Seminarkurs: Philosophie / Religion

Seit der letzten Aktualisierung haben nun zwei weitere Jahrgänge den Seminarkurs durchlaufen. Das Thema „Raumzeiten – Zeiträume“ (2009/10) beschäftigte sich einerseits mit der Pluralität von Lebensrhythmen, der Linearität klassischer physikalischer Zeittheorien und der Multitemporalität gegenwärtiger Zeitvorstellungen. Andererseits standen mit der Aperspektivität, der Perspektivität und der Multiperspektivität der Raumwahrnehmung und Raumdarstellung verschiedene Modelle des Raumes im Vordergrund. Texte und Darstellungen von Raum und Zeit und deren Verschränkungen (u.a. Bild- und Textmaterial aus dem Alten Ägypten, jüdische Zeitvorstellungen, die Zeitauffassung Augustins, Raumvorstellungen der Renaissance, das Verhältnis von absolutem und relativem Raum (Zeit) bei Newton, die Relationalität des Raumes bei Leibniz, das transzendentale Raum- und Zeitkonzept Kants, Zeit- und Raumauffassungen in der Literatur – J.L. Borges, Raum- und Zeitverschränkungen in der modernen Physik) boten Einblicke in ein abstraktes, aber spannendes Thema.

Der letzte Seminarkurs (2010/11) widmete sich dem Thema „Der Mensch“. Ausgehend von antiken Quellen wurde das Thema bis zur Gegenwart in unterschiedliche Kontexte gestellt. Philosophische, religiöse, künstlerische, literarische, aber auch naturwissenschaftliche und gesellschaftspolitische Bezüge ließen den Facettenreichtum der Bestimmungsmöglichkeiten von Menschsein erkennen. Die aus dem Kurs entwickelten Abschlussarbeiten (Bll) deckten dementsprechend eine große Bandbreite von Fragestellungen ab. Sie reichten u.a. von der platonischen Bestimmung der Sprache, dem Verfasstsein menschlicher Existenz in Dostojewskis Roman „Schuld und Sühne“, dem Geschichtsverständnis Friedrich Nietzsches bis zur gesellschaftlichen Bedeutung der erneuerbaren Energien für das künftige menschliche Zusammenleben.

Ab August 2011 fand der Seminarkurs unter der Thematik „Die Welt“ statt.
Der abiturrelevante zweisemestrige Grundkurs kennt seit dem letzten Schuljahr eine Neuerung. Die obligatorischen Klausuren können durch andere schriftliche Arbeiten ersetzt werden. Diese Neuerung kommt dem Grundanliegen des Kurses sehr entgegen. Die Schülerinnen und Schüler erstellen nun selbstverfasste Essays, die im Seminarkurs zur Diskussion gestellt werden. Dabei ist nicht nur der Inhalt, sondern auch die kritische Auseinandersetzung mit dem formalen Aufbau von Bedeutung. Diese Essays bieten somit einen ersten Zugang für das Erstellen einer Jahresarbeit, die als 5. Prüfungskomponente angerechnet werden kann.
Die Vielfalt der Essaythemen (u.a. die Aspekte des Musikgeschmacks, über Schuluniformen, die Bedeutung der Religion heute, über aktive und passive Sterbehilfe) lässt die Frage nach dem In-der-Welt-sein aufkommen. Im Weiteren werden wir sehen, ob und wie es weltet (Heidegger).

Im Rahmen des aktuellen Seminarkurses (2013) zur Thematik „Essentielle und existentielle Strukturen des Menschseins“ beschäftigen sich die Schülerinnen und Schüler in ihren Abschlussarbeiten (BLL) mit so unterschiedlichen anthropologischen Fragen und Problemen wie „Die biologische und ethische Dimension der Stammzellenforschung“, „Das Symbolverständnis in der Philosophie Ernst Cassirers“, „Der Begriff der Macht bei Michel Foucault“, „Die strafrechtliche Relevanz der Frage nach der Willensfreiheit“ und „Das Problem der Grenzziehung zwischen Tier und Mensch (Animal-human-studies)“.



A Buntrock