem Krieg in die Heimat zurück, wo ihr Leid jedoch kein Ende nahm.

Wir Schüler besuchten mit der Gedenkstätten-AG das ehemalige KZ Ravensbrück am 30. Juni 2017. Einen Ort, von dem 30.000 Frauen und Kinder nicht zurückkehrten. Dieser Schrecken ist nicht vorstellbar. Doch wurde uns ein umfangreicher Einblick in das Leben der Frauen gegeben. Unser Teamleiter begleitete uns über das Gelände, durch das Tor, in die Häuser der SS-Aufseherinnen (nur wenigen dieser Täterinnen wurde nach dem Krieg von den Alliierten der Prozess gemacht). In den Krematorien und dem Hauptlager, heute nur noch eine Fläche aus schwarzen Steinen, hielten wir inne. Nach diesen aufwühlenden Gang konnten wir uns noch auf die Spurensuche nach den Lidicer Frauen begeben, indem uns viele Quellen und Dokumente wie z.B. Zeitzeugenberichte zur Verfügung gestellt wurden. Trotz all dieser Informationen stellt sich dennoch die Frage, die sich auch die Frauen aus Lidice gestellt haben müssen: Warum?

Wir danken dem Leiter, der uns diese bewegende Geschichte nahegebracht hat und freuten uns auch sehr, dass die Abiturientin Lina S. uns begleitet hat.

Sophia Jung (Schülerin der Jg.St. 11)

Bericht zu Lidice

Vor 75 Jahren in der Nacht vom 9. auf den 10. Juni 1942 klopften deutsche und tschechische Soldaten sowie Polizisten an die Türen der tschechischen Dorfgemeinde Lidice, nicht weit von Prag.

27. Mai 1942: Eine Handgranate verletzt Reinhard Heydrich, Statthalter im besetzten Böhmen und Mähren, dritter Mann im NS Regime. Er erliegt kurze Zeit später seinen Verletzungen. Es folgen zahlreiche willkürliche Hinrichtungs- und Verhaftungswellen im Protektorat. Lidices Schicksal war besiegelt:

Die Familien des Dorfes wurden aus ihren Häusern getrieben. Die Männer, 184 an der Zahl, wurden in den Hof der Familie Horak gedrängt, an die Wand gestellt und nacheinander erschossen. Die Frauen brachten die Deutschen in die Schule der benachbarte Ortschaft Kladno, selektierten sie dort, trennten sie von ihren Kindern und brachten sie in Viehwaggons ins KZ Ravensbrück. Von den 103 Kindern des kleinen Dorfes wurden 88 wenige Wochen nach dem Einmarsch der Nationalsozialisten von diesen ermordet, 82 in Chelmno vergast. Die restlichen 17 wurden zu „Germanisierungszwecken“ an SS-Familien verkauft oder in Lebensbornheimen umerzogen. Lidice selbst wurde mit samt seinen Häusern dem Erdboden gleichgemacht, der Fluss umgeleitet, der Friedhof geschändet. 

Heute ist es still im ehemaligen Lidice. Man läuft durch die neuangelegte Dorfstraße, grüne Wäldchen säumen die große Rasenfläche, über einen kleinen Bach gelangt man hinauf zum Berg auf dem früher die Kirche stand. Nur noch wenige erhaltene Grundsteine erinnern daran, dass an diesem Ort mal menschliches und kulturelles Leben gewesen ist. Trotz dieser Idylle will kein Gefühl der Ruhe aufkommen, denn Lidice verbildlicht den teuflischen Plan der Nationalsozialisten: Das Dorf für immer von der Landkarte und der kollektiven Erinnerung zu streichen. Und das haben sie fast geschafft. Fast.

Zum Gedenken an die verstorbenen Kinder wurde ein Denkmal errichtet. Der Betrachter blickt in 88 Augenpaare von Kindern, aufgestellt in vier Reihen. Kein Augenpaar blickt den Betrachter an. Sie drücken die Charaktereigenschaften der Kinder aus; sie suchen keinen Kontakt mit uns. Diese Kinder kennen uns nicht, aber wir glauben sie zu kennen. Wir erkennen sie in den Augen aller Opfer, aller Flüchtlinge, aller Vertriebenen, der Gefolterten und der Toten. Und dieses Erkennen und Erinnern stellt sich gegen das Vergessen zu dem die Nationalsozialisten das Dorf verurteilen wollten. Lidice lebt weiter.

 

Wir, Schüler des 9 und 11 Jahrgangs, kamen im Hotel in Kladno unter, 10 Minuten Fußweg von der Schule, in denen die Frauen und Kinder damals ihre letzten Stunden miteinander verbrachten.

Am 10. 06. 2017 besuchten wir die zentrale Gedenkveranstaltung, die einem Staatsakt glich, in der der Opfer gedacht wurde. Viele Länder und Stiftungen zeigten ihre Anteilnahme, indem sie Kränze sandten, die vor dem ehemaligen Massengrab der Männer niedergelegt wurden. Vor Ort trafen wir die Prager Schüler, die eng mit der Gedenkstätten AG unserer Schule in Kontakt stehen und uns ein Picknick bereiten mit abschließender Führung durch Prag. So lernten wir die netten Eckchen der schönen Stadt kennen, flanierten über die Burg zur Aposteluhr und weiter zur John Lennon Wall.

Der letzte Tag führte uns erneut nach Lidice, wo wir das neue Museum besuchten und das uns durch Videoaufnahme der Überlebenden teilweise die Zeitzeugin ersetzte, die nicht kommen konnte. Nach diesem aufwühlenden Besuch mit den vielen Bildern des Dorfes, seinen Menschen und der Schrecken, die dort geschahen, sah man das Gelände mit anderen Augen. Anders als am Vortag war das Gelände nun nicht mehr so voll besucht und man konnte sich auf das Gedenken besinnen. Ein junger Mann führte die Reisegruppe über das Arial und gab uns weitere interessante Informationen über die Geschichte Lidices und die Gedenkstätte, die 1945 errichtet wurde. Zum Abschluss stand eine Einladung der Bürgermeisterin, Frau Kellerova auf dem Programm, die uns zum Mittagsessen in der Galeria Lidice einlud.

 

Sophia Jung

 

 

Anmerkung: Sehr gefreut haben wir uns auch über den Besuch von Victoria und Antonia. Die beiden ehemaligen Schülerinnen der Bertha waren vier Jahre in der AG Gedenken und sind nun, zwei Jahre nach ihrem Abitur, privat angereist und haben sich unserer AG angeschlossen.

L. Ihsen, L. Kelp

GEDENKEN UND DISKURS

Universität an die Schule: Prof. Dr. Benz zu Besuch an der Bertha

Seit Anfang des Jahres beschäftigen sich viele Schüler und Schülerinnen an der Bertha mit einem neuen Diskurs: Was ist eigentlich Antisemitismus? Gibt es einen „Neuen Antisemitismus“, steigt Antisemitismus in der deutschen Gesellschaft an und darf ich eigentlich an der Politik Israels Kritik üben?

Anlässlich des jährlich am 27. Januar stattfindenden internationalen Gedenktages für die Opfer des Holocausts als auch gleichzeitig des deutschen Gedenktages für die Opfer des Nationalsozialismus sind ca. 65 Schülerinnen und Schüler der Bertha bereits am 24. Januar 2017 der Einladung des Vereins „Initiative 27. Januar“ in die Synagoge in der Oranienburger Straße gefolgt, um dort an einer vom Verein organisierten Gedenkveranstaltung mit dem Titel „Vom Gedenken zur Kooperation: Die deutsch-israelischen Beziehungen – eine generationsübergreifende Aufgabe“ teilzunehmen. Die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler hatten an diesem Abend unter anderem die Gelegenheit, die Worte und Gedanken des Holocaust-Überlebenden und Zeitzeugen Pavel Hoffmann zu erleben – eine Erfahrung, die – wie auch Pavel Hoffmann betonte – nachfolgende Schülergenerationen in dieser persönlichen Form aufgrund des baldigen Endes der persönlichen Zeitzeugenschaft nicht mehr machen werden können. In der Tat empfanden viele unserer Schülerinnen und Schüler die Rede des Zeitzeugen und die Schilderung seines Schicksals als sehr berührend. Mehrere Schülerinnen und Schüler meldeten im Nachgang zu dieser Veranstaltung – so vor allem in ihren Geschichts- und PW-Kursen – zurück, dass die Rede des Zeitzeugen Raum dafür geschaffen hat, die Veranstaltung als eine Veranstaltung des Erinnerns und Reflektierens, bei der man aus vergangenen Fehlern lernen kann, wahrnehmen zu können. Darüber hinaus fanden sie auch die vom Zeitzeugen gewählte Verknüpfung von Gedenken und Reflektion der heutigen Situation gelungen. Sicherlich interessant, aber teilweise auch irritierend war es für die Schülerinnen und Schüler auf dieser Gedenkveranstaltung zu beobachten, wie der Veranstalter das Anliegen interpretierte aus dem Erinnerungsvermögen der Vergangenheit über eine generationsübergreifende Zusammenarbeit in der Gegenwart Gestaltungskraft für die Zukunft zu gewinnen. So erlebten die Schülerinnen und Schüler, dass die Veranstaltung eine klare politische Ausrichtung hatte, bei der die Stärkung der deutsch-israelischen Freundschaft im Mittelpunkt stand und die israelsolidarische Ausrichtung spürbar war. Das in diesem Zusammenhang geäußerte Anliegen Wachsamkeit gegen jede Form von Antisemitismus zu zeigen, hat bei unseren Schülerinnen und Schülern im Nachgang der Veranstaltung weitere Fragen aufgeworfen, so dass aus einer in vielfacher Hinsicht interessanten Abendveranstaltung der Wunsch unserer Schülerinnen und Schüler nach der Eröffnung eines Diskurses zum Thema Antisemitismus bestand.

Es galt nun, diese Fragen zu klären und die Schülerinnen und Schüler in dem Diskurs zu unterstützen. So entstand in der AG Gedenkkultur die Idee, Herrn Prof. Benz, einen deutschen Historiker der Zeitgeschichte und ein internationaler Vertreter der Vorurteils-, NS- und Antisemitismusforschung, an unsere Schule einzuladen. Die Veranstaltung fand am 16. März in der Mediothek statt und wir lauschten vierzig Minuten der Vorlesung über Antijudaismus, modernen Antisemitismus, Antizionismus und sekundären Antisemitismus. Herr Benz erzählte von seinen Erfahrungen im politischen sowie Gedenkstätten-bereich, von seinen Erkenntnissen, die er – so kann man sagen – auch als Zeitzeuge in der jungen Bundesrepublik sammelte. Anschließend stellten die Schülerinnen und Schüler Fragen zum Thema, so zum Beispiel, ob Herr Benz es für möglich halte, dass Antisemitismus eines Tages ausstürbe oder ob Antisemitismus in unserer Gesellschaft überhaupt noch eine Relevanz besitze. Es kam die Frage auf, inwiefern die AfD antisemitisch sei. Im Bezug auf Islamfeindlichkeit wurde die These überprüft, ob man Antisemitismus mit Islamfeindlichkeit in Deutschland vergleichen könne. Darauf antwortete Herr Benz entschieden, dass es seiner Meinung nach Parallelen des Antisemitismus im 19. Jahrhundert und der Islamfeindlichkeit in der heutigen Bundesrepublik gebe, auch wenn er für diese These oft angegriffen worden sei.

Abschließend stellte er nochmals deutlich heraus, dass seine Forschung ergeben habe, dass Vorurteile stets von der Mehrheit ausgingen und die Betroffenen keine Schuld treffen würde.

Es war eine lehrreiche und intensive Veranstaltung, die bestimmt nicht alle Fragen eindeutig klären konnte, doch die Schülerinnen und Schüler in ihrem Diskurs weiterbrachte sowie zum Nachdenken anregte. Wir danken Herrn Prof. Benz herzlich für seinen Besuch an unserer Schule.

Zum Besuch der Neuen Synagoge am 24. Januar: Frau Rauther für den Fachbereich Ge/PW
Zur Veranstaltung mit Prof. Benz: Herr Ihsen und Frau Kelp (AG Gedenkkultur)

Internationaler Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust

Seit 1996 ist der 27. Januar in Deutschland ein gesetzlich verankerter Gedenktag, der den Opfern des Nationalsozialismus gewidmet ist. Das Datum bezieht sich auf das Jahr 1945, als das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz von der Roten Armee im letzten Jahr des Zweiten Weltkriegs befreit wurde. Im Jahr 2005 wurde der 27. Januar von den Vereinten Nationen zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust erklärt.

Sechs Millionen als jüdisch definierte Menschen wurden nach dem Willen der Nationalsozialisten ermordet. Hunderttausende Sinti und Roma und Menschen mit Behinderung starben in den und durch die nationalsozialistischen Einrichtungen, ebenso wie Homosexuelle, politisch Andersdenkende und all jene, die nicht in das nationalsozialistische Weltbild passten.

Die AG Gedenken an die Verbrechen der Nationalsozialisten in Europa des Europäischen Gymnasiums Bertha-von-Suttner nimmt diesen Tag zum Anlass, um sich mit einer Ausstellung im Foyer der Schule vorzustellen. Auf neun Plakaten wird die Arbeit seit 2012 dokumentiert. Drei Schülerinnen sind seit den Anfängen dabei, 38 haben insgesamt an den unterschiedlichen Modulen und Exkursionen teilgenommen.

In diesem Jahr rückt der Fokus verstärkt auf den erinnerungspolitischen Diskurs. Der Umgang mit der nationalsozialistischen Vergangenheit wird auf fünf weiteren Plakaten beispielhaft aufgezeigt.  Dabei wird deutlich, dass das Gedenken und die Auseinandersetzung mit den Verbrechen der Nationalsozialisten kontroverse Reaktionen hervorgerufen hat und auch weiter hervorruft.

Neben den Schwierigkeiten bei der Überführung der Täter (z.B. im Rahmen der Auschwitz-Prozesse), wird auch der Umgang mit den Opfern (Debatte um das "Denkmal für die ermordeten Juden in Europa"; der Kniefall Willy Brandts am "Denkmal der Helden des Warschauer Ghettos") thematisiert. Zudem wird mit dem Historikerstreit eine Kontroverse um die Deutung des Dritten Reichs dargestellt. 

Eine erste Recherche zu den unterschiedlichen Themen fand im Rahmen einer Exkursion zum Haus der Wannseekonferenz am 17. Dezember 2014 statt. Dort legte eine Einführung in der Dauerausstellung durch den pädagogischen Dienst des Hauses den Grundstein für einen Workshop, der die strafrechtlichen, gesellschaftspolitischen und erinnerungspolitischen Folgen des Nationalsozialismus in den vier Besatzungszonen, in der Bundesrepublik und der DDR und in Deutschland seit 1990 thematisierte. In der Joseph Wulf Mediothek recherchierten die Schüler_innen jene Informationen, die in vertiefender Arbeit in der Schule und zu Hause zu der derzeitigen Ausstellung führten.

Am Abend des 27. Januar nahmen Schülerinnen der AG an der Gedenkveranstaltung "Lichterkette-Pankow" am ehemaligen jüdischen Waisenhaus in der Berliner Straße 120/121 teil. In Redebeiträgen wurde dem Jahrestag der Befreiung des KZ Auschwitz gedacht. Zudem wurde vor den heutigen Formen des Antisemitismus und Rassismus gewarnt und für eine stärkere Willkommenskultur für Flüchtlinge plädiert. Auf der Kreuzung Breite/Berliner Straße endete die Veranstaltung mit einer Schweigeminute für die Opfer der Verbrechen der Nationalsozialisten.

Gegen das Vergessen - Der 9. November

Der 9. November ist ein geschichtsträchtiges Datum in Deutschland. Während in diesem Jahr bei zahlreichen Gedenkveranstaltungen insbesondere dem 25jährigen Jahrestag des Mauerfalls gedacht wurde, darf die Erinnerung an die Ereignisse der Reichspogromnacht 1938 nicht aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwinden. Dieser 9. November 1938 wird gemeinhin als der Beginn einer staatlich verordneten gewalttätigen Verfolgung der jüdischen Bevölkerung betrachtet. Nach Jahren der Stigmatisierung, Demütigung und Ausgrenzung,  entwickelte sich der in der Mehrheitsgesellschaft auf wenig Widerstand treffende Umgang mit den als jüdisch definierten Mitbürger_innen während des 2. Weltkriegs zum Holocaust.

Am Mahnmal für die Opfer der Gewaltherrschaft, lädt das Bezirksamt Reinickendorf gemeinsam mit dem Arbeitskreis Politische Bildung in jedem Jahr am 9. November zu einer Gedenkveranstaltung. Diese erinnert neben der Reichspogromnacht auch an die Opfer aus Lidice, für im Jahr 1995 ein Rosenbeet neben dem Rathaus Reinickendorf angelegt wurde. In der Nacht vom 9. auf den 10. Juni 1942 war das tschechische Dorf in einem Willkürakt von den Nationalsozialisten überfallen und zerstört worden. Die Angreifer ermordeten alle männlichen Bewohner. Die meisten Kinder wurden in den folgenden Wochen vergast. Die Frauen wurden in das Konzentrationslager Ravensbrück deportiert.

Die AG Gedenken an die Verbrechen der Nationalsozialisten in Europa des Europäischen Gymnasiums Bertha-von-Suttner beschäftigt sich insbesondere mit den Ereignissen in Lidice und beteiligte sich auch in diesem Jahr an der Gestaltung der Gedenkveranstaltung. Neben Redebeiträgen von Bezirksbürgermeister Frank Balzer und dem Vorsitzenden des Freundeskreises deutsch-tschechische Verständigung e.V., Bohumil Řeřicha, sowie der musikalischen Begleitung von Herrn Kantor Heinroth, hielten auch die Schülerinnen Victoria B. und Katalin H. eine vielbeachtete Rede (siehe unten).

Wir bedanken uns bei Victoria, Katalin und Antonia für ein starkes Plädoyer gegen das Vergessen und bei allen AG-Teilnehmerinnen für ihre Anwesenheit.

L. Ihsen, L. Kelp

Rede für den 9.November 2014

Zwischen dem Ende des Krieges und unserem Geburtsjahr liegt mehr als ein halbes Jahrhundert. Eine Zeitspanne, in der sich unsere Welt in stetigem Wandel befand, in der sich so vieles veränderte und die letztendlich unserer Welt ein neues Gesicht verlieh. Eine Zeitspanne, die einer Generation wie unserer das Vergangene oft abstrakt und unbegreifbar erscheinen lässt, sodass uns ein direktes Verständnis der Geschichte erschwert wird. Es sind oft nur Texte, die sachlich von den historischen Ereignissen berichten und versuchen, uns die Geschichte näher zu bringen. Das Leid des Einzelnen kann dadurch jedoch nur schwerlich erfasst werden. Deshalb gehen das Gedenken und der Grund, weshalb wir uns heute hier versammelt haben, zwingend über diese reine Sachlichkeit hinaus.

Seit mehreren Jahren beschäftigen wir uns nun als Schülerinnen des Europäischen Gymnasiums Bertha-von-Suttner mit der Geschichte Lidices. Die Ereignisse der Nacht des 9. Juni 1942 sind zu einem Symbol der Grausamkeit des Nationalsozialismus geworden. Grausamkeit, die binnen einer Nacht zur Auslöschung eines gesamten Dorfes führte. Die Männer des tschechischen Dorfes, 325 an der Zahl, wurden allesamt gewaltsam ermordet. Im Anschluss an das Massaker wurden alle Frauen Lidices von ihren Kindern getrennt und in das Konzentrationslager in Ravensbrück deportiert. Ihre Kinder wurden bis auf wenige Ausnahmen vergast. Die wenigen unter ihnen, die den vermeintlich arischen Kriterien entsprachen, wurden zu sogenannten Germanisierungszwecken nach Deutschland gebracht.

Wir sind sehr dankbar, dass wir im Rahmen unserer Lidice-Reise die Möglichkeit hatten, mit einem der Überlebenden, Pawel Horesovsky, zu sprechen. Denn die Gelegenheit, sich mit ihm zu unterhalten, ließ die Geschichte für uns Schülerinnen aufleben und macht sie für uns wahrhaftiger. Ebenso macht es für einen das Wissen, an dem Ort zu stehen, an dem sich früher ein ganzes Dorf befand, in welchem unschuldige Menschen ihrem Alltag nachgingen, umso schockierender. Eine Erfahrung-viel intensiver und eindrucksvoller, als sie je durch ein Geschichtsbuch vermittelt werden könnte.

Gerade diese Art der Geschichtsvermittlung erhält mit verstreichender Zeit wachsenden Einfluss.

Denn wir befinden uns an dem Punkt, wo die Erinnerung der Menschen verblasst. Deswegen gewinnt die Gedenkkultur in unserer Gesellschaft an Bedeutung. Denn mit dem Verlust des aktiven Erinnerns droht uns der Bezug zu unserer Geschichte verloren zu gehen.

Einst sagte der Theaterregisseur und Essayist Benjamin Korn: "Der Mensch ist eine Maschine des Vergessens". Damit mag er wohl Recht haben, jedoch ist es unsere fortwährende Aufgabe dagegen anzukämpfen. Wir müssen uns unserer Vergangenheit stellen, wenn wir unsere eigene Zukunft aktiv und verantwortungsvoll gestalten wollen.

 

 

Gedenken in Lidice

Nachdem sich die AG Gedenken an die Verbrechen der Nationalsozialisten in Europa im März diesen Jahres in der Gedenkstätte Ravensbrück mit dem Schicksal der deportierten Frauen aus Lidice beschäftigt hat, fuhren wir vom 13. bis 15. Juni nach Tschechien.

Die Reise wird alljährlich vom Arbeitskreis Politische Bildung Vergangenheit - Zukunft organisiert und bietet unseren Schüler_innen sowie einer Gruppe der Gustav-Freytag-Schule die Möglichkeit, an den Gedenkveranstaltungen zum Jahrestag des Überfalls auf das Dorf Lidice teilzunehmen. In einer willkürlichen Vergeltungsaktion war es in der Nacht vom 9. auf den 10. Juni 1942 von nationalsozialistischen Einsatzkräften umstellt worden. Alle Männer ab 15 Jahre wurden erschossen, die Frauen und Kinder wurden zunächst in eine Turnhalle im nahe gelegenen Kladno gebracht. Nach drei Tagen wurden die Kinder ihren Müttern entrissen, nach rassischen Kriterien ausgesondert und ebenfalls ermordet,  wenige von ihnen kamen zu „Germanisierungszwecken“ in deutsche Familien. Die Frauen wurden in das Konzentrationslager Ravensbrück verschleppt. Das Dorf wurde dem Erdboden gleich gemacht. Ab 1945 entstand an seiner Stelle eine Gedenkstätte.

Dieses Jahr bezogen wir das Hotel Kladno. Am Freitagnachmittag führte uns Pavel Horesovsky in die Turnhalle des Gymnasiums Kladno und schilderte die dortigen Ereignisse der Tage nach dem Überfall auf Lidice. Es waren nicht nur die beklemmenden Informationen alleine, die uns berührt haben, sondern auch die Tatsache, das Herr Horesovsky eines jener Kinder war, das damals von seiner Mutter getrennt wurde. Am Abend besuchten wir wie im letzten Jahr ein Freiluftkonzert in der Gedenkstätte in Lidice.

Am Vormittag des folgenden Tages fand die zentrale Gedenkveranstaltung in der Gedenkstätte Lidice statt. Neben unterschiedlichen Reden (die uns später im Bus zusammenfassend übersetzt wurden), beobachteten wir die Kranzniederlegungen und erkundeten das gesamte Gelände, auf dem früher das Dorf Lidice stand.

Am Nachmittag stand die Erkundung Prags auf dem Programm. Nach einer interessanten Führung durch die Prager Burg bis zum Altstädter Ring bewegten sich die Schüler_innen in Kleingruppen durch die wunderschöne Stadt.

Der letzte Tag führte uns nochmals zur Gedenkstätte Lidice, wo wir das Museum besuchten. Leider konnte das geplante Gespräch mit der Zeitzeugin Mila Kalibová aus gesundheitlichen Gründen in diesem Jahr nicht stattfinden. Wir wünschen ihr gute Besserung und bedanken uns für den extra von ihr verfassten Brief, der in der Übersetzung vorgetragen wurde. Die Reisegruppe besuchte ein letztes Mal das Mahnmal der 82 ermordeten Kinder und das Rosenbeet. Zum Abschluss stand ein kurzer Besuch der Kinderkunstausstellung in der Galerie Lidice auf dem Programm sowie ein gemeinsames Mittagessen auf Einladung der Bürgermeisterin von Lidice, Frau Kellerova.

Herr Ihsen

Die Erinnerung darf nicht enden - Gedenkveranstaltung zum 9. November

Auch in diesem Jahr findet am Europäischen Gymnasium Bertha-von-Suttner wieder die AG Gedenkstätten statt. Im Mittelpunkt stehen dabei die Verbrechen der Nationalsozialisten mit besonderem Augenmerk auf die Ereignisse in dem tschechischen Dorf Lidice, welches zum Symbol für die Verbrechen der Nationalsozialisten wurde. Bei dem Überfall in der Nacht vom 9. auf den 10. Juni 1942 wurden alle Männer ermordet, ebenso wie die meisten Kinder. Nur wenige von ihnen überlebten  das Massaker, sie wurden von ihren Müttern getrennt und zu sogenannten "Germanisierungszwecken" nach Deutschland gebracht. Die Frauen wurden von den Nationalsozialisten in das Konzentrationslager Ravensbrück deportiert.

Vor dem Rathaus Reinickendorf wurde 1995 auf Initiative von Ernst Froebel (Arbeitskreis Politische Bildung) ein Rosenbeet mit 50 Rosen aus Lidice eingeweiht. Dieses befindet sich neben dem Mahnmal für die Opfer der Gewaltherrschaft. Auch in diesem Jahr nahmen einige Schülerinnen der Gedenkstätten-AG an der Kranzniederlegung  zum Gedenken der Opfer der Novemberpogrome von 1938 teil.

Nach der Begrüßung der Gäste hielt Herr Bezirksstadtrat Höhne eine Ansprache, in der er an die Pogrome ebenso erinnerte wie an die Verbrechen in Lidice und auch zu einem menschwürdigen Umgang mit Flüchtlingen in diesen Tagen mahnte. Berührend war die Rede von Herrn Horešovský, eines jener wenigen überlebenden Kinder aus Lidice, dessen Worte durch Frau Rabe vom Arbeitskreis übersetzt wurden. Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung von Herrn Heinroth.

Auch unsere AG war wieder aktiv an der Gestaltung beteiligt. So hielten Victoria B. und Antonia S. aus dem 11. Jahrgang eine Rede, in der sie auf die Notwendigkeit des Erinnerns hinwiesen (siehe unten). Wir bedanken uns bei den beiden für die sorgfältig gewählten Worte und auch bei den anderen anwesenden AG-Teilnehmerinnen.

Herr Ihsen, Frau Kelp

 

„Das ständige Gedenken treibt die Menschen vor sich her, von der Antike bis zur Neuzeit“ erläutert der Historiker Christian Meier. Trotzdem werde die Welt nicht friedlicher.

 

Wozu gedenken wir also? Wieso gedenken wir nach 68 Jahren noch immer den Opfern des Nationalsozialismus?

Gerade für unsere Generation ist es nicht leicht, Antworten auf diese Fragen zu finden. So erscheint uns Vergangenes oft abstrakt und ungreifbar. Und trotzdem nehmen wir heute als Schülerinnen des Europäischen Gymnasiums Bertha-von-Suttner an dieser Gedenkfeier teil. Denn es ist zu einer langjährigen Tradition an unserer Schule geworden, sich mit den nationalsozialistischen Verbrechen, vor allem am Beispiel Lidices, zu befassen.

Diese Form der Aufarbeitung brachte uns erstmals die zukunftsweisende Funktion des Gedenkens näher.

Wir beschäftigten uns also mit Lidice, dem Dorf, das binnen einer Nacht verschwand. Diese Nacht vor 71 Jahren hatte zur Folge, dass 325 Menschen auf grausame Weise ihr Leben verloren. Die Männer des Dorfes wurden am 9. Juni 1942 allesamt im Hof der Famile Horák zusammengetrieben und exekutiert. Im Anschluss an das Massaker wurden alle Frauen Lidices von ihren Kindern getrennt und in das Konzentrationslager Ravensbrück deportiert. Ihre Kinder wurden bis auf wenige Ausnahmen in Vernichtungslagern vergast. Die Wenigen unter ihnen, die den vermeintlich arischen Kriterien entsprachen, wurden zu sogenannten "Germanisierungszwecken" nach Deutschland gebracht.

Es ist aus unserer heutigen Perspektive kaum vorstellbar, dass Menschen je gezwungen wurden, solches Leid zu ertragen. Diese Grausamkeit lässt sich nur schwer in Worte fassen. Wäre es in diesem Zusammenhang also nicht einfacher und bequemer für uns, die Vergangenheit ruhen zu lassen und zu vergessen?

Manchmal scheint es so, als wäre es einfacher die Geschichte zu vergessen, jedoch besteht die Notwendigkeit zu gedenken. Geschichte lässt sich nicht verdrängen und beiseiteschieben. Sie gehört zu unserem kollektiven Gedächtnis dazu. So gedenken wir heute an das Schicksal Lidices, das ein Symbol für alle nationalsozialistischen Kriegsverbrechen geworden ist.

Wir sind verpflichtet an Lidice zu gedenken, um den Menschen inhumanes Verhalten zu verdeutlichen und damit solch ein Leid zukünftig zu verhindern.

Deshalb ist es zwingend notwendig, dass wir unsere Geschichte aufarbeiten, uns ihrer bewusst bleiben und aus ihr lernen – ein wichtiger Grund dafür, dass wir gedenken. Letztendlich müssen wir auch rückwärts blicken, um nach vorne schauen zu können.

Wieso gedenken wir nun? Diese Frage beantwortete bereits der Bundespräsident Roman Herzog: "Die Erinnerung darf nicht enden; sie muss auch künftige Generationen zur Wachsamkeit mahnen. Es ist deshalb wichtig, nun eine Form des Erinnerns zu finden, die in die Zukunft wirkt."

 

 

Vergangenheit - Gegenwart - Zukunft

Vergangenheit - Gegenwart - Zukunft: Die AG zum Gedenken an die Verbrechen der Nationalsozialisten in Europa stellt sich vor.

Seit Jahren organisiert die Europäische Schule Bertha-von-Suttner eine Schülerfahrt zu der zentralen Gedenkveranstaltung nach Lidice. Das tschechische Dorf wurde in einer willkürlichen Vergeltungsaktion in der Nacht vom 9. auf den 10. Juni 1942 von nationalsozialistischen Einsatzkräften umstellt und seine Bewohner zusammengetrieben. Alle Männer über 15 Jahre wurden erschossen, die Frauen in Konzentrationslager verschleppt und dort teilweise ebenfalls ermordet. Die Kinder des Dorfes wurden nach rassischen Kriterien ausgesondert und ebenfalls ermordet, dreizehn von ihnen kamen zu „Germanisierungszwecken“ in deutsche Familien. Das Dorf wurde dem Erdboden gleich gemacht.

Zwölf Schülerinnen und Schüler aus den Jahrgängen 9 - 11 setzen sich dieses Schuljahr in mehreren Modulen mit dem Gedenken an die nationalsozialistischen Verbrechen mit dem Schwerpunkt Lidice auseinander.

In einem ersten Treffen im Oktober stand zunächst das Gedenken im Mittelpunkt. Wir stellten uns die Frage, inwiefern dies notwendig und zukunftsweisend sein kann, welche Gedenkformen es gibt und welche Bedeutung dieser Begriff für jeden von uns hat. Die Ergebnisse unserer Arbeit wurden an den Beispielen des Mahnmals für die ermordeten Juden Europas, des Projekts der Stolpersteine sowie der Internetpräsenz von KZ-Gedenkstätten untersucht.

In einem weiteren Modul setzten wir uns mit der nationalsozialistischen Ideologie als Grundlage für die begangenen Verbrechen auseinander, zudem wurden wichtige Etappen der nationalsozialistischen Herrschaft vor und während des Zweiten Weltkriegs besprochen. Die Schüler_innen lernten den Alltag im tschechischen Dorf Lidice vor seinem schrecklichen Ende anhand von Fotos und persönlichen Erinnerungen kennen. Zudem wurden die Ereignisse der Nacht des 9. auf den 10. Juni 1942 erarbeitet und besprochen.

Am 9. November nahm unsere AG an der Kranzniederlegung zum Gedenken der Opfer der Novemberpogrome von 1938 am Mahnmal für die Opfer der Gewaltherrschaft vor dem Rathaus Reinickendorf teil. Dort befindet sich auch ein Rosenbeet, das an die Verbrechen in Lidice erinnert und seit Jahren abwechselnd von Schülern der Gustav-Freytag-Schule sowie der Europäischen Schule Bertha-von-Suttner gepflegt wird. Vor Ort folgten wir den Ansprachen des Bezirksbürgermeisters Herrn Balzer sowie des stellvertretenden Bürgermeisters Herrn Höhne. Zudem war die Bürgermeisterin Lidices, Frau Kellerová, angereist und hielt eine kurze Ansprache. Ein Chor der Gustav-Freytag-Schule begleitete die Gedenkveranstaltung. Auch unsere AG brachte sich aktiv in die Gestaltung ein: Hagen v. C . aus dem 9. Jahrgang hielt eine vielbeachtete Rede, in der er auf die nationalsozialistischen Verbrechen hinwies und unsere Aufgabe, diese aufzuarbeiten, um verantwortlich unsere Zukunft gestalten zu können, schilderte. Die Rede befindet sich im Anhang. Die AG wird auch im kommenden Jahr aktiv bleiben, bevor auch wir am Wochenende um den 15. Juni 2013 gemeinsam mit und unterstützt vom Arbeitskreis Lidice nach Tschechien fahren werden und dort an der Gedenkveranstaltung teilnehmen. Wir möchten uns an dieser Stelle für das Engagement die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler bedanken, mit denen wir sehr intensive Nachmittage an unserer Schule verbringen.

Frau Kelp / Herr Ihsen

 

Rede des Schülers Hagen v. C.:

Vor 70 Jahren, am 9. Juni 1942, war das kleine tschechische Dorf Lidice von deutschen Soldaten umstellt. Alle Männer des Dorfes, es waren 172, wurden im Hof der Familie Horák zusammengetrieben. Dort wurden sie erschossen. Auch die Frauen und Kinder wurden aus ihrem gewohnten Alltag gerissen. Die Kinder wurden ermordet oder in Umerziehungslager gebracht, die Frauen in Konzentrationslager verschleppt, wo die meisten von ihnen später ermordet wurden. Sieben Frauen waren zu diesem Zeitpunkt, im Sommer 1942, schwanger.Man brachte sie nach Prag, um ihre Kinder zu gebären. Unmittelbar nach ihrer Geburt wurden die Kinder von ihren Müttern getrennt. Und auch das Schicksal dieser Frauen war das Konzentrationslager. Lidice selbst wurde dem Erdboden gleichgemacht. Es sollte von der Landkarte verschwinden. Die Nazis gaben vor unter den Dorfbewohnern Unterstützer des Widertstands zu wissen. Deshalb sollte ein Exempel für die uneingeschränkte Macht der Nazis demonstriert werden. Was an diesem Tag geschah war ein sinnloses Verbrechen an den Menschen Lidices, ein grausamer Akt eines grausamen Systems.

Was wir im Gedenken an die Bewohner Lidices nicht vergessen dürfen ist, dass auch heute Kriegsverbrechen an vielen Orten auf der Welt immernoch geschehen. Die Zivilbevölkerung wird dabei zum Opfer sinnloser Gewaltakte.                                              

Warum gedenken wir also? Die Vergangenheit lässt sich nicht leicht bewältigen, schon gar nicht die der nationalsozialistischen Zeit. Wir erhalten die Erinnerung aufrecht, weil wir eine Verantwortung haben, nicht nur für die Vergangenheit, sondern auch für die Zukunft. Denn wir sind es, die sie gestalten.