Die diesjährige Europawoche: 60 Jahre Römische Verträge – Europa im Wandel

Im Rahmen der bundesweiten Europawoche vom 05.-14.05.2017 haben Schülerinnen und Schüler unserer Schule auch in diesem Jahr wieder eine Reihe von Veranstaltungsangeboten wahrgenommen. So haben z.B. die Leistungskurse Erdkunde und PW des 11. Jahrgangs gemeinsam den Besuch von Herrn Dregger, Mitglied des Abgeordnetenhauses seit 2011 (CDU), an unserer Schule gestaltet und in einem persönlichen Gespräch mit ihm den Austausch über die EU gesucht.

Am Europatag (9. Mai) gedenken wir jedes Jahr, dass wir in Europa in Frieden und Einheit leben. Es ist der Tag der historischen Schuman-Erklärung: Am 9. Mai 1950 hielt der damalige französische Außenminister Robert Schuman in Paris eine Rede, in der er seine Vision einer neuen Art der politischen Zusammenarbeit in Europa vorstellte – eine Zusammenarbeit, die Kriege zwischen den europäischen Nationen unvorstellbar machen sollte. Knapp ein Jahr später wurde eine solche Institution eingerichtet, bei der die Verwaltung und Zusammenlegung der Kohle- und Stahlproduktion der Dreh- und Angelpunkt war (EGKS).

Der diesjährige Europatag war natürlich auch von dem Jubiläum geprägt, das die EU in diesem Jahr begeht: 60 Jahre Römische Verträge. Vor sechzig Jahren am 25. März wurde in Rom der Grundstein für Europa in seiner heutigen Form gelegt. Mit den Römischen Verträgen wurde ein gemeinsamer Markt geschaffen, in dem Menschen, Waren, Dienstleistungen und Kapital frei zirkulieren können – Voraussetzung für Wohlstand und Stabilität für alle europäischen Bürgerinnen und Bürger.

Begonnen hat unser diesjähriger Veranstaltungsreigen direkt am Europatag, dem 09. Mai. Einige Schülerinnen und Schüler des 10. Jahrgangs sowie der Oberstufe folgten der Einladung der Konrad Adenauer Stiftung und lauschten am Abend dem Vortrag von Prof. Dr. Eckart D. Stratenschulte (Leiter der Europäischen Akademie in Berlin), der zum einen Erinnerungen an den 25. März 1957 als auch einen Ausblick auf mögliche Entwicklungsszenarien der EU 2027 zum Thema hatte. Dabei wurden wir zunächst einmal mit der These konfrontiert die Geschichte der EU lasse sich als eine Geschichte der Misserfolge erzählen. Aufgerüttelt von dieser These wurde uns im Verlauf der Veranstaltung dann aber klar, dass dies nicht als pessimistische Bilanz zur fortschreitenden Integration der EU gemeint war, sondern den Blick dafür schärfen sollte, dass – obwohl die Vertragsländer tatsächlich häufig buchstäblich bis zum letzten Moment um Einzelheiten der Verträge gestritten haben – dieses beständige Ausloten der Kompromissfähigkeit dennoch gerade gezeigt hat, dass der Integrationsprozess nie zum Erliegen kam. Mit einer Rückschau von über einem halben Jahrhundert könne man sagen, dass der Integrationsprozess Europa einen großen Schritt nach vorne gebracht hat. Insofern liegt in dieser Betrachtung auch die Chance die derzeitige schwierige Situation der EU nicht automatisch als Identitätskrise der EU zu lesen, sondern darauf zu bauen, dass die Mitgliedstaaten in der Aufrechterhaltung ihrer Kompromissfähigkeit auch Wege für die zukünftige Gestaltung der EU finden. Der Vortrag schloss mit einer Vorstellung des im Jubiläumsjahr der EU von der EU-Kommission veröffentlichten Weißbuches zur Zukunft der EU. Mit den darin skizzierten 5 Szenarien möchte die EU-Kommission die Mitgliedsstaaten dazu einzuladen, über die Zukunft der EU nachzudenken und diese gemeinsam zu gestalten, damit auch die nächste Generation in 60 Jahren die EU hoffentlich als Erfolg wird bewerten können.

Im Rahmen der Europawoche hat der LK Erdkunde am 22.05.2017 einen eigenen Projekttag gestaltet: Im Mittelpunkt stand eine Umfrage zur aktuellen Wahrnehmung der Reinickendorfer Bevölkerung über die EU. Das Projekt diente zur Vorbereitung des Besuchs von Herrn Dregger am 23.06.2017 an unserer Schule.

Unterstützt durch ein Angebot der Senatsverwaltung für Kultur und Europa haben der Profilkurs PW und der bilinguale Wahlpflichtkurs Geschichte im 10. Jahrgang im Juni an einem durch „Planpolitik“ angeleiteten Planspiel zur EU teilgenommen. Aus der Reihe „Next Level Europe – das Spiel der Regionen“ konnten die Schülerinnen und Schüler zum Thema „Asyl und Migration“ einmal in die Rolle eines europapolitischen Akteurs schlüpfen und mit vorbereiteten Rollenkarten selbst erleben, wie es ist, eine bestimmte Sichtweise in europapolitische Entscheidungsprozesse einzubringen. Das Planspiel fand im Europäischen Haus Unter den Linden statt, welches sowohl als Informationsbüro des Europäischen Parlaments als auch Vertretung der Europäischen Kommission in Berlin dient. Vor entsprechend europapolitischer Kulisse übernahmen die Schülerinnen und Schüler entweder die Rolle eines Fachministers im Rat der Europäischen Union oder vertraten eine bestimmte Länderregion im Ausschuss der Regionen. Auch die Übernahme der Rolle der Medien gehörte zum Planspiel: Ein eingesetztes Journalistenteam begleitete die Ausschusssitzungen und in einem selbstgefilmten Beitrag wurde über den Verhandlungsmarathon berichtet. Diesen Filmbericht schauten wir uns dann nach Abschluss des Rollenspiels wieder als ganz „normale“ EU-Bürger an, womit auch ein gelungener Übergang vom Rollenspiel zur gemeinsamen Reflexion des Rollenspiels gegeben war. Die Rückmeldung der teilnehmenden Schülerinnen und Schüler war positiv, denn sie konnten einen Vormittag lang die verschiedenen Positionen der Länder zu Migration und Asyl recht realitätsnah verhandeln und haben einen Einblick darin bekommen, welches Gremium eine eher beratende und welches eine mitentscheidende Rolle im Institutionengefüge der EU besitzt. Durch das Planspiel haben die Schülerinnen und Schüler vor allem ein Gefühl für den Ablauf politischer Prozesse und einen Einblick in das Funktionieren der EU bekommen. Da „Planpolitik“ die Materialien für dieses und ein anderes europapolitisches Planspiel auch online zur Verfügung stellt, haben wir als Schule die Möglichkeit die Planspielidee auch zukünftig im Unterricht einzusetzen.

Den Abschluss unserer schulischen Aktivitäten zur Europawoche bildete der Besuch von Herrn Dregger an unserer Schule am 23.06.2017. Die Schülerinnen und Schüler der Leistungskurse Erdkunde und PW nutzen die Gelegenheit mit einem Landespolitiker in einer angeregten Diskussion Wahrnehmungen über die EU abzugleichen und über aktuelle politische Herausforderungen der EU wie Populismus und Auslandseinsätze in Krisengebieten zu sprechen. Auch das Thema Zuwanderung und sich daraus ergebende integrationspolitische Fragen wurden gemeinsam diskutiert. Herr Dregger bot unseren Schülerinnen und Schülern einen anschaulichen Einblick in seine politische Tätigkeit im Abgeordnetenhaus und vertrat seine Positionen engagiert. Wir möchten uns an dieser Stelle noch einmal recht herzlich bei ihm für seinen Besuch bei uns an der „Bertha“ und sein Plädoyer für Europa bedanken. Wir blicken auf interessante und bereichernde Eindrücke, die unterschiedliche gesellschaftliche Perspektiven haben deutlich werden lassen, während unseres diesjährigen europapolitischen Veranstaltungsreigen zurück.  

M. Rauther

Fachbereichsleiterin Gesellschaftswissenschaften