Anstrengend, aber aufschlussreich – unser Besuch der Leipziger Buchmesse

von Luka Bakalow und Valerie Berghaus

Berlin-Reinickendorf, 12. 03. 2015. Es ist 7:30 Uhr. Drei große Reisebusse warten vor der Bertha. „Unser Bus ist der weiße!“, ruft Frau Schuster den Schülerinnen und Schülern der 8c zu.

Fünf Klassen machen sich heute auf die Reise nach Leipzig zur Buchmesse. Um 10.40 Uhr erreicht auch endlich der Bus mit unserer Klasse den riesigen Parkplatz des Messegeländes. Dieser ist voll von Reisebussen und so weitläufig, dass man sich dort nur schwer zurechtfinden kann. Es lässt sich schon vermuten, dass es auf der Buchmesse nur so von Menschen wimmeln wird.

Beim Betreten des Gebäudes sind viele überwältigt, denn die Buchmesse entspricht nicht den Erwartungen, die die meisten hatten. Mit Büchern verbindet man gemeinhin eine andere Atmosphäre. Das Gebäude besteht aus einer riesigen ungemütlichen Glashalle und fünf anderen Hallen. Es ist gigantisch groß, sehr unübersichtlich, ziemlich laut und so voll von Menschen, dass man sich kaum zwischen ihnen bewegen kann. Daher haben einige keinen besonders guten ersten Eindruck von der Buchmesse. Es gibt einige schlauchähnliche Gänge, die durch die Luft führen und die verschiedenen Hallen miteinander verbinden. Das Gebäude ähnelt einem riesigen Gerüst. Wir, Valerie, Luka und Lena, kaufen uns eine Art „Stadtplan“, um uns dort zurechtzufinden. Auf dem Weg sehen wir, wie gerade die ZDF-Livesendung „Das blaue Sofa“ gedreht wird. Es ist sehr interessant einmal zu sehen, wo und wie solche Formate gedreht werden.

Die erste Lesung, die wir besuchen wollen, ist die von Gerlinde Kurz, die ihren Jugendroman „Strandgut“ vorstellt. Es geht um zwei Kinder, Hannah und Jakob, die eine Woche an der Nordsee verbringen, dort eine Frau voller Geheimnisse kennenlernen und eine Kiste mit mysteriösen Briefen finden. Gemeinsam versuchen sie den Geheimnissen auf den Grund zu gehen. Also machen wir uns auf den Weg zur Halle 2, wo sich die Lesebude 1 befindet. Die Halle, die wir nun betreten, besteht nicht aus Glas und ist schon nicht mehr ganz so ungemütlich. Ab und zu sieht man sehr auffällig und bunt verkleidete Menschen, oft mit bunten Perücken, die aus der Manga-Abteilung kommen. Da wir zehn  Minuten vor Beginn der Lesung dort sind, schlägt Luka vor, in dem Familiencafé direkt gegenüber Paninis zu essen.

„Es geht schon los!“, ruft Valerie und wir eilen zur Lesung von Gerlinde Kurz. Als wir dort ankommen, sind wir ziemlich enttäuscht, denn alle Plätze sind belegt und es ist sehr voll. „Lass uns da hinten hingehen!“, schlägt Valerie vor. Von dort aus können wir kaum etwas sehen und verstehen. Wir müssen uns zu dritt einen Hocker teilen, daher setzt sich Lena auf den Boden. Fast keines der Kinder, die auch die Lesung besuchen, hört zu; die meisten sitzen mit dem Rücken zur Autorin und spielen auf ihren Handys, machen Selfies mit Freunden oder unterhalten sich. Dadurch wird es so laut, dass man von der Lesung so gut wie nichts versteht. Aus unserer Sicht ist es empörend, dass alle diese Kinder die Plätze besetzen, obwohl sie sich für die Lesung eigentlich gar nicht interessieren und diese nur stören. Die Autorin aber bleibt ruhig und gibt sich weiterhin Mühe, einen interessanten Vortrag zu gestalten. Zuerst berichtet sie aus ihrem Leben, dann wird ihr Buch kurz beschrieben und einige Stellen daraus vorgelesen. Da wir aufgrund der Lautstärke und der Unruhe, die uns sehr ablenkt, leider beinahe nichts verstehen und uns nicht konzentrieren können, wird uns schnell langweilig. Darum verlassen wir die Lesung schon zehn Minuten, bevor sie zu Ende ist.

Die nächste Lesung, die wir besuchen wollen, ist die von Katja Brandis mit ihrem Umweltroman „Floaters“. Das Geschehen spielt in der nahen Zukunft und handelt von einem riesigen Müllstrudel im Pazifik, der Probleme beklemmenden Ausmaßes verursacht.  Zum Glück findet die Lesung in derselben Halle im Lesetreff, also ganz in der Nähe, statt. Darum schaffen wir es, rechtzeitig vor Ort zu sein. Hier herrscht eine viel bessere Stimmung; die Stühle sind zur Autorin gewendet und mehr Leute hören zu. Wir treffen viele Mitschüler aus unserer Klasse, die diese Lesung ebenfalls besuchen. Die Autorin, Katja Brandis, gestaltet die Lesung sehr ansprechend, indem sie das Publikum durch gezielte Fragen, wie z.B. „Habt ihr Ideen, was nun passieren könnte?“, einbezieht und sie erklärt zwischendurch auch oft Zusammenhänge, was sehr ansprechend wirkt. Während ihrer Lesung sieht man Bilder, die mit einem Beamer auf eine Leinwand hinter ihr projiziert werden und das Vorgelesene veranschaulichen. Dadurch kann man sich das, was die Autorin in ihrem Buch beschreibt, gut vorstellen. Am Ende der Lesung erzählt Katja Brandis davon, wie sie auf die Idee für ihr Buch gekommen ist und die Informationen zu diesem Thema gesammelt hat. Zum Beispiel hat sie Interviews mit verschiedenen Experten geführt. Die Lesung ist insgesamt also sehr interessant gestaltet. Allerdings kann man sich auch hier nicht zu hundert Prozent konzentrieren, da sich der Lesetreff, in dem sie stattfindet, in einem ziemlich ungemütlichen Durchgangsbereich befindet und wir am Rand eines Ganges auf dem Boden sitzen müssen, da es auch hier wieder sehr voll ist und alle Plätze besetzt sind.  Plötzlich ruft Valerie: „Schau mal, der Junge da hat ein Minecraft-Schwert!“  Auch die Lesung ist schon vorbei und wir machen uns auf die Suche nach den Minecraft-Schwertern, da sich Valeries Bruder sicher über so ein Schwert freuen würde, doch als wir es schließlich finden, ist es leider - wie viele Dinge hier - sehr teuer. Allerdings führt uns die Suche nach dem Schwert direkt in die Manga-Abteilung. „Schau mal, dort das Mädchen und der Junge!“, macht uns Valerie aufmerksam und deutet auf eine Gruppe verkleideter Menschen. Sehr viele sind hier als berühmte und weniger berühmte Manga-Figuren verkleidet. Die Kostüme sehen alle sehr aufwendig aus und es macht Spaß, immer wieder verkleidete Menschen zu entdecken. Als wir an einem Stand vorbeikommen, welcher Flammenkuchen verkauft, können wir nicht vorbeigehen, setzen uns hin, essen Flammenkuchen und erholen uns so etwas von dem Trubel. „So eine Buchmesse ist schon  anstrengend“, meint Luka und die anderen nicken zustimmend. Der Lärm, die Menschen, der Trubel: Das alles ist sehr ermüdend. Doch es ist Zeit, zu unserem Treffpunkt zu gehen. Frau Schuster wartet schon und als wir vollzählig sind, gehen wir zu unserem Bus. Obwohl alle froh sind, die Halle endlich zu verlassen, war der Besuch der Buchmesse schon eine tolle Erfahrung und wird uns sicher noch lange in Erinnerung bleiben.