Frankreich, USA, Kanada, China. Wo unsere Schüler ihre Auslandserfahrung machen.

Am 26. September 2014 fanden sich wieder viele Interessierte in der Mediothek ein, um sich über die Möglichkeiten eines Auslandsaufenthalts zu informieren.

Die Fachbereiche Englisch und Französisch hatten die Schüler der 9. und 10. Klassen und deren Eltern zu der alljährlich stattfindenden Veranstaltung eingeladen. In diesem Jahr berichteten Schüler über Sprachkurse und mehrmonatige Aufenthalte im Rahmen des Voltaire-Programms in Frankreich, über halb- bzw. ganzjährige Aufenthalte in Kanada und den USA, ebenso wie über ein Jahr in China. Dabei kamen viele Aspekte, die bei der Vorbereitung und während des Auslandsaufenthalts wichtig sind, zur Sprache: Welche Einstellungen sollte man mitbringen, damit die Zeit im Ausland ein voller Erfolg wird? Mit welchen Kosten muss man rechnen? Welche Alternativen zu kommerziellen Anbietern von Sprachreisen gibt es? Wie sind das Schulsystem und auch das Alltagsleben im Gastland im Vergleich zum hiesigen? Und dergleichen mehr.

Der beste Zeitraum für einen Auslandsaufenthalt ist das erste Halbjahr der 10. Klasse. Wer das nicht möchte, kann nach der 10. Klasse ein Jahr aussetzen und nach der Rückkehr direkt das 1. Semester der Kursphase besuchen. Besonders zu erwähnen ist an dieser Stelle der von unserer Schule angebotene Kanada-Austausch (siehe unter "Internationale Kontakte"). Hinzuweisen ist auch auf die Möglichkeiten des Schüleraustauschs mit Frankreich im Rahmen der staatlich unterstützten Programme „Voltaire“ und „Brigitte Sauzay“. Nähere Informationen gibt es dazu auf der Website des deutsch-französischen Jugendwerks, aber auch bei den Französischlehrern.

Wie in jedem Jahr wurde auch dieses Mal wieder deutlich, dass ein Auslandsaufenthalt eine große Bereicherung ist und nicht nur die Sprachkenntnisse, sondern auch die Persönlichkeit fördert.

Die Fachbereiche Englisch und Französisch bedanken sich bei den Schülern der Klassen 9 und 10 für das rege Interesse und bei den Referenten für ihre Bereitschaft, ihre knapp bemessene Zeit zu opfern und über ihre Erfahrungen zu berichten.

Elke Imkeller (Fl'in Französisch), Michael Kaunat (Fbl Englisch)

Ein Ausflug zum Haus der Berliner Festspiele

„Béni ou le paradis privé“

Aufgrund einer Idee von Fr. Imkeller gingen wir, die Klasse 10c am 19.9.2014 zu einer Lesung von Azouz Begag ins Haus der Berliner Festspiele. Dort stellte er uns sein Buch „Béni ou le paradis privé“ bzw. auf Deutsch „Fast überall“ vor. Dort geht es um einen algerischen Jungen Béni, der in Lyon aufwächst und wie er mit dem alltäglichen Rassismus zu kämpfen hat. Auch wächst er zwischen zwei verschiedenen Kulturen auf und hat es daher sehr schwer, zu sich selbst zu finden, auch da er unter sehr starkem Einfluss seiner Eltern steht, die ihre Kinder am liebsten wieder in Algerien sehen. A. Begag selbst ist ebenfalls in Lyon aufgewachsen und auch seine Eltern stammen beide aus Algerien. Er ist im Jahre 1957 geboren und ist zum einen Schriftsteller, arbeitete aber auch im Ministerium und als Ingenieur. Jetzt hat er zwei Töchter und ist hauptsächlich nur noch als Schriftsteller tätig.

Die Lesung selbst war sehr interessant gestaltet, es wurde (auch von ihm selbst) viel gesungen und sein Gesang wurde von einem anwesenden Gitarristen begleitet. Außerdem war es für uns leicht, alles zu verstehen, da er viel und gut Deutsch und Englisch geredet hat und er häufig mit Gestik und Mimik gearbeitet hatte. Anwesend waren hauptsächlich Kinder, die jünger waren als wir, daher dachten wir, das spielerische Vortragen Azouz Begag und auch das der assistierenden Dolmetscherin waren für die jüngeren Besucher der Lesung gedacht, doch schnell haben wir bemerkt, dass die Kleineren meist besser Französisch sprechen konnten als wir, da diese schon mind. 8 Jahre Französisch Unterricht nahmen und teilweise auch Muttersprachler waren.

Alles in allem kann man aber trotzdem sagen, dass diese Lesung sehr interessant und spannend war, was auch vor allem an der lustigen und fesselnden Vortragsweise Azouz Begags lag. Auch das Singen von Liedern zwischen dem Vortragen einzelner Textstellen war eine gute Idee, so musste man sich niemals in einem Stück so lange konzentrieren. Dies wäre wohl auch gar nicht möglich gewesen, denn die Lesung ging ca. 2 ½ Stunden. Ich selbst fand A. Begag sehr sympathisch und daher kann ich den Besuch einer Lesung von ihm und auch das vorgestellte Buch sehr empfehlen.

Sophia Eschenburg (Kl. 10)

Grundkurs Französisch besucht Lesung des senegalesischen Autors Abasse Ndione

 

Vom 10.-21. September 2014 fand das 14. Internationale Literaturfestival in Berlin statt. Autoren aus aller Welt stellten dort ihre Bücher vor. Unter anderem der aus dem Senegal stammende Autor Abasse Ndione, der seinen dritten Roman „Mbeke Mi“ (De: „Die Piroge“) präsentierte. Wir, der Grundkurs Französisch von Frau Imkeller, besuchten seine Lesung am 12.09.2013 und waren sowohl von seinem Werk als auch seinem Auftreten begeistert.

 

In „Die Piroge“ schildert Abasse Ndione, wie 40 Senegalesen aufgrund der misslichen Umstände in ihrer Heimat im Senegal nach Europa auf die Kanarischen Inseln fliehen wollen. Da sie große Erwartungen an ihre Zukunft in Europa haben, sind die Afrikaner bei gutem Wetter sehr euphorisch. Doch die Flucht mit einem Schiff, der Piroge, über den Atlantischen Ozean stellt sich als sehr gefährlich heraus. Es zieht ein fürchterlicher Sturm auf. Der Motor wird beschädigt, die Vorräte gehen über Bord und ein Steuermann verliert sein Leben an das tosende Meer. Der großen Euphorie folgen tiefste Verzweiflung und Wahnvorstellungen, doch dann naht ein unbekanntes Schiff…

 

Abasse Ndione ist aus einem Fischerdorf stammend und hat von einigen Bekannten und Freunden von der Flucht nach Europa erfahren, doch er selbst hat nie diese erlebt. Ihn scheint die Situation der Flüchtlinge jedoch sehr zu bewegen und mit seinem Buch möchte er vermitteln, welcher Gefahr sich die Senegalesen auf dem Weg in eine bessere Zukunft stellen. Ihm ist es gelungen, sein Publikum ebenso zu bewegen. Doch trotz des ernsten Themas hat sich Abasse Ndione sehr sympathisch und witzig gezeigt. Die Stimmung war aufgelockert und alle Fragen –sogar sehr persönliche- wurden von ihm ausführlich beantwortet.

 

Für uns war die Lesung eine interessante und schöne Erfahrung und auch wenn die Französischkenntnisse im einen oder anderen Moment nicht ausreichten, so haben wir doch das Meiste verstanden und gesehen, dass Abasse Ndione mit „Die Piroge“ ein sehr bewegendes Buch verfasst hat.

 

Judith Franz, Lea Schiele (Jg.St. 11)

Geschichten, die eine Straße schrieb - Pascale Hugues liest aus,, Ruhige Wohnung in guter Wohnlage"

Elektrisieren solle sie ihr Publikum, so laute der Ratschlag ihrer beiden Söhne, die im selben Alter wie viele der Zuhörer sind, verrät die seit langem in Berlin lebende Französin augenzwinkernd dem Publikum.

Schnell zieht sie es mit ihrem charmanten Akzent in ihren Bann; es lauscht andächtig und leidet mit, wenn in dem Text eine zungenbrecherische Hürde in Form eines sperrigen, mit ch-Lauten gespickten Kompositums genommen werden will. (,,Wenn ich Deutsch vorlesen muss, komme ich mir immer vor wie bei meiner Abiturprüfung.")

Pascale Hugues erzählt, wie sie auf die Idee gekommen ist, ihrer Berliner Straße ein Buch zu widmen, und wie sie sich auf die Spurensuche begeben hat: Durch eine Anzeige ist es ihr gelungen, jüdische Straßenbewohner, die in der NS-Zeit exiliert sind, ausfindig zu machen.

Da ist Miriam Blumenreich, die inzwischen in der Nähe von Haifa lebt, und der die Autorin einen Besuch abgestattet hat. Sie erzählt von dem Kreis der Berlin-Exilanten, den sogenannten Jeckes, der im fernen Israel noch immer von deutscher Kultur geprägt ist - ,, Bringen Sie Käsekuchen-Mix und Sahnesteif von Dr. Oetker mit!" - und Miriam, die sich nichts sehnlicher wünscht, als einmal bei Günther Jauchs Wer wird Millionär? dabei zu sein. Das Publikum ist gerührt, als Pascale Hugues berichtet, dass der Kontakt zu Herrn Jauch inzwischen hergestellt ist und sich eine rege E-Mail-Korrespondenz zwischen dem Showmaster und der alten Dame entwickelt hat.

Oder Hannah Kroner-Segal, die es nach New York verschlagen hat. Sie war 1939 mit dem Schiff in die USA exiliert. Ihre beste Freundin Susanne, die wenig später folgen sollte, hatte ihr für die Überfahrt ein elegantes Ballkleid genäht. Susanne konnte Deutschland jedoch nicht mehr verlassen und ist in Auschwitz umgekommen. Die alte Dame vertraut Pascale Hugues das Kleid an und bittet sie, es in die Berliner Straße heimzuführen, wo es ,,mit viel Liebe" gemacht wurde.

Spätestens an dieser Stelle wird die Botschaft Frau Hugues' an die Zuhörer deutlich: Für ein packendes Buch bedarf es nicht immer Fantasie und Exotik; die bewegendsten Geschichten ereignen sich oftmals vor unserer Haustür - man muss nur genau hinsehen.

Der Abend endet amüsant, als Pascale Hugues von einem der besonders pikanten Geheimnisse ihrer Straße erzählt: In einer Privatwohnung soll es ein veritables Bordell gegeben haben!

Mit Anekdoten, die sich um diese Wohnungszweckentfremdung ranken, endet die Lesung, bevor auf die deutsch-französische Freundschaft angestoßen und mit der sympathischen Autorin geplaudert wird.

O. Saathoff