Exkursion in das Primatenzentrum Leipzig

1. Wer ist Affe, wer ist Mensch?

Am 09.März 2015 besuchten die Schüler und Schülerinnen des Leistungskurses Biologie mit Frau Dexel das Wolfgang-Köhler-Zentrum für Primatenforschung in Leipzig. Die Exkursion begann mit einem Vortrag von Johannes Großmann, der uns einen Einblick in die Studien des Forschungszentrums ermöglichte.

Ziel der Studien ist es herauszufinden, welche einzigartigen kognitiven Fähigkeiten den Menschen auszeichnen und ihn somit vom Affen unterscheiden. Die dazu durchgeführten Experimente mit Menschenaffen sind nicht invasiv und die Ergebnisse werden mit denen von Kleinkindern und  anderen Tieren, zum Beispiel Keas und Hunde, verglichen. Während der Untersuchungen, die in mit Plexi-Glas abgetrennten Räumlichkeiten stattfinden, haben Forscher und Affe keinen direkten Kontakt.

Bei einem Experiment zum kausalen Verständnis beobachtet der Primat wie der Forscher eine Banane in ein Gefäß einer Balkenwaage legt. Ohne dass der Menschenaffe die Banane sehen kann, erschließt er sich aus dem Kippen der Waage, wo sich diese befindet.

Einige Forscher konnten Orang Utans beibringen, Strohalme zu benutzen. Dabei gab man einem Orang Utan einen manipulierten Strohhalm, mit dem er keinen Saft trinken konnte. Ohne es vorher zu testen oder bei einem Artgenossen gesehen zu haben, merkte der Affe, dass der Strohhalm defekt war und begann den störenden Aluminiumkern im Strohhalm zu entfernen.

Durch den Vortrag und das selbstständige Beobachten der Primaten sind wir zu der Erkenntnis gekommen, dass die Menschenaffen uns ähnlicher sind als vermutet.

Lisa Tran und Anna Beyer-Meklenburg

2. Schimpansen

„Mit Schimpansen ist nicht zu spaßen. Sie sind nicht gerade friedfertig und stärker als man vermuten würde - wenn Sie in Zeitlupe einen einarmigen Klimmzug machen können und danach auf der Stange sitzen, dann könnten Sie sich auch mal ins Gehege trauen“ - Johannes Großmann Schimpansen gehören zu der Ordnung der Primaten und zur Familie der Menschenaffen und Menschen. Sie ernähren sich  von Früchten, Rinde, Samen, Insekten, Nagetieren, Vögeln, Buschböcken und anderen Primaten wie Stummelaffen. Sie leben vor allem im Tiefland- und Bergregenwäldern, Trockenwäldern, Baumsavannen und Grasland, aber auch in der Nähe menschlicher Siedlungen. Schimpansen können bis zu 60 Jahre alt werden und werden in ihrem 6. bis 7. Lebensjahr  geschlechtsreif.

Sie gebären nach einer Tragzeit von 203 bis 244 Tagen ein Jungtier und säugen dies circa 2 Jahre lang. Sie leben in Gemeinschaften mit engem Zusammenhalt, in denen die Männchen dominieren. Ranghohe Tiere imponieren, indem sie auf Wurzeln trommeln, schreien und Pflanzen ausreißen. Begegnen sich zwei Horden, verläuft das nicht immer friedlich, teilweise werden die Tiere der unterlegenden Gruppe getötet. Aber auch das Leben innerhalb der Gruppen verläuft nicht immer friedlich, denn gerade bei den Kämpfen um eine höhere Position in der Gruppenhierarchie kommt es oft zu Ausschreitungen, bei denen aber selten ein Tier verletzt wird, da Schimpansen äußerst robust sind. In den Gruppen schmieden sie nämlich Allianzen, indem sie sich durch Lausen das Wohlwollen eines anderen Individuums sichern. Diese Allianzen spielen eine große Rolle in der Hierarchie der Gruppe, da die Position des Alpha-Männchens und des Alpha-Weibchens nicht nur von der körperlichen Konstitution, sondern auch von der Zahl der Unterstützer abhängt. Die Auswirkungen dieser Allianzen kann auch im Kampf um die Rangordnung innerhalb der Gruppe beobachtet werden: Wenn beispielsweise ein rangniedriges Individuum in der Nähe eines verbündeten ranghöheren geschlagen wird, gibt es lautere Klagelaute von sich als normalerweise angemessen, um sich die Hilfe des ranghöheren zu verschaffen. Obwohl ihr Sozialverhalten sehr ausgeprägt ist, ist es (so vermutet man jedenfalls) eine Legende, dass sie in verteilten Rollen kooperativ jagen, sich also als Treiber und Fänger betätigen - wahrscheinlicher ist nämlich, dass die Schimpansen, sobald ein geeignetes Beutetier in Sicht ist, sich in geeigneter Reichweite eine gute Position suchen und sich jedes Individuum immer den nächst besten Platz sucht, so dass eine Verteilung (Einkreisen) entsteht, die auf ein vermeintlich geplantes und kooperatives Jagdverhalten schließen lassen könnte.

Vanessa Schwenk, Sebastian Beier

3. Der Bonobo:

Der Bonobo gehört zur Gruppe der Menschenaffen und stammt ursprünglich aus der Demokratischen Republik Kongo, wo er allerdings nur den südlichen Teil des Landes besiedelt. Diese Art entwickelte sich vor circa 5-7 Millionen Jahren und ist somit näher mit uns Menschen verwandt als der Schimpanse, dem sie allerdings sehr ähnlich sieht.

Bonobos können bis zu 50 Jahre alt werden und sind überwiegend Vegetarier. 25% ihrer Nahrung sind Blätter, neben denen sie auch noch Früchte, Kräuter, und nur zu 1% Insekten fressen.

Das Besondere der Sozialstruktur ist, dass die Gruppe ausschließlich von den Weibchen angeführt und dominiert wird. Die Männchen versuchen zwar zu imponieren, was uns von einem Affen auch stark demonstriert wurde, jedoch wird die soziale Interaktion größtenteils von den Weibchen bestimmt. Diese gehen auch intensive Beziehungen zu mehreren Männchen ein, was darauf basiert, dass der Geschlechtsverkehr als innovatives Mittel zur Lösung sozialer Spannungen gilt und deshalb auch häufig betrieben wird.

Bonobos sind zudem sehr intelligent, aber leider auch so stark bedroht, dass sie in jedem Fall geschützt werden müssen.

Anna, Katharina

4. Gorillas - Die „Kühe“ des Urwalds

Anschließend gingen wir zur Anlage der Gorillas, einer weiteren Primatengattung aus der Familie der Menschenaffen. Mit Gorillas verbindet man das Imponierverhalten der Männchen, nämlich das Trommeln auf der Brust. Doch eigentlich sind sie recht friedlich und kämpfen nur bei ernsthafter Bedrohung. Diese Primaten leben natürlicherweise in Tieflandregenwäldern und Sumpfgebieten in Kamerun, der Zentralafrikanischen Republik Kongo und in der Demokratischen Republik Kongo. Sie werden bis zu 53 Jahre alt und bis zu 1,70m groß!  Männchen werden bis zu 270kg schwer, Weibchen sind deutlich leichter (bis zu 110kg). Gorillas leben in Haremsgruppen, d.h. um einen Anführer, den sogenannten Silberrücken, gruppieren sich viele Weibchen. Silberrücken beanspruchen jeweils ein Territorium von etwa 20km². Ihr Gebiet verteidigen sie mit allen Mitteln. Die Menschenaffen sind Vegetarier, sie ernähren sich von Pflanzenmark, Blättern, Kräutern, Gräsern, Rinden und Wildfrüchten. Zur Verdauung der Cellulose haben sie große Blähbäuche. Deshalb werden sie auch als „Kühe des Urwalds“ bezeichnet. So kam es auch, dass die Tierpfleger im Dezember 2013 eine Überraschung erlebten. Plötzlich befand sich ein Gorilla mehr auf der Anlage! Die junge Gorilladame Kibara war unbemerkt trächtig gewesen und hatte das Männchen Jengo geboren, das leider im Alter von 6 Monaten verstarb.

Julia Degenkolbe, Jannis Kaloplastos

5. Orang Utan:

Der Orang Utan oder auch Pongo pygmaeus gehört, wie auch viele andere Affenarten zu einer vom Aussterben bedrohten Art. Er ist einer der schwersten Menschenaffen und das Männchen kann ein Gewicht von bis zu 90kg erreichen, wohingegen das Weibchen nur bis zu 50kg schwer wird. Er ernährt sich dabei hauptsächlich vegetarisch und kann in kurzer Zeit sehr viel Fett aufbauen. Der Orang Utan ist ein typischer Einzelgänger und Baumbewohner. Er ist für einen Menschenaffen sehr geduldig und bedient sich im Zoo zahlreicher Werkzeuge, die er in freier Natur nicht hat bzw. nicht benutzen würde. Sie bekommen selten Langeweile, da sie sich mit allerhand Spielzeugen zu beschäftigen wissen. Die Sozialstruktur der Orangs ist so gegliedert, dass sich ein Orang Utan zum „Alphamännchen“ bestimmt und viel größer und kräftiger als seine Artgenossen wird. Er herrscht dann in freier Natur über ein größeres Gebiet, das mehrere Weibchen einschließt. Die Jungen der Weibchen sind sehr abhängig und bleiben oft bis zum zehnten Lebensjahr bei ihrer Mutter. Sobald die Männchen eigenständig werden, müssen sie die Gruppe verlassen, weil der „Alphamännchen“ kein anderes ausgewachsenes Männchen in seinem Territorium duldet. So lange die Männchen in der Nähe des „Alphamännchens“ leben, wird die vollständige Ausbildung  der Körpermerkmale hormonell unterdrückt und prägt sich erst nach dem Verlassen der Gruppe aus. Victoria Jahn, Pascal Arendt

6. Und dann?

Im Anschluss machten wir eine „unterirdische“ Bootfahrt durch die Erdgeschichte im Gondwanaland, hier war es tropisch warm und wir konnten bei dem individuellen Streifzug durch die traumhafte Vegetation der Halle unter anderem kleine Tieraffen, Warane, Tapire, Lungenfische,  Raubkatzen und vieles mehr  beobachten.

Gegen 15 Uhr verließen wir den Zoo und liefen in die Innenstadt. Jetzt konnte jeder auf seine Weise Leipzig erkunden, ob Kaufhaus, Kirche, Kaffeetrinken oder Kaffeemuseum.

Um 18.00 aßen wir gemeinsam zu Abend und dann ging es um 20:00 gut gelaunt und müde wieder in den Zug. Ein schöner gemeinsamer Tag mit vielen tollen Eindrücken!                    

Susanne Dexel