Studienfahrt des Leistungskurses Deutsch nach Weimar vom 1. – 3. März 2013

In der ersten Märzwoche „opferten“ 16 Schülerinnen, 3 Schüler und eine Lehrerin ihr Wochenende, um einen Einblick in die Lebens- und Arbeitsumstände der Weimarer Klassiker zu erhalten. Das Programm war dicht, das Wetter ließ Spaziergänge von einem Ort zum anderen durchaus zu und Herrn Nasdala, unserem „Führer“,  gelang es immer wieder durch seinen unendlich großen Wissensschatz, uns Einblicke in das damalige Leben und Denken zu geben. Im Folgenden werden ein paar von uns besuchte Orte vorgestellt.

 

 

Das Wittumspalais
1758 stirbt der Herzog Ernst August  von Sachsen-Weimar-Eisenach mit 20 Jahren und hinterlässt seine Frau Anna Amalia, 18 Jahre alt, mit der er zwei Jahre zuvor, 1756, vermählt wurde sowie zwei kleine Söhne. Anna Amalia beschließt gegen den Widerstand einflussreicher Berater, die Regentschaft zu übernehmen und bis zur Volljährigkeit des ältesten Sohnes Carl August auszuüben.
Nach dem Weimarer Schlossbrand im Mai 1774 bezieht die Herzogin das Stadtpalais. Dieser Wohnsitz dient ihr bis zu ihrem Tode 1807 als Witwensitz. Sie macht diesen Ort zum Treffpunkt zahlreicher Intel-lektueller des 18. Jahrhunderts und fördert damit deren Gedankenaustausch,  sodass Weimar zu einem bedeutenden Zentrum für Kultur und Wissenschaft in Europa wird.
Das barocke Stadtpalais liegt äußerst zentral am Theaterplatz. Mit der orange-gelben Außenfassade hebt sich das große Haus von seiner Umgebung ab, insbesondere die  vielen und großen Fenster fallen auf. Die Innenausstattung ist sehr prunkvoll und bietet mit den vielen Gemälden und Büsten Einblick in die Wohnkultur des Adels im 18. Jahrhundert.
In den stilvoll gestalteten Räumen und Sälen kann man sich gut vergegenwärtigen, wie Goethe, Schiller, Wieland und andere Persönlichkeiten dieser Zeit sich im Salon am runden Tisch in der sogenannten Tafelrunde trafen und zusammen über interessante Themen diskutierten, lachten und sich vielleicht auch stritten. Nicht nur Diskussionsrunden entstanden, sondern auch Musikabende und literarische Lesungen.

Anna-Amalia-Bibliothek
Schon 1691 beginnt unter Herzog Wilhelm Ernst von Sachsen-Weimar der Ausbau der herzoglichen Bibliothek, die zunächst im Residenzschloss untergebracht ist. 1766 erhält die Bibliothek ihr eigenes Haus. Herzogin Anna Amalia lässt hierfür das "Grüne Schlösschen" umbauen und integriert einen repräsentativen Büchersaal, den späteren Rokokosaal. 1797 erhält Johann Wolfgang von Goethe die Oberaufsicht über die Weimarer Bibliothek, die schon jetzt eine der bedeutendsten in Deutschland ist.
Durch einen Kabeldefekt kommt es 2004 zu einem Großbrand, bei dem mehr als 50.000 Kunstwerke zerstört und Tausende Bücher schwer beschädigt werden. Die Restaurationen dauern bis heute an. 2007 wird die historische Bibliothek wiedereröffnet und gilt heute mit über einer Million Bände als Forschungsbibliothek für Literatur- und Kulturgeschichte.
Von außen vermutet man hinter der Fassade des “Grünen Schlösschens“ zunächst keine Bibliothek, innen fällt jedoch besonders der berühmte Rokokosaal auf, welcher in Weiß und Gold gehalten ist. Dieser beeindruckt mit seiner hohen Decke, die ebenso mit Stuck verziert ist wie die Wände und der Rest des Raumes. Außerdem fallen die vollen, bis zu der Decke reichenden Bücherregale und die zahlreichen Gemälde und Büsten auf, darunter auch einige von Goethe, Schiller und Herder.
Nach dem Betreten ist man zunächst erstaunt über die Größe des Raumes. Die vielen Verzierungen an den Wänden und der Decke und auch die Farbgestaltung lassen den Raum sehr edel und beeindruckend wirken. Außerdem war es überraschend zu sehen, wie viele Bücher, nämlich ca. 200.000, aus der Zeit um 1800, darunter auch Werke von Goethe und Schiller, in einem so guten Zustand erhalten blieben, dass sie sogar ausgeliehen werden können.


Der Jacobsfriedhof

Bereits im 12. Jahrhundert fanden auf dem beschaulichen Jacobsfriedhof erste Bestattungen statt. Von 1530 bis 1818 war er der einzige Friedhof Weimars, bis er schließlich vom Historischen Friedhof abgelöst wurde.
So unauffällig, wie er auf die Besucher wirkt, kann man kaum glauben, dass hier der große Schiller be-graben liegt- doch nein! Die Schillergruft heißt nur fälschlicherweise so. 1826 wurde veranlasst, seine Gebeine zu bergen und in die neuerbaute Fürstengruft auf dem Historischen Friedhof zu überführen. Bei dem Versuch, an den Sarg von Schiller zu kommen, krachten jedoch viele alte Särge zusammen, so dass die Gebeine nicht mehr deutlich voneinander zu trennen waren. Vor sechs Jahren fanden Wissenschaftler dann heraus, dass in dem Sarg in der Fürstengruft nicht die Knochen von Schiller liegen, und man entschloss sich, den Sarg leer zu lassen.  
Fast ein wenig unheimlich wirken die alten Grabsteine und Kreuze, deren Lebensgeschichten dahinter man nur vermuten kann. Doch ein Schicksal hat uns besonders schockiert: das der Christiane Becker-Neumann. Sie war eine so talentierte Schauspielerin, dass sie bereits mit dreizehn Jahren nahezu alle weiblichen Hauptrollen spielte. Als sie schließlich mit fünfzehn Jahren Heinrich von Blumenthal heiratete und Kinder gebar, wollte sie der Schauspielerei trotzdem nicht den Rücken kehren. Sie bekam Tuberkulose und erlag mit nur neunzehn Jahren den Folgen dieser schweren Krankheit.

Der Historische Friedhof
1818 wird der Historische Friedhof in Weimar eröffnet. Er ist für die bedeutenden Persönlichkeiten Weimars vorgesehen.  Dazu gehören nicht nur der Herzog und seine Familie, sondern auch Johann Wolfgang von Goethe, welcher  1832  beerdigt wird, und Friedrich Schiller (dessen Sag  allerdings heute leer ist). Beide ruhen mit in der Fürstengruft, welche im Auftrag des Großherzogs Carl August errichtet wird. Das Mausoleum entwickelt sich schon seit Mitte des  19. Jahrhundert zu einem  Verehrungsort für Dichter und Denker.
Auch Charlotte von Stein, eine gute Freundin Goethes, wird auf dem Friedhof beerdigt, allerdings nicht in der Gruft, sondern am Rand der Friedhofsmauer, wo sich weitere Gräber befinden.                                                                                                                                    
Durch den großen Friedhof erstreckt sich ein langer Weg, welcher direkt zur Fürstengruft führt. Rechts und links davon befinden sich zahlreiche hohe  Lindenbäume und eine wildbewachsene Wiese, auf der  vereinzelt noch Grabsteine und Kreuze stehen.  
 Wie bei jedem Friedhofsbesuch gerät man auch beim Besuch des Historischen Friedhofs in eine leicht melancholische Stimmung. Am Grab der Familie Goethe angekommen, stellt man sich die Personen vor und fragt sich, wie sie aussahen, welche Kleidung sie trugen und wie ihre Persönlichkeit abseits des großen Namens "Goethe" war.  Auch wenn wir nicht in das Gewölbe der Fürstengruft hinabgestiegen sind, um die Särge Goethes und Schillers zu betrachten, fühlten wir uns den Dichtern näher und auch die anderen namhaften Persönlichkeiten machten den Friedhofsbesuch zu einem eindrucksvollen Erlebnis. Nach diesem Besuch wird einem deutlich, dass trotz der Tatsache, dass die  Menschen Goethe und Schiller gestorben sind, ihre großen Namen unsterblich sein werden.   

Schillers Wohnhaus
1799 zieht Friedrich Schiller mit seiner Frau und seinen Kindern nach Weimar und kauft 1802 das gelbe Haus, das heute im Zentrum liegt. Wegen seines Theaterstückes „Die Räuber“ (1782) ist er ein aner-kannter Autor.
Um sich das Haus und das Leben in Weimar leisten zu können, muss Schiller hart arbeiten. Nur wenn er ein Drama pro Jahr schreibt, das dann auch gedruckt wird, kann er die Schulden abbezahlen. Darunter leidet seine Gesundheit sehr, doch er schreibt unermüdlich in seinem Arbeitszimmer unter dem Dach, meistens nachts. In diesem Zimmer starb er auch 1805, zu besichtigen sind immer noch die letzten Zeilen des unvollendeten Dramas „Demetrius“, das auf seinem Schreibtisch liegt, daneben ein Globus sowie Schreibutensilien.
Leider sind nur wenige Originalstücke der Einrichtung von Schillers Wohnhaus erhalten. Viele wurden an spätere Eigentümer des Hauses weitergegeben, doch einige sind, Dank dem Engagement von Schillers Enkeln, noch zu bewundern.  Besonders beeindruckend ist der originale und das halbe Zimmer einnehmende Kleiderschrank Schillers. Welche Art von Kleidung der nicht gerade wohlhabende Schiller in diesem riesigen Schrank aufbewahrt hat, ist leider nicht bekannt.
Man kann sich beim Besichtigen der Räume gut vorstellen, wie sich die ganze Familie Schiller im Wohn- und Esszimmer zu gemeinsamen Mahlzeiten und geselligen Runden traf.

Goethes Wohnhaus
Im Haus am Frauenplan lebt Johann Wolfgang Goethe 50 Jahre lang bis zu seinem Tod 1832, nur unter-brochen von seinen Reisen und einem längeren Aufenthalt in Italien. In das 1709 erbaute Wohnhaus im barocken Stil zieht er am 1. Juni 1782 zunächst als Mieter ein. 1792 erwirbt Herzog Carl August von Sachsen-Weimar und Eisenach das Anwesen und schenkt es seinem mittlerweile in den Adelsstand erhobenen Staatsminister Goethe. Erst als Eigentümer des Anwesens kann Goethe das Gebäude nach seinen Entwürfen und Vorstellungen umbauen lassen, z.B. indem er Stuckfriesen nach antikem Vorbild anbringen lässt. Die Umbauten spiegeln Goethes klassizistisches Kunstideal wider.
Goethes Wohnhaus ist groß und gelb, es gibt eine Vielzahl von Zimmern, die im klassizistischen Stil eingerichtet sind. In dem zur Stadt hin ausgerichteten Vorderhaus befinden sich die Wohn-, Gesellschafts- und Sammlungsräume, während das Hinterhaus den Arbeitsbereich darstellt. Auch einen Hausgarten besitzt Goethe, in dem seine Frau Christiane Kartoffeln und Blumenkohl anbaut und auch Kirschbäume pflanzt.
Betrachtet man alle Räume, kann man sich gut vorstellen wie Goethe in dem Haus lebte, sich dort wohl fühlte, sich mit Christiane um seinen Garten kümmerte und in seinem Arbeitszimmer den zweiten Teil des „Faust“ beendete.

Das Bauhaus-Museum
Im April 1919 gelingt es dem Architekten Walter Gropius mit Unterstützung der Regierung des Freistaates Sachsen-Weimar-Eisenach, das Staatliche Bauhaus in Weimar zu gründen. Das Bauhaus sucht nach einem neuen Ansatz zur Vereinigung der verschiedenen gestalterischen Künste von der Architektur bis zur Teppichweberei. In weniger als einem Jahrzehnt reformiert es die Kunstpädagogik, in dem es sich vom akademischen Bildungsbetrieb abwendet und besonders die Werkstätten für die handwerkliche, später auch die moderne industriell-gestalterische Ausbildung ausbaut und fördert.
Aus politischen Gründen wird das Bauhaus 1925 in Weimar geschlossen. Die Arbeit wird von nun an in Dessau fortgesetzt.
Heute verfügt das Bauhaus-Museum in Weimar über eine der weltweit größten und ältesten Bauhaus-Sammlung. Viele Exponate ermöglichen einen Einblick in diese Kunstrichtung, darunter finden sich Tee- und Kaffeeservices, Kinderspielzeug, Lampen, Gemälde, Grafiken, Entwürfe für Häuser, Möbel, Teppiche und sogar Schachbrettfiguren.
„Was das alles nun mit Goethe und Schiller zu tun habe?“, das war unsere Frage, als das Bauhaus auf unserem Weimar-Programmzettel stand. In der Tat hat es nichts mit den beiden zu tun. Doch haben wir mit Hilfe des Bauhauses erkannt, dass Weimar nicht nur das Zentrum der Deutschen Klassik ist, sondern auch auf die Kunstentwicklung im 20. Jahrhundert einen großen Einfluss hatte. Denn das Bauhaus kommt nicht, wie irrtümlich angenommen wird, aus Amerika. Das Bauhaus kommt aus Weimar!

Die Jugendherberge

Die 3 km vom  Hauptbahnhof entfernte  Jugendherberge „Maxim Gorki“ ist  mit dem Bus 5/8 gut zu erreichen. Sie befindet sich am Wilden Graben 12 und liegt durch den 10-minütigen Fußweg in die Alt-stadt sehr zentral.
Das Haus macht von außen einen sehr einladenden Eindruck. Es ist gelb angestrichen und wirkt modern. Wenn man den Eingang betritt, findet man links die Rezeption und ein Nebenzimmer, in dem ein Fernseher und Brettspiele sowie Bücher für eine gemütliche Abendrunde sorgen. Von der Eingangshalle kommt man ebenfalls in den Essraum, von dem man einen Blick in die Küche und in den großen Garten hat. Die Zimmer befinden sich im Obergeschoss. Alle sind sehr einfach eingerichtet, jedoch hat jedes ein eigenes Bad. Alles ist sauber und der Tisch neben den Betten leistet große Hilfe, den Proviant im Überblick zu behalten.
Die schön eingerichteten Zimmer sowie die freundlichen Angestellten bieten eine freundliche Atmo-sphäre und tragen dazu bei, dass unsere Fahrt nach Weimar angenehm ist. Das Essen ist entgegen unseren Erwartungen kein typisches „Jugendherbergs-Essen“, sondern genießbar und die Auswahl zwischen verschiedener  Gerichten zu einer Mahlzeit sättigen sogar die Vegetarier und Veganer unseres Kurses. Insgesamt kann man sagen, dass die Jugendherberge ein sehr zentral gelegener und dennoch ruhiger Ort ist, an dem wir uns sehr gerne aufgehalten haben.

LK Deutsch; April 2013