Ist die Moral lehrbar? Kann man moralisches Handeln üben? Warum sind wir unterschiedlicher Meinung, wenn wir alle das Gute wollen? Was verbindet Medizinstudenten und jugendliche Straftäter?

Diese Fragen beschäftigten den  Philosophie Leistungskurs heute auf besondere Art. Einer Einladung des VII. Berliner Oberstufenforum Theologie und Religionsphilosophie folgend lernten wir das Projekt „Zwischen den Zeiten“ und dessen Projektleiter Sven Enger kennen. Hierbei handelt es sich um ein Programm für jugendliche Straftäter, die im Alter von 18 bis 25 Jahren für insgesamt fünf Tage auf der 1.000 Jahre alten Handelsstraße VIA REGIA auf dem Streckenabschnitt Görlitz - Dresden pilgern. So können sie maximal 60 gerichtlich angewiesene Sozialstunden ableisten. An manchen Tagen arbeiten sie zusätzlich in den Herbergen, in denen sie zu Gast sind. Abends wird in Bildungsmodulen die eigene Urteilsfähigkeit erweitert und geschult. Ausgehend von Kohlbergs Theorie der Moralentwicklung soll die moralische Urteilsfähigkeit eingeübt und an die Handlungskompetenz zurückgekoppelt werden. Sven Enger betonte, dass er „keine Engelfabrik“ habe, für die meisten Jugendlichen es am Ende des Weges eine existentielle Erfahrung gewesen sei, sich den Fragen zu stellen: Wo komme ich her? Wo stehe ich gerade? Wo will ich hin? Das Gefühl, etwas geleistet zu haben, das bis an die körperlichen und seelischen Grenzen geht, und die Hoffnung, Urteilsfähigkeit und Handlungskompetenz verzahnt zu haben und eine bessere Lebensmaxime gefunden zu haben, bleibt!

Martina Denda, 18. September 2015