Lesung mit Jenny Erpenbeck am 30.9.2009

Dass Jenny Erpenbeck schon vor sehr viel größerem Publikum Lesungen zu ihrem im Jahre 2008 erschienenen Roman „Heimsuchung“ gehalten hat, ist nicht zu bezweifeln. Trotzdem schien sie bei ihrem Besuch an unserer Schule von der Qualität und der Anzahl unserer Fragen sehr überrascht.

Am letzten Mittwoch (30.9.2009) begann um 18 Uhr eine Lesung, zu der alle literarisch interessierten Schüler, Eltern und Lehrer herzlich eingeladen waren. Nachdem die Autorin von Frau Seite kurz vorgestellt worden war und auch selbst noch aus ihrem Leben berichtet hatte, las sie ausgewählte Passagen ihres Romans „Heimsuchung“ vor. In diesem Roman geht es um 60 Jahre deutscher Geschichte und zwölf unterschiedliche Schicksale in diesem Zeitraum, die über ein Grundstück am Scharmützelsee, dem „Märkischen Meer“ miteinander verknüpft werden. All diesen Schicksalen ist die Sehnsucht, irgendwo heimisch zu sein, gemein und so entstehen unterschiedliche Facetten des so geschichts-trächtigen Begriffs „Heimat“.

Frau Erpenbeck las den Prolog, der die natürlichen Prozesse von Werden und Vergehen, dem menschlchen Wunsch nach Verwurzelung gegenüberstehllt, ein Kapitel über den „Gärtner“, der wie ein Refrain immer wieder im Roman erscheint und Teil der Natur zu sein scheint, und schließlich exemplarisch ein Kapitel über den „Kinderfreund“, der seine Heimat über die Liebe zu einem Mädchen definiert. Viele Fragen, von den Aufgaben eines Lektors bis zur Arbeitsweise eines Autors, wurden von Frau Erpenbeck freundlich und detailliert beantwortet und sie gewährte so tiefen Einblick in ihre Arbeit. Mit ihrer offenen, humorvollen und gänzlich unprätentiösen Art gewann sie im Nu die Symathien des - kleinen, aber feinen - Publikums. Ihr besonderes Mitleid galt dem Deutschleistungskurs des 12. Jahrgangs, dem eine Klausur über ihr Werk bevorstand. Jenny Erpenbeck beantwortete alle Fragen zur Entstehung ihres Romans und auch der Grund, aus dem der Roman entstand, rückte ins Zentrum des Interesses. Es stellte sich heraus, dass das beschriebene Haus immer noch existiert und das Leben der Autorin stark mit ihm verbunden ist , da sie die Sommer ihrer Kindheit dort verbrachte. Weil das Haus nun vom Verfall bedroht ist, war sie schon seit längerem von Erinnerungen „heimgesucht“ worden. Der Roman ist also ein Versuch, sich dies von der Seele zu schreiben und trägt deshalb stark autobiografische Züge. Die Lesung endete mit dem – nicht nur ironisch gemeinten - Angebot, das Haus für ca. 650 000 € käuflich zu erwerben.

Danach gab es für alle Besucher noch die Möglichkeit, sich bei einem Imbiss mit der Autorin zu unterhalten und die Bücher Jenny Erpenbecks, die man vor Ort kaufen konnte, gleich von der Autorin persönlich signieren zu lassen. Man kann also durchweg von einem gelungenen Abend sprechen und sich an dieser Stelle noch einmal bei den Organisatorinnen Frau Drews und Frau Seite, sowie bei Frau Erpenbeck selbst für ihr Kommen bedanken.

L. Roth; Leistungskurs Deutsch, 1. Semester