Ovid und Vergil in der Berliner Gemäldegalerie 2012

Exkursion des GK Latein Frau Kimmel der Jgst. 11 am 7. Juni 2012

Dass die Antike lebt und wir das hier in Berlin nachvollziehen können, haben die Schülerinnen und Schüler des GK Latein aus der 11. Jahrgangsstufe bei einer Exkursion in die Gemäldegalerie erfahren können. Die Schülerinnen und Schüler haben Textstellen aus der römischen Dichtung mit ihrer bildlichen Umsetzung verglichen. Teile der Ergebnisse können Sie hier nachlesen. Einig waren sich alle, dass vor allem Caravaggios „Amor als Sieger“ besonders beeindruckend war und im Gedächtnis bleiben wird.

Ovid, Metamorphosen 2,833-875 und Jacob Jordaens „Die Entführung der Europa“ (um 1615/16)

Das Bild „Die Entführung der Europa“ von Jacob Jordaens aus dem Jahre 1615/16 stellt den Mythos um Jupiter und Europa dar. Eine mögliche Textgrundlage, auf der das Bild beruht, sind Ovids Metamorphosen. Auf dem Bild sieht man viele leicht bekleidete Frauen sowie, eher im Hintergrund, Europa und Jupiter in Stiergestalt. Das Bild hat nur wenige Übereinstimmungen mit Ovids Vorlage: Der Stier ist weiß (color nivis est, 852), er hat kleine Hörner (cornua uara, 855) und einen sanften Blick (nullae in fronte minae, 857). Auch die bei Ovid erwähnten Blumen finden sich im Text wieder (867f.). Auf dem Stier sitzt Europa, deren Tuch im Wind bewegt wird, obwohl der Stier sich noch nicht in Bewegung gesetzt hat (tremulae sinuantur flamine uestes, 875). Dennoch überwiegen die Unterschiede zwischen Text und Bild: Jupiter und Europa stehen am Rand des Gemäldes und sind umgeben von vielen Menschen, die ehrfürchtig auf den Stier schauen. Gezeigt wird nicht der Moment, in dem Jupiter mit Europa über das Meer flieht, sondern eine Momentaufnahme, wie Europa auf dem Rücken des Stiers sitzt.

Die Exkursion war schön, aber zu kurz. Es war toll, die Originalgemälde zu sehen!

Ali, Lennart, Meriam, Fabian.

Abbildungsnachweis: Jacob Jordaens, Die Entführung der Europa, um 1615/ 16 © Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie, Foto: Jörg P. Anders

Ovid, Ars amatoria, und François Boucher „Venus und Amor“ (um 1742)

Jeder hat ein anderes Schönheitsideal – so entspricht die Darstellung der Venus in Bouchers Gemälde nicht mehr unserem heutigen Schönheitsideal. Venus ist sehr üppig dargestellt, dennoch ist sie leicht bekleidet. Auch Amor entspricht diesem Ideal und hält eine Taube an einem Band fest. Die beiden befinden sich in einem Wald, in dem die Muschel die Herkunft von Venus symbolisiert, während die Aufgabe Amors durch Pfeil und Bogen dargestellt wird. Die Darstellung der Protagonisten entspricht hauptsächlich den Darstellungen von Venus und Amor bei Ovid. In Bouchers Werk steht, ebenso wie in der Ars amatoria, Amor im Vordergrund. So wird Amor als wilder Junge (saevus, 1,18) dargestellt, der die Herzen anderer mit Pfeilen verletzt (vulneret arcu pectora, 1,21f.). Er ist leicht, hat zwei Flügel und damit auf der ganzen Welt unterwegs (levis est, et habet geminas, quibus avolet, alas, 2,19). Venus wird als seine Mutter vorgestellt (mater Amoris, 1,30), die die schönste Frau der Welt ist (Bezug auf das Parisurteil, 2,248).

Die Exkursion war im Gegensatz zur reinen Textarbeit hilfreich, um verschiedene Blickwinkel auf die Mythologien der Antike zu bekommen.

Jana, Maya, Steve.

Abbildungsnachweis: François Boucher, Venus und Amor, 1742, Eigentum des Kaiser Friedrich-Museums-Vereins  © Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie, Foto: Jörg P. Anders

Ovid, Ars Amatoria 2,561-564, und Piero di Cosmio „Venus, Mars und Amor“ (um 1505)

Mars pater, insano Veneris turbatus amore, / De duce terribili factus amator erat.

Ovid, Ars Amatoria 2, 563f.

„Vater Mars, aufgewühlt von wahnsinniger Liebe zu Venus, war von einem furchterregenden Kriegsherrn zum Liebhaber gemacht worden.“

Das Gemälde “Venus, Mars und Amor” von Piero di Cosimo aus dem Jahre 1505 zeigt einen Mann, eine Frau und ein Kind. Bei dem Mann handelt es sich um Mars, bei der Frau um Venus und bei dem Kind um Amor. Das Bild soll das Verhältnis zwischen Venus und Mars darstellen. Die Protagonisten sind liegend und unbekleidet abgebildet. Die Vorlage stammt aus Ovids Ars amatoria und Metamorphosen, wobei nur die Figuren Venus und Mars übernommen sind. Ansonsten hält sich der Maler kaum an Ovids Vorlage. Erzählt wird nicht die Geschichte, wie Venus ihren Ehemann Vulcanus mit Mars betrügt. Wir sehen nur, wie die beiden mit den Füßen zueinander im Gras liegen. Allein die Existenz Amors weist darauf hin, dass es sich hier um ein Liebespaar handeln könnte. Gut erkennbar ist allerdings das antike Motiv, dass Venus Mars „gezähmt“ hat und von einem Kriegsherrn (dux) zum Liebhaber (amator) gemacht hat (siehe Zitat oben). Nichtsdestotrotz ist es ein schönes Gemälde, weil die Attribute der Götter gut darstellt sind, wie zum Beispiel die Rüstung des Kriegsgottes Mars, und wir sie daher schnell identifizieren konnten.

Die Exkursion hat viel Spaß gemacht, weil es eine Abwechslung zum konventionellen Übersetzen war und den Lateinunterricht lebendig gestaltet hat.

Medina, Mimi, Öznur.

Abbildungsnachweis: Piero di Cosimo, Venus, Mars und Amor, um 1505 © Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie, Foto: Jörg P. Anders

Ovid, Metamorphosen 4,604-739, und Peter Paul Rubens „Perseus befreit Andromeda“ (um 1622/25)

Das Bild „Perseus befreit Andromeda“ von Peter Paul Rubens ist um 1622/25 entstanden. Da Rubens einer der bekanntesten Maler des Barock ist, enthalten seine Bilder Elemente dieser Epoche. Auf dem Bild ist die Befreiung Andromedas durch Perseus dargestellt, welche an einem Felsen festgekettet ist. Der Künstler greift bei der Darstellung seines Bildes auf Textelemente von Ovids Metamorphosen zurück, wie zum Beispiel bei der Darstellung Andromedas, welche einer Marmorstatue (marmoreum opus, 4,675) gleicht. Sie schaut nach unten und spricht nicht mit Perseus, ebenso wie in den Metamorphosen beschrieben (primo silet illa nec audet adpellare virum virgo, 4,681f.). Jedoch dichtet er auch einige Elemente hinzu, die in den Metamorphosen nicht erwähnt werden. Ihr Tuch zum Beispiel verdeckt zum Teil ihren Körper, was sie sich in der literarischen Vorlage wünscht (manibusque modestos celasset vultus, si non religata fuisset, 4,682f.).

Uns persönlich hat die Exkursion sehr gut gefallen. Es war sehr beeindruckend, die Bilder im Original zu sehen, da sie dadurch noch viel eindrucksvoller waren.

Julia, Svea, Elio, Milena.

Abbildungsnachweis: Peter Paul Rubens, Perseus befreit Andromeda, um 1620/ 22 © Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie, Foto: Jörg P. Anders

Vergil, Ekloge 10,69, und Caravaggio, „Amor als Sieger“ (1601/02)

Das Bild „Amor als Sieger” wurde von Caravaggio im Jahre 1601/02 gemalt. Im Vordergrund sieht man einen hämisch grinsenden Knaben, der in seiner rechten Hand zwei Pfeile hält und in seiner Darstellung merkwürdig wirkt. Seine schwarzen Flügel deuten darauf hin, dass es sich um den irdischen Amor handelt. In seiner Umgebung herrscht Chaos. Neben verschiedenen Musikinstrumenten, einem Winkelmesser, Stift und Buch erkennt man Krone und Zepter, Rüstung und Lorbeer. Diese Gegenstände stehen für die freien Künste. Insgesamt bedeutet das Chaos zu Amors Füßen, dass alles Irdische vergänglich und damit nichtig ist.

Der Titel des Bildes geht auf ein Zitat aus Vergils Eklogen zurück: Omnia vincit Amor: et nos cedamus Amori. (10,69). Obwohl der Kontext in dem lateinischen Zitat ein ganz anderer ist als in Caravaggios Gemälde, ist die Aussage gleich: Amor wirft alles um, triumphiert über alles. Die Liebe siegt über das weltliche Dasein, über Krieg, militärischen Ruhm, Wissenschaft und Kunst.

Obwohl die Exkursion zu kurz war, um in Ruhe auch andere Gemälde anschauen zu können, war sie sehr informativ und produktiv und hat gezeigt, dass die Antike lebt.

Ahmet, Dodi, Ervin, Janek.

Abbildungsnachweis: Michelangelo Merisi da Caravaggio, gen. Caravaggio, Amor als Sieger, 1601/ 1602 © Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie, Foto: Jörg P. Anders

 

Wir bedanken uns bei der Gemäldegalerie für den kostenlosen Eintritt und für die Zusendung der Fotografien!