Im Rahmen des 15. Internationalen Literaturfestivals beteiligte sich der Wahlpflichtkurs Deutsch-Kunst am 9.9.2015 an der Aktion BERLIN LIEST. An verschiedenen Orten in Pankow und Reinickendorf lasen die Schülerinnen deutsche und englische Texte von oder über Flüchtlinge.
Lesen Sie hier stellvertretend für den Kurs die Erlebnisse von Valentina, Clemens, Lara, Anselm und Quan.

BERLIN LIEST - Der Deutsch-Kunst-Kurs (10. Jg.) war dabei

Am Mittwoch, den 09.09.2015 fuhr ich zusammen mit meinen Mitschülerinnen des Wahlpflichtkurses Deutsch/Kunst (10) zur Bernauer Straße.  Unsere Aufgabe bestand darin, im Rahmen der Aktion "Berlin liest" Gedichte oder Kurzgeschichten auf Deutsch oder Englisch von verschiedenen Autoren zum Thema Flüchtlinge und Flüchtlingshilfe in der Öffentlichkeit vorzutragen. In der U-Bahn auf dem Weg zur Bernauer Straße waren wir bereits sehr aufgeregt und kicherten ziemlich laut. Paula redete wie ein Wasserfall. Constanze schwieg und ich wiederholte ununterbrochen, wie warm es doch sei. Als wir dann endlich angekommen waren, hatte nur Constanze den Mut anzufangen. Also stellten wir uns an die Mauergedänkstätte Bernauer Straße und Constanze begann ihr englisches Gedicht vorzutragen.  Paula und ich filmten sie und mussten feststellen, dass gar keiner ihr richtig zugehört hatte. Als sie dann schließlich fertig war, gingen wir zurück zur U-Bahn Station, denn nun war ich an der Reihe, meinen Mut zu beweisen. Wir warteten einige Minuten, bis sich der Bahnsteig füllte. Ich war unheimlich aufgeregt und brauchte einige Minuten, um endlich mit dem Vorlesen zu beginnen. Aufgeregt war ich nur noch bis zum dritten Satz und dann machte es mir unheimlich viel Spaß. Als ich das Gedicht beendet hatte und aufschaute, sahen mich die paar Leute, die dort standen, an und fingen an zu applaudieren. Ich war so erleichtert und glücklich, dass ich am liebsten noch einmal vorgetragen hätte. Ein Mann fragte mich sogar, ob das mein Gedicht sei und warum wir das machten. Ich war super fröhlich und aufgedreht. Dann sind wir weiter gefahren und Paula war an der Reihe. Den Rest des Tages war ich wirklich glücklich, dass diese wenigen Leute meine Botschaft gehört haben. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht und ich hätte gerne weitergemacht, nur die Zeit reichte nicht. Ich finde, es sollte viel mehr solche Aktionen geben, um die Menschen zum Helfen zu bewegen.

Valentina  

Am  09.09.2015 nahmen Arnika, Alex, Constantin und ich an der Aktion „Berlin liest“ im Rahmen des 15. internationalen Literaturfestivals teil.  Wir lasen den Text „Asylanten“ von Lidija Dimkovska am U-Bahnhof Residenzstraße vor, um auf die Flüchtlingsproblematik in Deutschland aufmerksam zu machen. Als wir starteten, hatten wir alle vier ein mulmiges Gefühl und wählten unter anderem deswegen den U-Bahnhof Residenzstraße als Zielort aus, da wir hofften, dass dort nicht zu viele Menschen seien. Als wir dann am U-Bahnhof ankamen, legten wir unsere Sachen ab und Alex und Arnika fingen an vorzulesen. Constantin und ich machten Bilder. Nachdem die beiden fertig waren, fingen Constantin und ich an. Das Lesen an sich war ok, da man sich darauf konzentrieren konnte und so die herumlaufenden Menschen nicht beachten musste. Da uns aber niemand zuhörte oder gar beachtete, wäre dies allerdings gar nicht von Nöten gewesen. Ein bisschen enttäuscht, dass uns wirklich niemand Beachtung geschenkt hatte, gingen wir zur Schule zurück. Wir alle fühlten uns entspannter als vor dem Vorlesen. Wir alle fanden die Aktion an und für sich gut, doch da uns nicht zugehört wurde, erwies sich die Aktion gefühlt als sinnlos. Ich, und ich glaube die anderen auch, sind aber froh, dass wir mitgemacht haben, auch wenn uns niemand zugehört hat.

Clemens  

Am 09.09.2015 fuhren Julian, Maria, Sophie und ich nach Pankow, um im Rahmen der Aktion „Berlin liest“ den Text „Die Farbe der Erde“ von Ludwig Fels in der Öffentlichkeit vorzutragen. Wir wollten damit auf die aktuelle Flüchtlingsproblematik aufmerksam machen und zum Nachdenken anregen. Als wir vor dem Rathauscenter in Pankow ankamen, suchten wir nach einem geeigneten Zielort und entschieden und letztendlich für einen Bäcker, vor dem relativ viele Leute saßen. Kurz bevor wir anfingen zu lesen, war ich relativ aufgeregt. Zum Glück war ich erst als dritte an der Reihe. Wir hatten uns dafür entschieden, den Text aufzuteilen, ihn dafür aber mehrmals vorzutragen. Als Sophie anfing zu lesen, legte sich meine Aufregung etwas. Ich beobachtete die Leute vor dem Bäcker und die vorbeigehenden Passanten. Die meisten hörten uns allerdings nicht zu. Einige wenige schauten zwar auf und die meisten Passanten sahen etwas irritiert aus, als sie an uns vorbeiliefen, aber wirklich zugehört hat uns niemand. Als ich dann mit dem  Lesen begann, war meine Aufregung fast weg. Einerseits, weil ich mich auf den Text konzentrierte und versuchte mich hineinzuversetzen, andererseits, weil ich das Gefühl hatte, dass sich niemand wirklich für uns interessierte. Erst als Julian ganz am Ende laut rief: „Danke, dass Sie uns zugehört haben“, klatschte eine einzelne Dame. An den anderen beiden Orten, dem Marktplatz und vor dem Rathauscenter, verlief es ähnlich. Vielleicht war das Problem auch, dass um diese Uhrzeit fast nur Rentner in Pankow unterwegs sind, die sich möglicherweise nicht für das Thema Flüchtlingspolitik interessieren oder uns einfach nicht zuhören wollten. Nachdem wir den Text dreimal an verschieden Orten vorgelesen hatten, fühlte ich mich weder erleichtert noch hatte ich das Gefühl, etwas Gutes getan zu haben, wie ich es mir anfangs erhofft hatte. Ich war eher etwas deprimiert und hatte das Gefühl, nicht ernst genommen zu werden. Es war eine gute Erfahrung, aber in nächster Zeit würde ich eher auf ähnliche Projekte verzichten.

Lara  

Am 9.9.2015 erhielten wir im Wahlpflichtfach Deutsch-Kunst die Aufgabe, in kleinen Gruppen verschiedene Gedichte und Texte des internationalen Literaturfestivals Berlin in der Öffentlichkeit vorzutragen. Die Texte beschäftigten sich alle mit dem derzeit aktuellen Thema Flüchtlinge. Zusammen mit meinem Mittschüler Sami trug ich vor der Schiller-Bibliothek in der Müllerstraße meinen Text vor. Der Text handelt von einem Foto, dessen Betrachter glaubt, sich in einer der Personen auf dem Foto wiederzuerkennen. Natürlich ist es nicht er selber, aber die Situation, welche das Foto darstellt, erinnert ihn an seine eigene Lebenssituation. Flüchtling ist Flüchtling. Während meines Vortragens blieben einige Leute stehen und hörten mir zu, viele jedoch gingen einfach vorbei. Je öfter ich den Text vorlas, desto mehr versetzte ich mich in die Lage des Betrachters. Das Vorlesen brachte mich zum Nachdenken. Als einer der Zuhörer zu klatschen begann, bekam ich das Gefühl, viele Menschen an das so wichtige, aktuelle Flüchtlingsthema erinnert zu haben. Es fühlte sich gut an.

Anselm  

Die Aktion „Berlin liest“ war eine Aktion des Internationalen Literaturfestivals Berlin. Bei der Aktion sollte man am 9. September 2015, von 6 - 17 Uhr in der Öffentlichkeit einen Text zum Thema Flüchtlinge vorlesen, um die Aufmerksamkeit auf die aktuelle Flüchtlingssituation zu lenken. Mit Vu Long und Levi las ich um ca. 14 Uhr den Text „Die Farbe der Erde“ von Ludwig Fels vor dem Rathaus Reinickendorf vor. Nach der Schule führen wir mit der U-Bahn zum U-Bahnhof Rathaus Reinickendorf. Als wir am Rathaus angekommen waren, begannen wir auch sofort mit dem Vorlesen. Aufgeregt war ich nur leicht; es waren zwar Menschen vor dem Rathaus, aber auch nicht so viele, dass man wirklich aufgeregt sein musste. Auch hatte ich den Text zuhause oft durchgelesen, um ihn sicher und selbstbewusst vorlesen zu können. Diese anfängliche Nervosität verflog auch sofort, als ich mit dem Vorlesen begann, da ich voll und ganz auf das Lesen konzentriert war und somit nicht mehr auf mein Umfeld achtete. Menschen sahen uns an, aber leider hatten wir nicht das Gefühl, dass sie uns wirklich zuhörten. Insgesamt kann man sagen, dass diese Aktion eine gute Absicht verfolgte und man auch mit einem stolzen Gefühl weggegangen ist, auch wenn man nicht das Gefühl hatte, dass die Menschen den Sinn der Aktion verstanden haben, da diese nicht wirklich zugehört haben. Hätte man vorher gesagt, was das Ziel der Aktion ist, hätte es auch mehr Aufmerksamkeit erregt. 

Quan