Vor genau 50 Jahren wurde er von Grenzsoldaten erschossen. Nur die Berliner Mauer war noch zwischen ihm und der Freiheit.

Doch niemand kam zuhilfe, während er dort lag und verblutete. Alle sahen nur zu: DDR-Grenzer, US-amerikanische Soldaten, Reporter und Schaulustige. Der 18-jährige Peter Fechter wollte nur die Freiheit, aber sie wurde ihm auf grausame Weise genommen.
Um an sein Schicksal zu erinnern, fand am 17.8.2012, also 50 Jahre nach dem Tod Peter Fechters, eine Gedenkveranstaltung statt.

Die Veranstaltung begann mit einer Andacht in der „Kapelle der Versöhnung“. Darauf folgte ein Gang zum „Fenster des Gedenkens“ – mit weißen Rosen für den Mauertoten. Im Anschluss begann im Besucherzentrum der Berliner Mauer-Gedenkstätte eine Diskussion über den Wert der Freiheit. Nicht nur Schüler des Europäischen Gymnasiums Bertha-von-Suttner, sondern auch Schülervertreter von Schulen aus Brandenburg und Helsinki, der Filmemacher Herr Schön und der Regierende Bürgermeister Herr Wowereit diskutierten auf dem Podium miteinander. Interessant an der Diskussion war, dass verschiedene Generationen anwesend waren – mit unterschiedlichen Erfahrungen und unterschiedliche Vorstellungen von Freiheit. Die Schülervertreter hatten die Berliner Mauer nicht miterlebt, während der Filmemacher Herr Schön beim Fall von Peter Fechter und seiner Familie selbst dabei war und vieles dokumentieren konnte. Während die erste Assoziation der Erwachsenen die Mauer war, dachten die Schüler bei Freiheit zuerst an Fälle wie den der „Pussy Riots“ oder die Pressezensur in Kuba. Doch dann stellten die Jugendlichen fest, dass die Einschränkungen der Freiheit von damals und heute sehr ähnlich sind. Auf die Frage, warum man denn aus den Geschehnissen während der deutschen Teilung nicht gelernt habe, antwortete Herr Wowereit, dass Freiheit nicht von heute auf morgen überall erreicht werden könne. Sie würde sich nach und nach entwickeln. Es habe schließlich auch einige Zeit bis zum Fall der Mauer gedauert. Die kritische Haltung der Schüler blieb jedoch. Ihrer Meinung nach gebe es zahlreiche Fälle, in denen einfach zu wenig unternommen werde. Beispielsweise sähe man einfach so zu, wie Flüchtlinge aus Afrika im Meer ertrinken würden. Für die, die das Festland erreichten, sei in Europa kein menschenwürdiges Leben möglich. Obwohl die Veranstaltung dem Maueropfer Peter Fechter gedacht war, rückte der Regierende Bürgermeister im Laufe der Veranstaltung immer mehr in den Vordergrund. Einige Schüler des Bertha-von-Sutter-Gymnasiums waren enttäuscht. „Selbst bei der Andacht in der Kapelle der Versöhnung hat man die ganze Zeit das Blitzlichtgewitter der Presse ertragen müssen.“, so der 17- jährige Florentin H. Auch Jara H. war nicht angetan: „Ich fand schade, dass der Filmemacher Herr Schön fast gar nicht in die Diskussion miteinbezogen wurde. Er wurde kaum zu seinem Filmes über Peter Fechter gefragt.“ Des Weiteren wurde kritisiert, dass die anwesenden Reporter ausschließlich politische Fragen an den Bürgermeister hatten. Im Laufe des Gesprächs sei man nicht nur von Peter Fechter, sondern auch von dem Thema „Freiheit“ abgekommen. Bei einer Gedenkveranstaltung an einen Menschen, der vor der Mauer erschossen wurde, solle nicht gefragt werden, was Herr Wowereit mache, wenn er Feierabend habe – trotz Presse- und Meinungsfreiheit. Julius Kittler, 3. Semester