Gedenkstättenfahrt Ravensbrück

Unsere Klasse, die 10 a des Europäischen Gymnasiums Bertha-von-Suttner, hat im Zeitraum vom 22.11.2013 bis zum 23.11.2013 eine Exkursion zur Gedenkstätte in dem ehemaligen Konzentrationslager Ravensbrück unternommen, um einen tieferen Einblick in das Leben der Konzentrationslagerhäftlinge in der Zeit des Nationalsozialismus zu bekommen.

Am Freitagmorgen kamen wir gegen 10.30 Uhr in Ravensbrück an und bezogen unsere Zimmer in der Jugendherberge. Gleich darauf trafen wir uns im Seminarraum, wo uns ein Angestellter der Gedenkstätte über das von den Referendaren und unserer Lehrerin vorbereitete Programm der nächsten zwei Tage informierte. Außerdem sammelten wir die Erwartungen der Klasse an das Konzentrationslager und die gesamte Ausstellung. Darauf folgte eine kurze Führung über das ganze Gelände, damit wir uns einen groben Überblick verschaffen konnten, der uns bei den folgenden Arbeitsaufträgen helfen sollte. 

Nach einer kurzen Mittagspause ging es gleich weiter mit der Gruppenarbeit. Dafür wurden wir in fünf Sechsergruppen aufgeteilt. Gruppe 1 befasste sich mit der Arbeit im Konzentrationslager, Gruppe 2 mit der Freizeit der Häftlinge, Gruppe 3 mit den Kindern, die dort gelebt haben oder sogar geboren wurden, Gruppe 4 mit den Aufseherinnen und Aufsehern, und die letzte Gruppe, Gruppe 5, mit der Häftlingsgesellschaft. Da wir viel Zeit zur Erarbeitung des jeweiligen Themas bekamen, konnten sich alle umfassend mit ihren Themen befassen. Außerdem war die Ausstellung sehr ansprechend gestaltet, sodass bei allen Gruppenmitgliedern das Interesse geweckt wurde. Es waren nämlich viele Gegenstände, Zeichnungen und Bilder aus diesem ehemaligen Konzentrationslager vorhanden. Des Weiteren konnte man sich Zeitzeugengespräche anhören oder ansehen, die von den Erlebnissen in dem Konzentrationslager erzählten.

Zum Austausch der Ergebnisse wurden erneute Gruppen gebildet, in denen jede Arbeitsgruppe einmal vertreten war. Jeder machte eine Führung durch die Ausstellung zu seinem Thema und gab so das selbsterarbeitete Wissen an die Schüler aus den anderen Gruppen weiter. Diese Art der Auswertung hat dazu beigetragen, dass alle aufmerksam und interessiert zuhörten. Dadurch war die Basis für den nächsten Tag geschaffen.

Doch der Spaß blieb an diesem Tag nicht aus. Nach einem stärkenden Abendessen gab es noch einen Spieleabend, der unsere Klassengemeinschaft stärkte. Als sich alle Schüler in ihre Zimmer zurückgezogen hatten, kam unsere Lehrerin Frau Weiß und erkundigte sich über unser Befinden und unsere Gefühle zu dem Thema.

Nach dem Frühstück am nächsten Tag gab es noch eine individuelle Arbeitsphase, in der unsere Kreativität gefragt war. Jeder bekam noch einmal Zeit, um sich dem Thema, welches ihn/sie am meisten berührt hat, zuzuwenden. Dabei wurden uns keine Grenzen gesetzt. Es wurde gemalt, gedichtet, fotografiert und Rollenspiele wurden entwickelt. Diese Freiarbeit trug zu einem guten Arbeitsklima bei und steigerte das Interesse der Schüler. Es half auch zur Verarbeitung des Themas.

Anschließend gab es eine Präsentation der Ergebnisse in der großen Runde, in der jeder, der wollte, sein Ergebnis der letzten Stunden vorstellen konnte. 

Zum Abschluss äußerten wir Kritik und Lob an die Ausstellung und an die Arbeitsaufträge. Diese fiel überwiegend positiv aus, da wir viel gelernt und erfahren haben, ohne dass es uns zu viel wurde.

Ausreichend über das Thema „Leben im Frauenkonzentrationslager“ informiert traten wir die Rückreise an. Dieser Einblick und die konzentrierte Arbeit der Schüler wären im normalen Unterricht, in dem wir alles nur über Geschichtsbücher und Informationstexte erfahren, nicht möglich gewesen. Deshalb waren wir froh darüber, dass uns diese Möglichkeit gegeben wurde. 

Nihan & Mina; Klasse 10a

Ist eine Gedenkstättenfahrt wirklich notwendig für den Geschichtsunterricht?

Überall in Deutschland findet man Gedenkstätten über den Nationalsozialismus. In Gedenkstätten wird den Opfern gedacht und den Besuchern Informationsmaterial über den speziellen Ort und die  Zeit des Nationalsozialismus bereitgestellt. Um dieses Wissen jungen Menschen nahezubringen, bieten viele Gedenkstätten spezielle Programme für Jugendliche und Schulklassen an. Doch ist es wirklich notwendig, eine Gedenkstättenfahrt als Bestandteil des Geschichtsunterrichts zu unternehmen, um Wissen über diese Zeit zu vermitteln?

Oft zeigen Gedenkstätten auf schockierende und grausame Weise, wie die Menschen in der Zeit Nationalsozialismus gelebt haben. Im Konzentrationslager Ravensbrück werden verschiedenste Schicksale von KZ-Häftlingen dargestellt. Bei unserem Besuch im KZ Ravensbrück wurden wir beispielsweise mit dem tragischen Schicksal von Leokardia Kopczynska und ihrer Tochter Barbara konfrontiert. An verschiedenen Orten in der Ausstellung wurde eindrucksvoll geschildert, wie Barbara im KZ zur Welt kam und dort aufwuchs.

Emotional waren wir davon sehr ergriffen. Doch nicht nur dieses persönliche Unglück war entsetzlich, sondern auch die Stimmung des ganzen Ortes war bedrückend. Das KZ bringt dem Besucher nicht nur den historischen Hintergrund, sondern auch die Gefühle der Insassen und ihre Situation auf authentische Weise nahe. Allerdings kann nicht jeder Schüler mit dieser emotionalen Konfrontation, geballt auf Zeit und Ort, umgehen. Deshalb sollte jeder Lehrer überlegen, ob die Schüler schon fähig sind, mit dem Thema angemessen umzugehen. 

Da Gedenkstätten immer eine sehr detaillierte Ausstellung zu dem Thema anbieten, können Schüler einen gut fundierten Überblick über die Zeit des Nationalsozialismus erhalten. Durch Zeitzeugenberichte ist eine differenzierte Auseinandersetzung mit den Geschehnissen jener Zeit möglich.  In Ravensbrück gab es nicht nur Berichte von Häftlingen sondern auch von deren Aufsehern. So lassen sich beide Seiten miteinander vergleichen und wir bekommen einen Einblick in die Beweggründe für die Taten. Allerdings ist es auf so einer Gedenkstättenfahrt selten möglich, diese Zeitzeugenberichte auf ihre Glaubwürdigkeit zu überprüfen. Doch auch nach der Fahrt prüft man diese zumeist nicht nach, da der Unterricht straff geplant ist und der Alltag Oberhand gewinnt. Zudem müssen auch Unterrichtsstunden anderer Fächer gestrichen werden, um Zeit für solche Fahrten zu ermöglichen. 

Grundsätzlich kann man sagen, dass eine Gedenkstättenfahrt eine intensive Auseinandersetzung mit dem dritten Reich erreicht. Gedenkstättenfahrten sind eine andere Art des Geschichtsunterrichts, die dem Schüler das Thema anschaulich und emotional nahebringen kann. Deshalb sind wir der Meinung, dass eine Gedenkstättenfahrt notwendig ist, um die Grausamkeiten des NS-Regimes lebendig und nachhaltig darzustellen.  Diese Orte dienen der Mahnung und wider dem Vergessen. Die dunklen Seiten deutscher Geschichte dürfen nicht verdrängt oder negiert werden. Insofern bilden Gedenkstättenfahrten ein geeignetes Mittel, die reine Lehrstoffvermittlung zu ergänzen. Gelehrte Fakten und angelesenes Wissen befördern das Verständnis für geschichtliche Abläufe und Zusammenhänge.  Aber berührt uns dieses  theoretische Wissen?  Gedenkstättenfahrten eröffnen Gelegenheiten, Geschichte erlebbar und nachempfindbar zu machen. Es sind zum einen die Orte selbst, die uns allein schon mit ihrer Atmosphäre gefangen nehmen. Zum anderen sind es die vielen

Einzelschicksale, die diese Orte erzählen, die uns befähigen, das Leid und die Tragik dieser Zeit nachzuvollziehen. Anonymität ist ein Schutzschild unserer Psyche. Können wir eine Verbindung zum Schicksal einer Person, auch wenn wir nicht mehr als deren Namen kennen, herstellen, findet die Problematik wirklich Eingang in unser Denken und Fühlen. Ein Beispiel dafür ist die schockierende Schilderung eines Häftlings, der in einem Video über ihre Demütigung durch eine Aufseherin  berichtet. Ihr war befohlen worden, vor den Augen der Aufseherin wie ein Hund im Dreck zu essen. Emotional erzählte sie über ihre Beweggründe, diesem menschenunwürdigen Befehl Folge geleistet zu haben, um ihr Leben und das ihres Kindes zu bewahren. Da wir ihre Reaktion auf die Erinnerung vor Augen hatten, wird diese Geschichte lange in unseren Gedächtnissenbleiben.

Aylin & Mira, Kl. 10a