Lesung mit Klaus Kordon

Lesung mit Klaus KordonAm 16.2.11 las der Schriftsteller Klaus Kordon an der Bertha-von-Suttner-Oberschule gleich zweimal: für die sechsten Klassen aus seinem Jugendbuch „Die Flaschenpost“ und für die Zehntklässler aus "Der erste Frühling".

Die Schüler der Klasse 6a haben ihre Gedanken zu der Lesung und zu dem Jugendbuch niedergeschrieben. Kostproben von beidem folgen hier: 
Die Lesung von Klaus Kordon – ein Erfolg?
Therese M.:
Ich glaube, dass die Lesung ein Erfolg war. Man hat gesehen, dass Herr Kordon Spaß bei dem Vorlesen und auch beim Beantworten der Fragen hatte.

Die Fragen hat er nicht nur mit „ja“ oder „nein“ oder ganz kurz beantwortet, sondern er hat auch Geschichten von sich erzählt. Außerdem hat man den Schülern angesehen, dass sie die Lesung sehr interessant fanden. Das hat man gesehen, weil die Schüler immer leise waren und auch gute Fragen gestellt haben.
Katharina S.:
Aus meiner Sicht war die Lesung sehr erfolgreich, weil erst einmal die Lust des Publikums vorhanden war und dieses Fragen gestellt hat. Auch der Autor hat seine Lust am Lesen des Buches vermittelt und geduldig die Fragen der Schüler beantwortet. Insofern glaube ich, dass es allen Teilnehmern gefallen hat und diese gern noch einmal an solch einer Lesung teilnehmen würden.
Barbara K.:
Ich denke, dass die Lesung von Klaus Kordon ein Erfolg war, denn es herrschte während der Lesung eine gute Stimmung, sowohl beim Autor als auch bei den Zuhörern. Die ganze Zeit hing das Publikum an Klaus Kordons Lippen. Kurz gesagt: Alle waren gespannt auf das, was kommen würde. So wurden viele Fragen gestellt und wir konnten alle in angemessener Zeit klären. 
Tobias T.:
Die Moderatoren, Paula und Felix aus der Klasse 6a, haben gute Arbeit geleistet und deswegen lief die Lesung problemlos ab. Dank der Fragerunde haben wir viel über Klaus Kordon und sein Buch erfahren. Das Publikum war begeistert, alle haben geklatscht. Ich habe mich auch sehr gefreut, dass man zum Schluss Bücher kaufen und Autogramme bekommen konnte.

Meine persönliche Flaschenpost über das Jugendbuch „Die Flaschenpost“
Hallo, 
ich bin Corinne L., wohne in Berlin und gehe auf das Bertha-von-Suttner-Gymnasium. Ich bin 11 Jahre alt und gehe in die 6. Klasse. 
Wir haben das Buch „Die Flaschenpost“ von Klaus Kordon gelesen und schreiben nun selbst eine Flaschenpost. Ich würde diesen Roman allen empfehlen, die sich für die Teilung Berlins und Deutschlands interessieren, da es spannend ist, von einer Ost-West-Freundschaft zu lesen. Die Hauptpersonen Matze und Lika halten ihre Freundschaft, die mit einer Flaschenpost begonnen hat, trotz des Verbotes ihrer Eltern aufrecht. Wenn das nicht mutig ist, weiß ich auch nicht weiter!
Corinna 
Hallo lieber Flaschenpostfinder!
Ich heiße Jasmin, bin zwölf Jahre alt und gehe an das Bertha-von-Suttner-Gymnasium. 
Wir haben in meiner Klasse den Jugendroman „Die Flaschenpost“ gelesen. In diesem Buch geht es um einen Jungen namens Matthias bzw. Matze und ein Mädchen namens Angelika bzw. Lika. Matze schickt eines Tages eine Flaschenpost los und träumt davon, dass diese vielleicht sogar bis nach Amerika schwimmt. Aber sie schwimmt nur rüber nach West-Berlin zu Lika. Was dann passiert und ob die beiden sogar Freunde werden – das lies doch einfach selbst! Ich würde das Buch weiter empfehlen, da es an manchen Stellen spannend ist und weil es um die Geschichte Deutschlands geht. Dies könnte dich ja vielleicht interessieren…
Jasmin
Hallo,
ich heiße Isabella M., bin elf Jahre alt und gehe in die sechste Klasse. Wer diese Flaschenpost findet, schreibt mir bitte zurück!
Ich habe vor kurzem mit meiner Klasse das Buch „Die Flaschenpost“ gelesen und schreibe deshalb auch eine Flaschenpost. Ich finde dieses Buch gut, weil man erfährt, dass man Mauern und Grenzen nicht einfach ignorieren soll, sondern etwas dagegen tun kann.
Deine Isabella
Hi,
ich bin Klara aus der 6a und komme aus Berlin-Reinickendorf. Wir haben gerade in der Schule „Die Flaschenpost“ von Klaus Kordon gelesen. Das Buch finde ich gut, weil es viel über die deutsche Geschichte enthält. Ich finde die deutsche Geschichte sehr spannend und habe deshalb das Buch gern gelesen. Ich glaube aber, dass Leute, die lieber Fantasy lesen oder es mit der deutschen Geschichte nicht so haben, das Buch langweilig finden könnten, weil es sich hauptsächlich um die Mauer und Kontakte zwischen Ost und West dreht. Das Buch ist aber kein Sachbuch, denn es geht um einen Jungen, der in Ost-Berlin lebt und ein Mädchen, das in West-Berlin lebt. Matze und Lika. Matze schreibt eine Flaschenpost und Lika findet sie. Doch die Eltern der beiden wollen nicht, dass ihre Kinder Kontakt mit der anderen Seite der Stadt haben…
Klara
Ich heiße Tobias T. und bin 11 Jahre alt. Wir, also die Klasse 6a, haben das Buch „Die Flaschenpost“ gelesen. Ich würde von dem Roman abraten, weil ich kein Freund von Büchern bin, die so plötzlich enden. Ich finde, jedes Buch braucht ein klares Ende, damit man weiß, ob das Buch gut oder schlecht ausgeht. Ich möchte mir nicht noch kompliziert ein Ende ausdenken müssen.
Tobias
Hallo,
ich heiße Charlotte K., bin 11 Jahre alt und hoffe, dass du, also der Finder, mir zurück schreibst. Vor kurzem lasen wir in der Schule eine Lektüre namens „Die Flaschenpost“ von Klaus Kordon. In diesem Buch geht es um die von der Mauer geteilte Stadt Berlin, in der zwei etwa gleichaltrige Kinder wohnen, nämlich Matthias und Angelika, auch Matze und Lika. Zwischen den beiden Wohnorten fließ ein Fluss, die Spree. Da Lika im Westen der Stadt und Matze im Osten der Stadt wohnt, kennen sie sich nicht. Jedoch knüpfen sie Freundschaft über eine Flaschenpost. Dadurch kam ich auf die Idee, auch eine Flaschenpost zu verschicken. Ich würde dir das Buch empfehlen, denn es ist sehr interessant, besonders wegen des historischen Hintergrundes. Wenn du dich auch so für Geschichte interessierst, dann denke ich, dass du das Buch mögen wirst. Besonders gut wird auch der Kalte Krieg geschildert, von dem heute so gut wir gar nichts mehr erzählt wird. Deswegen empfehle ich dir das Buch wirklich. Bis dann, 
Charlotte.
Frühling im Februar
Klaus Kordon zu Gast in unserer Schule
„Bücher über den 2. Weltkrieg gibt es doch schon wie Sand am Meer.“
Das war mein erster Gedanke, als ich erfuhr, dass wir das Buch „Der erste Frühling“, welches sich mit dem Leben im 2. Weltkrieg auseinandersetzt, lesen sollten. Doch als ich das Buch begann, ließ es mich nicht mehr los. Es unterschied sich meiner Meinung nach von Büchern mit einer ähnlichen
Thematik, da es sich hier mehr auf den emotionalen und menschlichen, als auf den politischen Aspekt bezog. Dementsprechend freute ich mich sehr, dass sich mir bald die Möglichkeit bieten würde, Klaus Kordon, den Autor dieses Werkes, persönlich kennen zu lernen. Da es schon eine Weile her ist, dass der Roman erschien, hatte ich die Befürchtung, der Autor könnte die Lesung als Pflichtübung betrachten, umso überraschter war ich, als ich feststellen musste, dass dieser Mann das Buch so lebendig vorstellte, als hätte er es gerade erst vor ein paar Tagen fertig geschrieben. Er erzählte als Erstes mit sehr viel Leidenschaft, wie er sich nach dem ersten Buch den Figuren
gegenüber verpflichtet fühlte, weitere Werke zu schreiben und eine Trilogie zu konstruieren. Diese sollte im „ersten Frühling“ ihren Abschluss finden. Dank der Art und Weise, wie er seine Gedanken und Emotionen darstelle, war es eine Freude ihm zuzuhören. Weiterhin fing Kordon an, einen Abschnitt aus dem Buch vorzulesen. In diesem Abschnitt ging es um einen der schlimmsten Bombenangriffe in Berlin. Die Protagonistin des Romans, welche Änne heißt, versucht sich vor ebenjenem zu schützen, indem sie in einen schützenden S-Bahnhof flieht. Kordon las die Stelle nicht einfach so vor, sondern ergänzte sie mit eigenen Anekdoten: Nachdem er eine Stelle vorgelesen hatte, in der überall um die Protagonistin herum brennende Leichen liegen und ein Kind verzweifelt nach seiner Mutter schreit, beantwortete er eine Frage, die er sich selbst beim Recherchieren zu diesem Buch stellte und die viele von uns (mich mit eingeschlossen) beschäftigte. Er stellte die Frage, ob es nicht zu grausam sei, ein Buch mit einer solchen Thematik für Jugendliche zu schreiben? Doch dann fügte er hinzu, er würde diese Frage für beantwortet halten, wenn er heutzutage Jugendliche im Fernsehen sieht, die öffentlich „Heil Hitler“ Rufe von sich geben. Diese Menschen würde er gerne für 10 Minuten einem solchen Luftangriff wie damals aussetzen, um ihnen die Augen zu öffnen. Doch da dies nicht möglich sei, müsse er sich mit einem solchen Buch als Werkzeug für diesen Zweck begnügen. Er setzte seine Vorstellung des Buches fort, indem er einen weiteren Ausschnitt vorlas. Dort versucht Änne sich als ein Junge zu verkleiden, um nicht von russischen Soldaten vergewaltigt zu werden. Trotzdem wird sie von einem Soldaten gefangen genommen. Auch wenn dieser Ausschnitt zweifellos sehr traurig ist, so ist hier der Versuch Ännes, sich in einem Jungen zu verwandeln und sich dessen Verhalten anzueignen, unfreiwillig komisch. Schließlich las Kordon einen Ausschnitt vor, indem Änne ihren Vater, der lange im Krieg war, wieder trifft. Dieser Ausschnitt ist, nicht zuletzt wegen Kordons Leidenschaft beim Vorlesen, einer der emotionalsten Abschnitte des Romans.
Zum Ende hin verblieb uns noch Zeit, Fragen zu stellen. Unter anderem stellte sich die Frage, weshalb die Jugendliche als Zielgruppe für dieses Buch gedacht waren und nicht, wie so oft, Erwachsene. Diese Frage hatte er anscheinend erwartet, denn er beantwortete sie gerne und sehr ausgiebig:
Kordon ist davon überzeugt, dass sich Erwachsene ausreichend mit der Thematik auseinander gesetzt haben. Seiner Meinung nach, sind die Jugendliche von Heute und die Erwachsene der Zukunft die wichtigste Zielgruppe, die Vieles über die Vergangenheit erfahren müssen. Als er Briefe
von Widerstandskämpfern in einem Gefängnis der Nazis, die wussten, dass sie bald sterben würden und dennoch ihren Kampf gegen das Faschistische Regime nicht bereuten, las, wusste er, dass die Geschichten dieser „kleinen Helden“ gerade Jugendliche erreichen müssten. Diese Briefe hätten ihn auch dazu veranlasst, Ännes Vater zu erschaffen. Wieso er überhaupt Schriftsteller geworden sei, war die nächste Frage. Hierzu holt Kordon weit in
die Vergangenheit aus. Er habe ja schon immer gut und gerne Aufsätze und Liebesbriefe geschrieben. Aber die Idee, dieses Hobby zum Beruf zu machen, kam ihm erst als er beruflich in Indien war. Dort traf er einen jungen Bettler, der ihm mit dem Spruch:“ No Mama, No Papa, No TV“ um etwas Geld bat. Kordon wurde neugierig und fragte den Jungen nach seiner Geschichte. Später, als er die Geschichte gehört hatte, entschied er sich, diese aufzuschreiben. So entstand sein allererstes Buch.
Es folgten noch einige Fragen und am Ende der Veranstaltung drängten sich mehrere Leute nach vorne, um Kordon noch etwas persönliches zu fragen, ein Autogramm zu ergattern oder einfach nur mit ihm zu reden. Letztendlich bleibt nur zu sagen, dass die Lesung sehr gelungen war und dass es solche Lesungen garantiert nicht wie Sand am Meer gibt.
Karim Prüter