The State of Europe – Die Europa Rede

Einer gemeinsamen Einladung der Konrad-Adenauer Stiftung, der Bosch-Stiftung sowie der Stiftung „Zukunft Berlin“ folgend, begaben wir uns, die PW Kurse von Frau Gerber und Herrn Starke, am geschichtsträchtigen 09.November in das Haus der Berliner Festspiele, um die Europa Rede des EU-Kommissionspräsidenten José Manuel Durão Barroso zu hören.

Die Ankunft Barossos verzögerte sich aufgrund des schlechten Wetters um eine knappe Stunde, was der guten Stimmung aber keinen Abbruch tat, da sein brillianter Vorredner, Bundestagspräsident Norbert Lammert, sein rhetorisches Talent anschaulich unter Beweis stellte.
Indem er die verbleibende Zeit mit einer informativen und vor allem sehr unterhaltsamen Rede füllte, in der Lammert seine Idealvorstellung von Europa präsentierte, kam es dazu, dass die Stimmung unter den nahezu 900 Gästen im Festspielhaus auf einem gefühlten Höhepunkt war, als Barosso schließlich die Bühne betrat.

Nachdem der spontane Applaus verstummte und Barosso seine einleitenden Worte in makellosem Deutsch gehalten hatte, setzte er seine Rede auf Englisch fort.

Von Beginn an war deutlich wie sehr die momentane Schulden – und Finanzkrise die europäische Politik, und damit auch die Europa-Rede, beeinflusst.
So stellte er die Bedeutung des Euroraumes in den Vordergrund der Rede, äußerte seinen Wunsch möglichst alle Mitgliedsländer der EU auch der Eurozone beitreten zu lassen und nannte neue Maßnahmen, die erst in einiger Zeit offiziell diskutiert werden (z.B. die mögliche Einrichtung eines übergeordneten europäischen Finanzministers) und die Eurozone stabilisieren sollen.

Auch sprach er Deutschland die Führungsrolle innerhalb Europas, und damit verbunden auch die besondere integrative und solidarische Verantwortung den anderen Mitgliedsländern gegenüber, zu, um damit einem gespaltenen Europa entgegenzuwirken.

Um die momentane Finanz- und Schuldenkrise zu überstehen, aber auch um zukünftig unter weltpolitischen und geostrategischen Gesichtspunkten nicht in der Bedeutungslosigkeit zu versinken, forderte Barosso mehr statt weniger Europa; die Zeit der Nationalstaaten sei gezählt.


Neben vieler dieser finanztechnischen Details zur Eurorettung sprach Barosso aber auch ideelle und visionäre Werte und Vorstellungen an: die gemeinsamen demokratischen Werte in Europa seien ein Grundbaustein der europäischen Gesellschaft. Aus eben jenem Grund sollte nach seiner Vorstellung in Zukunft auch die Demokratisierung der europäischen Institutionen und Prozesse fortschreiten und den Bürgern somit ein direkter Einfluss (vor allem über eine Stärkung der nationalen Parlamente) ermöglicht werden.

Seine Rede schloss Barosso mit einem Zitat aus der Berliner Erklärung, wonach die europäischen Länder vor allem „im Glück vereint“ seien.


Die Europa-Rede war vor allem deswegen so bedeutend und interessant, weil sie uns „Normalbürgern“ erlaubt, die Gedankengängen und Vorstellungen von bedeutenden Persönlichkeiten aus den EU-Institutionen (im Jahr 2010 sprach der Präsident des Europäischen Parlaments) direkt und ungefiltert wahrzunehmen.
So sprach Barosso in seiner Rede sehr offen über die Probleme der EU, äußerte richtungsweisende Vorstellungen und schloss seine Rede mit einem Auftrag an die Jugend als Zukunft Europas ihren gestalterischen Anspruch wahrzunehmen.

Der Abend hat mir in seiner Gesamtheit außerordentlich gut gefallen, vor allem aufgrund der Möglichkeit so viele verschiedene und interessante Menschen kennen lernen zu können, allen voran natürlich den EU-Kommissionspräsidenten.
Meiner Meinung nach ist er eines der wenigen „Gesichter“ anhand derer man Europa an einer Personalie begreifbar machen kann. Wenn eine Identifikation der Bürger mit der Europäischen Union gestärkt und das oft zitierte, aber doch immer noch schwach ausgeprägte „Wir-Gefühl“ in Europa geschaffen werden soll, sind gerade solche Begegnungen essentiell.

Abschließend möchte ich mich noch einmal recht herzlich bei den Veranstaltern für den fantastischen Abend bedanken, den sie uns ermöglicht haben.



Florian Podewski, Jg.St. 13 ; 16.11.11