Rocky Horror Show an der Bertha

Wer kennt ihn nicht? Richard O'Briens Kultfilm, die Rocky Horror Picture Show, die in den 70ern nach einigen Anlaufschwierigkeiten große Aufmerksamkeit auf sich zieht, indem sie durch die vorherrschende Sexualität und Absurdität sowie vielfältige Anspielungen auf beispielsweise Frankenstein und Dracula einige Klassiker ins Lächerliche zieht.

Da auch wir auf Anhieb gefesselt waren von diesem Stück Musicalgeschichte, dachten wir uns vor gut einem Jahr: Das können wir auch! Und stürzten uns mitten in zahlreiche Proben, wobei uns nach und nach fast jegliches Schamgefühl abhanden kam.

Es geht, kurz gefasst, um ein spießbürgerliches, sittsames Paar, Brad Majors (Julius Kaminski) und Janet Weiss (Betti Berndt), die nach ihrer Verlobung einen Freund aufsuchen wollen, bei dem sie allerdings nie ankommen werden.

Nachdem das Stück mit den wunderbaren Gesangskünsten der Magenta (Jessica Cuna) eingeleitet worden ist, löst schon das Auftreten des Paares im Publikum Gelächter aus.

Dieses landet nun verirrt in einer dunklen Gegend, in der einzig und allein auf weiter Flur ein schäbiger Club steht, der Frankenstein Place, in den sie vom hauseigenen, buckligen Butler Riff-Raff geleitet werden, den viele trotz zum Teil enger Freundschaft nicht als Johanna Claus erkannt haben, die durch die meisterhafte Schminkmaske bis zur Unkenntlichkeit verändert war.

Im Frankenstein Place tümmeln sich merkwürdige Gestalten, die Trannsylvanians, die die anständigen frisch Verlobten durch ihr Verhalten auf der laufenden Party und ihr Auftreten mit recht eigenwilligem Make-Up, engen Korsagen, High-Heels & co. in ihren Grundfesten erschüttern.

Nachdem sie mit immer größer werdender Ungläubigkeit einen äußerst anzüglichen Tanz, den Time Warp, mitangesehen haben, den unsere größten Fans schließlich sogar mittanzen können, folgt für Brad und Janet der nächste Schock, als ihnen der Meister persönlich, Dr. Frank'n'Furter, gegenübersteht und sie in sein Labor führen lässt.

Wer bis jetzt noch keine Begeisterung für das Stück oder die Schauspieler übrig hatte, wird spätestens nun vom Hocker gerissen, denn Jedidja Bärhold spielt den Frank mit solcher Überzeugungskraft und Stimmgewaltigkeit, dass unsere Schulleiterin persönlich beeindruckt ist.

Es wird nun auch der Anlass zu diesen abgehobenen Festlichkeiten klar: Der Hausbesitzer hat einen perfekten adonisgleichen Jüngling erschaffen, seine Kreatur Rocky, dessen „Geburt“ alle Anwesenden begierig starrend und begeistert klatschend beizuwohnen erschienen sind. Ilkay Tasli erscheint als Goldjunge und lässt einige Herzen höher schlagen und das nicht nur auf der Bühne.






Das verstörte Paar übernachtet hierauf im Anwesen des Meisters. Nicht jedoch, ohne in einige unanständig anrüchige und schlüpfrige Affären verwickelt zu werden, die nach und nach aus den ehemals biederen und keuschen Verliebten zwei sündhafte und aufgeklärte Menschen werden lässt, die ihre Schüchternheit so weit ablegen, dass sie schließlich ebenfalls in High-Heels und Strapsen auf der Bühne tanzen und sich voll und ganz der Lust hingeben, bis ein unerwarteter Zwischenfall das neue Glück erneut aus den Bahnen wirft. Und mit ihm auch das Leben Franks und seines geliebten Rocky. Einigen Zuschauern sollen bei der Abschiedsszene Franks sogar die Tränen in den Augen gestanden haben und auch der letzte im Saal musste wohl ergriffen sein, als es ihn und seine Mannschaft aufgrund einer Intrige seiner Vertrauten, Magenta und Riff-Raff, in den Tod reißt.

Der Applaus ist an allen vier Abenden groß und es wird nach einer Zugabe verlangt, die ebenfalls sehr gut ankommt.

Nachdem wir viele und fast ausschließlich positive Rückmeldung bekommen haben, freuen wir uns umso mehr, dass sich die viele harte Arbeit an diesem aufwendigen Stück gelohnt hat und wir so viele Freunde, Verwandte aber auch Unbekannte eine Freude machen und sie gut unterhalten konnten.

Wir bedanken uns für das Lob und die Begeisterung, die sogar einige Schüler angeregt hat, DS zu wählen, um auch einmal ein solches Stück präsentieren zu können.

Ds - Kurs, 4. Semester