Dominoaktion zum 20. Jahresag des Mauerfalls

1. Oktober 2009, 15.50 Uhr: Vaclav Havel, Marina H., Fee G. und unsere neue Kollegin Hana Kuchlerova treffen sich in der tschechische Botschaft. Anlass ist die Dominoaktion zum Fest der Freiheit am 9. November. Hier sollen 1000 große Dominosteine, die vorwiegend von jungen Menschen weltweit in Auseinander-setzung mit dem Thema „Friedliche Revolution“ sowie „20 Jahre Mauerfall“ gestaltet wurden, den Mauerverlauf nahe des Brandenburger Tors nachzeichnen und damit die Stadt temporär teilen.

Im Rahmen der Abendveranstaltung werden sie dann gemeinsam mit den Mitwirkenden der Dominoaktion, Zeitzeugen, Politikern und Gästen aus der ganzen Welt in einem symbolischen Mauerfall zum Einsturz gebracht: Deutsche Geschichte mit Dominoeffekt.
Dafür haben sich auch zahlreiche namhafte Persönlichkeiten beteiligt und jeweils einen Dominostein als Pate signiert, wie zum Beispiel die Friedensnobelpreisträger Nelson Mandela und Lech Walesa, Bertrand Delanoë und Daniel Barenboim; für den Herbst sind außerdem weitere Dominoaktionen mit Hans-Dietrich Genscher, Michail Gorbatschow und Muhammad Yunus vereinbart.

Unsere Schule pflegt seit vielen Jahren gute Beziehungen nach Tschechien (Gedenkstättenfahrten nach Lidice, Schüleraustausch mit Uhersky Brod) und wurde wohl deshalb von der tschechischen Botschaft angesprochen, ob sie einen Dominostein gestalten könnte. Als signierende Persönlichkeit der Zeitgeschichte stand Vaclav Havel bereit. Er hatte in seiner Opposition gegen das kommunistische Regime viele Jahre im Gefängnis verbracht und wurde – als weltbekannter Schriftsteller - eine zentrale Figur der samtenen Revolution 1989. Aber auch als langjähriger tschechischer Staatspräsident wird er in Deutschland hoch geschätzt, weil er sich in besonderem Maße für die Versöhnung der beiden Völker eingesetzt hat. Für diese Aktion war unsere Schule personell bestens ausgestattet, denn Marina H. war Teilnehmerin an der letzten Lidice-Fahrt und unsere neue Kunst-Kollegin Hana Kuchlerova stammt aus Tschechien. Zusammen mit Fee G., aus dem Leistungskurs Kunst, machten sie sich schon am Vormittag auf in die tschechische Botschaft.

„Marina und Fee hatten die Vorderseite des symbolischen Mauersteins aus Styropor zu gestalten, die Rückseite oblag den Schülerinnen der Gustav-Freytag-Schule. Zusammenarbeit und thematische Abstimmung liefen bestens; es hat beiden Seiten sehr viel Spaß gemacht. … Da wir nur ca.4, 5 Stunden für die Gestaltung des gesamten Steins hatten, der ja immerhin 2.1 m hoch und 1 m breit war, war ein sehr zügiges Arbeiten erforderlich. Nach der gemeinsamen Vorgrundierung des Steins wurde die Vorskizze von Marina und Fee mit einem Bleistift auf die Bildfläche übertragen. Als Motiv hatten wir die Puppenfigur Hurvinek und seinen Hund Yerik gewählt, die Ikonen des tschechischen Humors. Die Figur zieht einen Menschen auf die Mauer und hilft ihm, die Hürde zu überwinden. Die farbige Ausgestaltung des Steins mit Acrylfarben nahm die längste Zeit in Anspruch. Die Zeit war knapp, aber wir haben es dennoch gemeinsam und fast ohne Pause geschafft. Die Mühe hat sich auf jeden Fall gelohnt, als Vaclav Havel am Nachmittag eintraf und den Stein nach einem kurzen Gespräch mit uns signierte.“
Bericht: H. Kuchlerova und C.v.Wedel