Literatur, die wirkt. Ron Segal zu Gast an der Bertha

90 Minuten, in denen niemand heimlich auf die Uhr schaut? Mit seinem Debütroman Jeder Tag wie heute war der israelische Schriftsteller Ron Segal am 14.01.26 bei uns zu Gast. Segals Lesungen sind alles andere als langweiliger Frontalunterricht: Statt langer Monologe setzt er auf Austausch auf Augenhöhe. In konzentrierter Atmosphäre stellte er seinen Roman vor, der von dem Schriftsteller Adam, einem Holocaust-Überlebenden erzählt, der mit beginnender Demenz darum ringt, seine Erinnerungen festzuhalten. Ein ernstes Thema, das Segal behutsam, klar und mit viel Gespür für sein junges Publikum vermittelte. Dabei ging es nicht nur um die Romanhandlung, sondern um große Fragen der Erinnerungskultur: Wie kann man über den Holocaust schreiben, wenn die Stimmen der ZeitzeugInnen immer seltener werden? Und welche Rolle spielen dabei die nachfolgenden Generationen?

Die SchülerInnen beteiligten sich engagiert an der Diskussion und brachten eigene Gedanken und Fragen ein. Besonders spannend waren auch die Einblicke in Segals Schreibprozess, inklusive der Vorstellung einer geplanten animierten Umsetzung des Romans. Literatur zum Lesen, Nachdenken und bald auch zum Anschauen. In der Nachbesprechung wurde deutlich: Die Lesung hatte Eindruck hinterlassen. Das Interesse an einer vertieften Auseinandersetzung mit der NS-Zeit und dem Holocaust war groß, ebenso der Wunsch, sich mit der eigenen Familiengeschichte und dem Thema Erinnerungskultur weiter zu beschäftigen. Eine Lesung, die nicht nur zuhörende, sondern mitdenkenden SchülerInnen hinterließ und die zeigte, dass Literatur auch lange nach dem letzten gelesenen Satz weiterwirken kann.

FB Philosophie; L.Fritsch