Leistungskurs Geschichte auf historischer Gedenkstättenfahrt nach Auschwitz

"Ohne Erinnerung gibt es weder Überwindung des Bösen

 noch Lehren für die Zukunft."

 

Roman Herzog

Auschwitz – wie kaum ein anderer Begriff ist ‚Auschwitz‘ Inbegriff für den Schrecken und das Grauen für die durch die Nationalsozialisten verübten Verbrechen.

Am Abend des 9. Dezembers 2015, über 70 Jahre nach der Befreiung des Lagers, trat der Leistungskurs Geschichte des 12. Jahrgangs in Begleitung von Herrn Koch und Frau Gerber die Reise nach Oświęcim/Auschwitz an. Anlass für die Fahrt war vor allem, den Ort der millionenfachen Vernichtung menschlichen Lebens kennenzulernen, nachdem wir uns zuvor bereits im Unterricht intensiv mit der Schoah auseinandergesetzt hatten und uns mit „dem dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte“ zu befassen.

Nach einer langen Nachtfahrt, die sich vor allem für jene, die sich für einen Schlafplatz im engen achtsitzigen Sitzabteil entschieden hatten, eher schlaflos gestalten sollte, erreichten wir Oświęcim am nächsten Morgen. Zunächst wurden wir durch einen Freiwilligen der Internationalen Jugendbegegnungsstätte (IJBS) Auschwitz durch den Ort Oświęcim geführt und besuchten das jüdische Zentrum mit Synagoge. Am nächsten Morgen wanderten wir zum nahegelegenen Lager Auschwitz I. Im Laufe der vierstündigen Führung durch das 1940 errichtete Stammlager erfuhren wir viel über den menschenverachtenden Lageralltag der Häftlinge. Nachmittags folgte ein Seminarkurs im Archiv der Gedenkstätte, in dem wir Einblick in zahlreiche Unterlagen der Lagerleitung und der SS erhielten.

Hermetisch abgeriegelt: das Stammlager Auschwitz I
Unsere historische Leiterin (links) führte uns an beiden Tagen sachkundig und nachdenklich über die Lagergelände Auschwitz I und II

Dem regnerischen und kalten Wetter zum Trotz machten wir uns am darauffolgenden Tag zu einer weiteren sehr interessanten Führung im ehemaligen KL Auschwitz II auf: dem Vernichtungslager Birkenau. Obwohl nur noch ein Bruchteil der Baracken steht, konnte uns unsere historische Leiterin auf eindrucksvolle Art und Weise die Gräuel näherbringen. Ein Workshop, in dem wir uns mit einem ehemaligen jüdischen Häftling befassten, der als Zwangsarbeiter in einem „Sonderkommando“(d. h. in den Krematorien und Gaskammern) arbeiten musste, ergänzte die Führungen durch die beiden Lager. Abends bestand zudem die Möglichkeit, „Schindlers Liste“ zu sehen.

Eine Rose zum Gedenken: in der Nähe des ehemaligen Krematoriums 3 in Birkenau.
(H)Ort des Unterschlupfes in gefährlicher Zeit: Oskar Schindlers ehemaliges Fabrikgebäude der Deutschen Emailwarenfabrik in Krakau.

Nach drei Tagen intensiver Auseinandersetzung mit dem Holocaust unternahmen wir am Sonntag einen Ausflug nach Krakau. Dort besichtigten wir zunächst den berühmten Marktplatz mit der Marienkirche und besuchten anschließend die ehemalige Fabrik von Oskar Schindler, heute ein Museum über die Geschichte der Stadt seit 1939. Im Anschluss aßen wir im wieder schön hergerichteten jüdischen Viertel Kazimierz/Kasimir in einem jüdischen Restaurant. Die Heimfahrt erfolgte zu unserem Erstaunen in einem Transporter, nicht viel größer als ein VW Bus, mit mehr als 20 Fahrgästen besetzt – für diejenigen mit Sitzplatz ein Vergnügen, für die anderen eine Geduldsprobe.

Bevor wir am Montag nach dem Mittagessen abreisten, fand in der IJBS ein weiterer Workshop statt. In verschiedenen Gruppen befassten wir uns mit Fotos aus dem ehem. KL Auschwitz als Ausgangspunkt quellenkritischer historischer Forschung.

Insgesamt hat uns diese Fahrt alle sehr bewegt und die Abartigkeit und Perversität der Nazis auf eindrückliche Art und Weise vor Augen geführt. Trotzdem hatten wir auch viel Spaß, v. a. in Krakau. Zuzustimmen ist jedenfalls dem einleitenden Zitat Herzogs‘: "Ohne Erinnerung gibt es weder Überwindung des Bösen noch Lehren für die Zukunft." Gerade wir Deutschen stehen in einer besonderen Verantwortung, die es weiterzutragen gilt, für die Verbrechen der Nazis, an die zu erinnern ist, um für die Zukunft zu lernen.

Jason Witte, LK Geschichte (Herr Koch), 3. Semester (2015/16).

©: Leon Buchholz Fotos