Besuch im Primatenzentrum

An einem Donnerstag Morgen, dem 10.Februar 2011, versammelte sich der Bio-Leistungskurs, sowie eine Hand voll Referendare, verschlafen um halb 8 am Bahnhof Gesundbrunnen. Von dort aus fuhren wir mit dem Interconnex etwas über eine Stunde zum Leipziger Hauptbahnhof. Dort angekommen machten wir uns auf den Weg zum Leipziger Zoo, einem Fußmarsch von ungefähr 20 Minuten. Am Tor empfing uns sogleich eine nette Biologiestudentin und Tierwärterin im so genannten „Pongoland“. An einer Stellwand zeigte sie uns zuerst einige Hilfsmittel, mit denen sie das Lernverhalten der Primaten beobachten und die der Beschäftigung dienen (Futtersuche). Danach ging es weiter in das große Primatenzentrum, dem Affenhaus, wo uns Bonobos, Gorillas, Schimpansen und Orang-Utans schon erwarteten. Vor uns lag nun eine einstündige Führung durch das Affenhaus mit interessanten Informationen zu den verschiedenen Herrentieren und den jeweiligen Experimenten zur Verhaltensforschung. Nach einer kleinen Pause wurden wir in das Wolfgang Köhler Zentrum für Primatenforschung geführt, wo uns Johannes Großmann, ein Forschungsassistent, in einem einstündigen Vortrag mit unterstützender Powerpoint-Präsentation die Forschungsmethoden im Primatenzentrum näherbrachte. Dabei stand der Vortrag unter dem Thema „Wer ist Affe, wer ist Mensch?“ und handelte hauptsächlich von dem Kausalverständnis und der Kommunikation der Affen.

Gegen 13:30 Uhr machten wir uns vom Helmholtz-Zentrum auf den Weg zu den Tieraffen, die wir nach vielen Umwegen quer durch den Zoo erreichten. Wir stellten die uns bekannten Unterschiede zu den Menschenaffen nun auch am lebenden Objekt fest und wurden dann gegen 14 Uhr in unsere Freizeit entlassen. Bis 18:30 Uhr hatte nun jeder Zeit, sich weiterhin im Zoo umzusehen oder auch einen Stadtbummel in der Leipziger Innenstadt zu unternehmen. Auf der Rückfahrt mit dem Interconnex war der gesamte Kurs erschöpft vom anstrengenden Tag, aber trotzdem glücklich, solch einen interessanten Ausflug erlebt haben zu dürfen. Gegen halb 9 erreichten wir den Berliner Hauptbahnhof, einige waren zuvor schon am Potsdamer Platz ausgestiegen, und jeder machte sich von dort aus auf den Weg nach Hause.
Isabelle, Nathalie

Die vier Menschenaffen

Orang Utan:
Orang Utans sind die schwersten baumbewohnenden Tiere und vom Menschen genetisch am weitesten entfernt. Das liegt daran, dass sie sich bereits vor 6 Millionen Jahren vom Stammbaum der Hominiden abgespaltet haben. Es gibt den Sumatra Orang Utan und den Borneo Orang Utan, wobei nur der zuerst genannte im Leipziger Zoo vertreten ist. Sie sind sehr gute Nahrungsverwerter und setzen schnell Fett an. Orang Utans zeichnen sich des Weiteren durch einen stark ausgeprägten Geschlechtsdimorphismus aus. Das bedeutet, dass Männchen und Weibchen sich äußerlich stark voneinander unterscheiden. Manche Männchen tarnen sich als Weibchen, um dieselbigen zu erschleichen, was jedoch oft zu Vergewaltigungen führt. Durch die Beschäftigungsangebote im Pongoland neigen die Orang Utans dazu, Werkzeuge clever zu verwenden. Diesen Werkzeuggebrauch kann man normalerweise in der Wildnis nicht beobachten.

Schimpanse:
Der Schimpanse ist neben dem Bonobo dem Menschen genetisch am ähnlichsten. Die DNA stimmt zu 98 % mit der des Menschen überein. Es gibt vier verschiedene Unterarten: den Westlichen Schimpansen, den Östlichen Schimpansen, den Zentralafrikanischen Schimpansen und den Nigeria-Schimpansen. Bei dieser Affenart ist der Rang entscheidend und sowohl bei Männchen als auch bei Weibchen gibt es eine strenge Rangfolge. Sie leben in Gruppen von bis zu 100 Tieren und kommen in einem Gebiet von der Elfenbeinküste bis nach Tansania vor. Sie verwenden Werkzeuge, die es ihnen erleichtern, an schmackhafte Termiten und Ameisen zu gelangen. Außerdem jagen sie in kooperativer Art und Weise. Hierbei gehören besonders Stummelaffen zu ihrer Beute. Ihren jeweiligen sozialen Rang erhalten sie je nach Ausgeprägtheit ihrer Kraft, Lautstärke, Koalitionen und Cleverness. Während Tiere, die im Zoo von Hand aufgezogen wurden, mehr auf den Menschen fixiert sind, sind frei lebende Tiere von Menschen eher unbeeindruckt. Schimpansen verfügen zwar über Traditionen, man kann jedoch nicht von einer Kultur sprechen. Um Beziehungen zu stärken, führen Schimpansen das ,,Grooming“ durch, was eine Art der Fellpflege ist. Die Weibchen haben einen langen Reproduktionszyklus und müssen irgendwann in andere Zoos umsiedeln sowie in der Wildnis abwandern. Dies ist notwendig, um eine eventuelle Inzucht zu vermeiden. Im Affenhaus haben Schimpansen eine Lebenserwartung von bis zu 55 Jahren.

Sonja Ehlers, Sophie Kohlsmann

Gorilla:
Gorillas kommen in Afrika vor und leben in einer Haremsstruktur. Die Gruppen haben durchschnittlich 11 Mitglieder: ein Leitmännchen und je 5 Jungtiere und Erwachsene, meist Weibchen. Gorillas sind Knöchelgänger mit massivem Körperbau, schwarzem Fell und schütterer Behaarung. Das Leitmännchen entwickelt ein graues Fell und wird daher Silberrücken genannt. Da sie sich von zellulosereicher Nahrung ernähren, haben sie oft aufgeblähte Bäuche. Im Gegensatz zu den anderen Menschenaffen ist der Werkzeug gebrauch der Gorillas eingeschränkt. Der direkte Augenkontakt wird als Drohung oder Beleidigung empfunden. Sie tragen ihre „Kämpfe“ eher durch Blicke als durch Taten aus. In Menschenobhut können sie bis zu 50 Jahre alt werden. In der Wildnis älter als 35 Jahre.

Bonobos:
Bonobos leben in Gruppen von durchschnittlich 30 Tieren, die soziale Interaktion wird insbesondere von den nicht verwandten Weibchen bestimmt. Sie sehen Schimpansen ähnlich, haben aber einen grazileren Bau. Früchte und Blätter bilden ihre Hauptnahrungsmittel. Sie sind mit den Schimpansen die nächsten Verwandten des Menschen unter den vier Menschenaffen. Der Werkzeuggebrauch ist stark ausgeprägt. Bonobos haben ein ausgeprägtes Sexualleben, da es unter anderem zur Konfliktlösung und zum Stressabbau dient. Es kommt zu hetero-, homo- und auch autosexuellen Handlungen mit resultierender Dominanz der Weibchen über die Männchen. In Menschenobhut können Bonobos bis zu 50 Jahre alt werden. In der Wildnis können sie bis zu 35 Jahre erreichen.

Caprice, Eileen, Denise, Lale

Kommunikation der Menschenaffen

Voraussetzungen für eine erfolgreiche Kommunikation sind gemeinsame Absichten, Ziele und Ansichten.

1. Vokalisation
Affen äußern Rufe, z.B. wenn sie Futter finden, egal ob Artgenossen in der Nähe sind oder nicht. Dies dient einerseits dem Schutz vor Feinden (Wachposten aufstellen) und andererseits dem Fortbestand der Gruppe.
Wenn Aggressionen erlitten werden, wird auch gerufen. Verbündete oder Muttertiere eilen dann oft zur Hilfe.
Verglichen mit den Menschen wenden sich Affen beim Kommunizieren nicht direkt an ihre Artgenossen, um ihnen etwas mitzuteilen. Sie geben einen Laut, den alle Affen kilometerweit wahrnehmen.
Die Menschen dagegen verständigen sich mit ihren Mitmenschen durch Herstellen von direktem Augenkontakt, indem sie zum Beispiel auf eine Sache zeigen und so darauf aufmerksam machen.

2. Gestik
Affen erlernen Gesten beim Spielen mit Artgenossen in ihrer Kindheit und von dem Muttertier. Jedoch ist der entscheidende Unterschied zum Menschen, dass sie nicht die Gesten nachahmen, sondern das Ziel (z.B. eine Nuss öffnen) übernehmen.
Wenn ein ranghohes Tier Futter erlangt hat, wird dies nicht aktiv geteilt, sondern von den anderen Mitgliedern der Gruppe gestohlen (was geduldet wird) oder erbettelt. Dabei ist derjenige am erfolgreichsten, der am meisten und hartnäckigsten nervt.
Siehe Video: http://wkprc.eva.mpg.de/movie/2009_SocCog_GesCom_vid_homepage.mpg

für weitere Informationen siehe
http://wkprc.eva.mpg.de

Ann-Kristin, Dilara, Florian, Janine, Lisa



Kausalverständnis

Während unseres Zoo-Aufenthalts in Leipzig konnten wir beobachten, dass Menschenaffen die Fähigkeit besitzen, verschiedene Zusammenhänge zwischen Objekten und deren Wirkung auf ihre Umwelt zu erkennen. Der Werkzeuggebrauch der Menschenaffen zur Problemlösung, welchen wir in verschiedenen Experimenten sehen konnten, weist auf ein kausales Verständnis hin. Kognitive Fähigkeiten helfen ihnen, die Bedeutsamkeit bestimmter Objekte auf die Umwelt zu erkennen. Es zeigte sich, dass Affen Aufgaben besser lösen, wenn sie ihre Finger anstatt eines Werkzeuges benutzen oder sich ein Werkzeug selbst auswählen können, anstatt zwei vorgegebene Werkzeuge zu nutzen. Das deutet darauf hin, dass vorgefertigte Aufgabenstellungen das Kausalverständnis der Tiere überdeckt haben können.
Studie zum Kausalverständnis:
In dem Primatenzentrum des Leipziger Zoos werden im Pongoland zahlreiche Studien mit den Menschenaffen durchgeführt. Eine dieser Studien zeigte, dass Menschenaffen zu Schlussfolgerungen fähig sind, jedoch nicht in der Lage sind Strategien zu entwickeln.

Studie http://wkprc.eva.mpg.de/movie/2009_SocCog_TOM_vid_homepage.mpg

Beschreibung:

- 2 Menschenaffen in verschiedenen Räumen, die sich gegenüberliegen
- In der Mitte befindet sich ein Tisch mit 3 Behältern, wobei sich einer von den anderen in der Form unterscheidet
- im ersten Durchgang wird die Sicht für Affen A (links) blockiert, Affe B (rechts) sieht unter welche Behälter die Bananen gelegt werden. Er weiß, dass der ungleiche Behälter von links eingesehen werden kann
- dem Affen B wird die Sicht blockiert, Affe A beginnt, wählt den Behälter, in den er Einblick hat und der sich in der Form unterscheidet
- Affe B wählt schlussfolgernd den Behälter, unter dem sich die 2. Banane befindet und der sich in der Form von dem 3. nicht unterscheidet

Affe B erkennt also, was Affe A gesehen hat und schlussfolgert daraus, welchen Behälter er wählen muss, um die Banane zu bekommen.



Kooperation und Verhalten

Untersuchungen haben gezeigt, dass Schimpansen in der Lage sind, technische Probleme durch Kooperation mit Artgenossen oder Menschen zu bewältigen. Dabei können sie entscheiden, welcher Artgenosse als bester Helfer geeignet ist, ebenfalls helfen sie Dritten, ohne davon zu profitieren. Bei der Futterverteilung nehmen sie jedoch nicht einmal geringste Kosten auf sich, um den Anderen Zugang zu Futter zu verschaffen.

Bietet ein Artgenosse an, einen Teil seines Futters abzutreten, nimmt ein Schimpanse dieses Angebot immer an. Ein Mensch hingegen meist erst ab einem Anteil von über 30 %. Dies macht deutlich, dass Schimpansen ausschließlich nach dem Prinzip: Maximierung der Gewinne bei Minimierung der Kosten agieren. Menschen nehmen teilweise sogar Kosten auf sich, um ein unfaires Angebot zu bestrafen. Widerfahrenen Verlusten gegenüber ist der Schimpanse aber nicht unempfindlich, auch Schimpansen rächen sich an Individuen die ihre Nahrung gestohlen haben.

Franzi, Nina, Romina, Vanessa, Vivien