Die Bertha-von-Suttner-Oberschule im Kalten Krieg

Forschungsergebnisse beim Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten 2012/13: „Vertraute Fremde. Nachbarn in der Geschichte“

Thema der Wettbewerbsarbeit:

„’Eine Waffe gegen die Sowjetisierung wertvoller Menschen’ —

Analyse von Planung und Wirklichkeit einer politischen Nachbarschaftsmaßnahme des West-Berliner Senats am Beispiel der Bertha-von-Suttner-Oberschule“

Zum Inhalt:

Die Welt war in der Nachkriegszeit in zwei politische Lager geteilt: in das westliche, kapitalistische und das östliche, kommunistische System. Das geteilte Deutschland war im Zentrum der Konfrontationspolitik zwischen Ost und West, wo sich beide konkurrierenden Systeme gegenüber standen. Die ehemalige deutsche Hauptstadt Berlin war ebenfalls geteilt. So gehörte der Bezirk Pankow zu Ostberlin und der Bezirk Reinickendorf, in dem auch unsere Schule liegt, zu Berlin (West). Die Beziehungen zwischen den beiden rivalisierenden Systemen waren von Konflikten geprägt, die als „Kalter Krieg“ bezeichnet wurden und auch auf die schulpolitische Ebene in der Vier-Sektoren-Stadt übergingen.

Die Verhältnisse fanden besondere Beachtung an unserer Schule, als sogenannte „Ostschüler“ an der damaligen Bertha-von-Suttner-Oberschule aufgenommen werden sollten. Es waren Schüler, die im Osten wohnten, aber im Westen zur Schule gehen wollten. Die DDR-Führung verweigerte ihnen daheim den Schulbesuch, weil sie zum Beispiel systemkritische Eltern hatten. Da unsere Schule an der Grenze zum Ostteil lag, bot sie den optimalen Standort für diese Ostschüler.

In unserer Wettbewerbsarbeit haben wir untersucht, ob es sich bei den Ostschülern um eine von der West-Berliner Senatsschulverwaltung geplante Nachbarschaftsmaßnahme handelte und wie sich diese Nachbarschaftsbeziehung im Laufe der Zeit (1950er-Jahre bis 1961) entwickelte. 

Unsere Untersuchungen ergaben, dass es sich hierbei zunächst um eine vom (West-) Berliner Senat geplante Nachbarschaftsbeziehung handelte, die von der Bevölkerung und vor allem von den Eltern der übrigen (West-)Schüler misstrauisch beäugt wurde. Diese Einstellung kehrte sich ins Gegenteil, als der Bertha-von-Suttner-Oberschule eine Schulschließung Ende der 1950er-Jahre drohte, da die Ostklassen nun eine Möglichkeit boten, die Bedeutung des Schulstandortes zu betonen und eine Schulschließung zu verhindern. Den Ostschülern wurde daher nun besonderes Interesse zuteil und es entwickelte sich eine ausgeprägtere Beziehung, die im August 1961 mit der Sammlung für die Ostschüler, die nach dem Mauerbau im Westen weiterlebten ihren Höhepunkt erreichte. „Unsere Ostschüler“ wurden ein gleichberechtigter Teil der Schulgemeinschaft.

Jannik Kremer, Maximilian Rüffer, im Januar 2014 gemeinsam mit Frau Gerber und Herrn Koch

Die Forschungsarbeit wurde 2013 mit dem Berliner Landessieg und dem Dritten Bundessieg durch den Bundespräsidenten Joachim Gauck ausgezeichnet. Das Europäische Gymnasium Bertha-von-Suttner ist sich diesem historisch bedeutsamen Teil seiner Schul- und Stadtgeschichte bewusst. Noch heute feiern wir mit unseren ehemaligen Ost-Schülern ihr Abiturjubiläum bei Ehemaligenfesten. Unsere Schulgeschichte bleibt uns Ansporn und Verpflichtung.

J. Randelhoff-Szulczewski

Schulleiterin

LINK zum Wettbewerbsbeitrag