Ganz reale Riesen

Burkhard Spinnen im Rahmen der „Autorenlesung an der Bertha“

„Wenn du mal groß bist“, sagt Burkhard Spinnen zu einem neugierigen Mädchen, das es immerhin schon in die 5a gebracht hat, „wenn du Abitur gemacht und Literaturwissenschaften studiert hast, dann gebe ich es dir und du kannst darüber promovieren.“ Bis dahin bleibt Spinnens einziger Flop, ein unveröffentlichtes Manuskript mit dem Titel „Der Personalchef“, unter Verschluss. Schade eigentlich, denn nach dem, was Spinnen bei der Lesung aus seinem Buch „Belgische Riesen“ zum Besten gibt, kann man sich gar nicht vorstellen, dass dieser Münsteraner irgendetwas Schlechtes schreibt.

Nicht nur die gesammelten Fünftklässler, auch ihre Eltern hingen an den Lippen des 55-Jährigen, dessen Darbietung eher Schauspiel denn Lesung war. Und hätte Spinnen kein Mikrofon gehabt, wäre seine so geübte Vorleserstimme ständig in Lachsalven ertrunken. Denn wenn Spinnen von den Seelennöten des 10-jährigen Konrad Bantelmann erzählt, dann ist er Konrad. Die ganze Unbeholfenheit des im Umgang mit dem anderen Geschlecht noch ungeübten Jungen zeigt sich in Spinnens stets unruhig arbeitendem Mund, in seinem skeptischen bis ratlosen Blick – vor allem aber im gedehnten Sprechen, das die Sprachlosigkeit des Jungen gerade so kaschiert. Aber es gibt ja auch noch Fridz, die dem in vorpubertären Klischees gefangenen Konrad als Ausnahmemädchen erscheint.

Der außerordentlich ordentliche Konrad und die exorbitant freche Fridz, die nicht so gern Friederike heißt, erweisen sich in ihrer Gegensätzlichkeit als patentes Team – so wie schon Kästners Pünktchen und Anton oder Nöstlingers Konserven-Konrad nebst Nachbarstochter Kitty. Und wie ihre berühmten Vorgänger haben auch Konrad und Fridz bei allem Humor am wirklichen Leben ordentlich zu knabbern. Fridz’ Mutter Henri („noch so eine“, denkt Konrad) heult den ganzen Tag, seit ihr Mann, Fridz’ Vater, bei seiner neuen Freundin eingezogen ist. Fridz ist es, die den aus Sicht des brav-bürgerlichen Konrad so obskuren Haushalt am Laufen hält und die Mutter wachrüttelt, wenn wieder mal nicht klar ist, ob die nur schläft oder doch zu viele Tabletten genommen hat. Und Konrad ist es, der Fridz unfreiwillig den idealen Rachefeldzug einflüstert. Da kommen dann die „Belgischen Riesen“ ins Spiel. Aber das sollte man wirklich selbst lesen!

 

Vielleicht auch noch ein paar andere der mehrfach preisgekrönten Werke Spinnens, der überdies der Jury des renommierten Ingeborg-Bachmann-Preises vorsitzt. Als ein wohl schon etwas müder Fünftklässler wissen will, wie lange Spinnen an einem seiner 20 in den letzten 21 Jahren erschienen Bücher denn durchschnittlich so schreibe, wendet sich der Vater zweier Söhne an die „Mathegenies“ unter den Schülern. Ob Germanisten oder Mathematiker – Spinnen ist einer, der Kindern etwas zutraut. Am liebsten die Wirklichkeit. Er selbst, so Spinnen, schätze es als Leser, wenn Literatur ihn bei dem begleite, was sein Leben tatsächlich ausmacht. Deshalb halte er sich auch als Autor lieber an die Realität. „Und da es ziemlich unwahrscheinlich ist, dass ich in meinem Leben Zauberern oder Drachen begegne“, sagt Spinnen, „schreibe ich lieber über Kinder wie Fridz und Konrad.“ Welch ein Glück!

 Tanja Samrotzki,

froh, mit ihrem Sohn dabei gewesen zu sein

Lesung

Die Bertha im Lesefieber

Am Mittwoch, dem 7.11.2012 fand um 18.00  Uhr in der Aula der Bertha-von-Suttner unsere 1. Autorenlesung statt.

Uns wurde das Buch „Belgische Riesen“ vorgestellt. Der Autor Burkhard Spinnen las uns Textstellen vor. Wir fanden es sehr witzig, und er hat sehr passende Textstellen ausgesucht.

Das Buch handelt von Fridz und Konrad Bantelmann. Konrad zieht in die neue Dransfeld Siedlung ein. Dort lernt er Fridz = Frederike Frenke kennen. Konrad erfährt, dass Fridzs Eltern geschieden sind. Gemeinsam hecken sie einen Plan aus, um die Freundin von Fridz Vater zu „stürzen“, damit ihr Vater zu ihr und ihrer Mutter ins Dransfeld zurückkommt. Sie wollen Kristine den Belgischen Riesen, ein Kaninchen, per Post schicken. Das funktioniert aber nicht. Dennoch geben sie nicht auf und versuchen weiterhin Kristine das Kaninchen zukommen zu lassen. Sie hat nämlich eine Tierhaarallergie.

Burkhard Spinnen hat natürlich nicht das ganze Buch vorgelesen. Schade eigentlich. Gerne hätten wir noch weiter zugehört ... er kann so wunderbar vorlesen!

Am Schluss wurde es etwas langweilig , da in der Fragenrunde viele Kinder ähnliche Fragen stellten, auf die Herr Spinnen jedoch sehr geduldig geantwortet hat.

Auch das Klingeln eines Handys hat ihn nicht aus der Ruhe gebracht.

Ein rundum gelungener Abend!

Georg L. , Severin H. (5b)

Zwei Lesungen in einer Woche

Mittwoch, den 7. November 2012, 18:00 Uhr in der Aula

Burkhard Spinnen liest aus "Belgische Riesen" für Schüler der fünften und sechsten Klassen, ihre Eltern und Freunde. Gehen Sie mit auf den Rachefeldzug von zwei Zehnjährigen und einem Kaninchen.

Freitag, den 9. November, 10:00 Uhr in der Aula

Aus Anlass des Mauerfalls am 9.11.1989 erinnert die Schriftstellerin Grit Pope mit ihrem Roman "Weggesperrt" an ein dunkles Kapitel ostdeutscher Geschichte. Die Lesung wird ergänzt durch das Gespräch mit einem Zeitzeugen und Ausschnitte aus einem Dokumentarfilm. Die Lesung richtet sich an Schülerinnen und Schüler der 8. bis 10. Klassen. Gäste sind herzlich willkommen.

Die Bücher können am Veranstaltungsort erworben und signiert werden lassen. Mehr Informationen finden Sie in unserem Flyer auf der Startseite.=

Tobias Elsäßer zu Gast

bei der 4. Autorenlesereihe am 25. und 26. September 2012

Bereits in der vergangenen Woche fand der Auftakt zur diesjährigen Lesereihe an unserer Schule statt. Einhundert Schüler hörten Michael Wildenhain zu, der aus seinem Roman "Blutsbrüder" las (Rezensionen dazu demnächst).

Für die Klassenstufen sieben und acht reist der Journalist und Autor Tobias Elsäßer aus Baden-Württemberg an. Am Dienstag, den 25.9.12, um 18:00 Uhr, in der Aula stellt er sein Roadmovie AB INS PARADIES vor. In diesem Buch begegnen sich Fabian und Alice, die beide gute Gründe haben, ihr Zuhause zu verlassen. Fabian will seinem Großvater einen letzten Wunsch erfüllen und Alice will verhindern, dass man sie zu einem wohlerzogenen Mädchen macht.

"Zwei junge Menschen, die im richtigen Moment zusammentreffen, damit sie sich in den falschen Momenten beistehen können." (www.fischerverlage.de) Wir laden Sie herzlich ein, das Buch und den Autor kennenzulernen und freuen uns über Ihren Besuch.

Sibylle Seite Fachbereich Deutsch