Die Barockoper "King Arthur or the British Worthy" - ein brillantes Ensemblespiel an der BERTHA

"It's tea time!"Erst kürzlich beehrte die Queen Deutschland mit einem Staatsbesuch. Wie bekannt, besuchte sie dabei auch eine Schule. Das wohl wichtigste Schulereignis ist ihr allerdings entgangen: die Aufführung der Oper „King Arthur or the British Worthy“ unter der Leitung von Frau Kalcklösch (Regie), Frau Suckow (Orchester) und Frau Schwarzwälder (Chor) am Europäischen Gymnasium Bertha-von-Suttner, vom 24. bis 27. Juni 2015. Und dabei ist die Oper doch so schön britisch.

Die Schulinszenierung hält sich im Hinblick auf den Handlungsverlauf stark an die barocke Vorlage: Das Stück beginnt mit dem Auftritt der männlichen Hauptfigur des britischen Königs Arthur (F. Schönerstedt) und dessen Gegenspieler, des Königs von Sachsen, König Oswald (C. Isikli). Schnell wird deutlich, dass sich die beiden Königreiche schon lange im Krieg befinden. Da jedoch jedem Herrscher ein mächtiger Zauberer zur Seite steht, der weise Merlin den Briten und Magier Osmund den Sachsen, konnte bisher noch keiner der beiden den Kampf für sich entscheiden. Als wäre das nicht schon des Konflikts genug, entbrennen bald sowohl Oswald als auch Osmund in Liebe zu Emmelein (L. Hempel), der blinden Verlobten Arthurs. Trotz Betrug und Magie, die ihnen während des Stücks begegnen, kann die Liebe zwischen dem Britenkönig und Emmelein bestehen. Somit erfährt auch diese Oper ein Happy End, in welchem eine Heirat, eine Hymne auf Britannien sowie das obligatorische Trinkgelage natürlich nicht fehlen dürfen. 

Schon zu Beginn der Aufführung wird dem Zuschauer eines klar: Hinter dieser Inszenierung steckt ein aufwendiges Konzept, das natürlich vor allem der umfangreichen Vorlage geschuldet ist. Allerdings wird dieses Konzept im möglichen Rahmen der Aula elegant umgesetzt. So werden die Gänge in den Zuschauerreihen ebenfalls zu einer Bühne für den Chor und einigen Hauptfiguren wie King Arthur. Das Bühnenbild der Hauptbühne ist minimalistisch gehalten. Nur ein schwarzer Vorhang ziert die Wand hinter der Bühne. Den eigentlichen Rahmen für die Szenen bildet der Chor, der je nach Ort der Handlung mit anderen Accessoires ausgestattet ist. Während des Duetts zwischen dem Frostgeist und der Liebesgöttin Cupido trägt der Chor weiße Handschuhe und Schals, die als Symbol der Enteisung abgestreift werden. In einer anderen Szene leuchtet der Chor den Charakteren mit verschieden farbigen Knick-Lichtern den Weg. Auch wenn der Großteil der Ausstattung durchaus professionell wirkt, wie z.B. die Kostüme, der Orchestergraben und die Technik, sind einige Bühnenbilder und Requisiten dilettantisch umgesetzt. So scheint der magische Baum des Zauberers Osmond erst kurz vor der Premiere fertiggestellt worden zu sein. Auch die Lichtgeister, die das Stück einleiten, sind nicht als solche zu erkennen, sondern wirken eher wie die kümmerlich zerfetzten Laken, die sie sind.   Inhaltlich ist das Stück sowohl von zeitlichen als auch stilistischen Grenzen losgelöst: King Arthur trägt die Kleidung eines britischen Dandys des 19. Jahrhunderts, während Emmelein einen pinken Bob trägt, statt einer gepuderten Perücke.

Dieses Spiel mit dem Stil ist einerseits wirklich spannend und interessant, könnte aber bei manchem Zuschauer Verwirrung hervorrufen, da sein Zweck bis zum Ende des Stücks unklar bleibt.   Wie in jeder Oper spielen auch in dieser der Chor und das Orchester eine tragende Rolle. Nicht nur, dass der Chor mit seinen beinahe 70 Mitgliedern fast durchgehend auf der Bühne präsent ist, und als Teil des Bühnenbildes entscheidend zum Verständnis des Zuschauers sowie der Professionalität der Inszenierung beiträgt, er überwältigt sein Publikum zudem mit einer immensen Stimmgewalt, was, mit den Klängen des Orchesters verbunden, diese Inszenierung erst zu einem wirklichen Opern-Highlight macht. Bemerkenswert sind die Soli der verschiedenen Sänger, die stellvertretend für alle Sänger zeigen, dass das Schuljahr für die Stimmbildung erfolgreich genutzt wurde. Zudem harmonieren die Gesang- und Musikelemente hervorragend miteinander und sind Beispiel für ein großartiges Ensemblespiel, das es in der Form an unserer Schule selten gegeben hat. Auch ohne über großen musikalischen Sachverstand zu verfügen, ist es wohl keine Übertreibung zu sagen: Das Orchester spielt fantastisch. Quietschende Streicher  oder quäkende Blechbläser sind nie zu hören, die Einsätze sind exakt und die barocke Musik so eingängig, dass sie noch auf dem Heimweg gesummt wird.  

Hervorgehoben seien an dieser Stelle die herausragenden Schauspielkunst der Akteure: Die Darsteller spielen ihre Rollen über das ganze Theaterstück hinweg überzeugend. Insbesondere die Hauptdarsteller (F. Schönerstedt und L. Hempel) hauchen ihren Figuren mit großer Leidenschaft Leben ein. Das gilt auch für Can Isikli, der in seiner Rolle als Sachsenkönig Oswald ein Musterbeispiel für Integration liefert und dessen genial umgesetzter sächsischer Dialekt die Stimmung immer wieder auflockert.  

Überhaupt zieht sich ein wunderbar subtiler Humor durch das gesamte Stück, welcher an einigen Stellen durch Gelächter und Applaus des Publikums gewürdigt wird. Dazu zählen Helene-Fischer-Zitate und britische Stereotypen („It’s tea time!“) sowie selbstironische Bemerkungen der Schauspieler, welche die vierte Wand brechen und ihr Publikum so noch mehr in ihren Bann ziehen. Gerade letzteres kann jedoch auf einige Zuschauer irritierend, vielleicht sogar störend wirken. Wie soll man schließlich ein Stück ernst nehmen, das sich selbst ins Lächerliche zieht? Abgesehen davon sorgen die offensichtlich gut durchdachten Pointen für Abwechslung, die den Zuschauer die gesamte emotionale Bandbreite von Trauer zu Glück erfahren lassen.  

Ohne Zweifel ist die Inszenierung von "King Arthur" das Highlight dieses Schuljahres. Die Schauspieler harmonieren großartig mit dem Chor und dem Orchester, die Vorlage ist humorvoll umgesetzt und die umfangreiche Ausstattung passend. Da alle Vorstellungen bereits vorbei sind, bleibt also nur zu hoffen, dass nächstes Schuljahr weitere Vorstellungen geplant werden, für alle, die das Stück noch nicht gesehen haben. Your Majesty, das wäre dann Ihre Chance!  

Luca  und Mira, 11. Jahrgang  

Gemeinschaftsprojekt: Darstellendes Spiel und Musik

Um die 130 Schülerinnen und Schüler sind an diesem Gemeinschaftsprojekt von Chor, Darstellendem Spiel und Orchester beteiligt, auch einige Kolleginnen und Kollegen nehmen singend und musizierend daran teil.

Es wird aber zur Musik nicht nur gesungen, sondern auch gekämpft, getanzt und geheiratet, so viel sei schon verraten…

„King Arthur or the British Worthy“ („worthy“ bedeutet Held) ist eine Semi-Oper von Henry Purcell, einem englischen Komponisten der Barockzeit. Inhaltlich geht es weniger um die Artussage, also die Ritter der Tafelrunde als um den Kampf der Briten gegen die Angelsachsen. Außerdem gibt es natürlich eine schöne Liebesgeschichte, und zwar die zwischen Prinzessin Emmeline und König Arthur, der seine Liebste aus den Armen seines Erzfeindes, dem Sachsenkönig Oswald, befreien muss. Wir haben die Oper gekürzt und das Libretto umgeschrieben und aktualisiert, die musikalischen Highlights, wie den „Cold Song“, die Passcaglia „How happy the lover“ oder die „Trumpet Tunes“ werden aber natürlich zu hören sein.

Wenn Sie neugierig geworden sind, empfehlen wir den Kartenvorverkauf in den großen Pausen zu nutzen. Wir freuen uns auf Ihr zahlreiches Erscheinen!  

Eine Pausenverpflegung wurde organisiert.

Ulrike Kalcklösch (Inszenierung), Madeleine Schwarzwälder (vokale Einstudierung von Chor und Solisten), Alina Suckow (Orchester)