Vier Wochen in Madrid

Vier Wochen verbrachte ich im Rahmen eines Projektes des spanische Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Sport im Sommer 2006 in der spanischen Hauptstadt. Eine lange Zeit, doch ich hatte keinerlei Probleme, sie zu füllen.


Das spanische Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Sport lädt jedes Jahr eine Gruppe von ca. 15 deutschen Schülern in ihr Land ein, um die spanische Kultur und Sprache auf eine lebendigere Art und Weise zu vermitteln, als das im Schulalltag möglich ist.

Wir wohnten in einem Studentenwohnheim im Universitätsviertel und lebten dort ziemlich komfortabel (jeder hatte sein eigenes Zimmer und nutzte die hauseigene Wäscherei). Dort hatten wir jeden Tag etwa anderthalb Stunden Spanischunterricht, in dem wir vor allem die spanische Grammatik behandelten. Danach machten wir zusammen mit dem spanischen Betreuer, der auch den Unterricht gab, und unserer deutschen Begleiterin einen Ausflug in die Stadt: Während der vier Wochen besuchte ich - unter anderem - die berühmtesten Museen der Stadt, ihre schönsten Parks, den königlichen Palast und das Real-Madrid-Fußballstadion, sah einen spanischen Kinofilm und ein spanisches Theaterstück. Außerdem machten wir manchmal Tagesausflüge, zum Beispiel in das mittelalterliche Toledo und die Universitätsstadt Salamanca.

Die Nachmittage hatten wir zur freien Verfügung. In kleineren Gruppen erkundeten wir die Ecken der Großstadt, die nicht Ziel der täglichen Ausflüge waren (etwa die einschlägigen Shoppingmeilen), oder beugten uns den klimatischen Bedingungen (40 Grad und mehr) und gingen in den Pool des Colegio, in dem wir wohnten, lagen auf der kleinen Wiese vorm Haus oder machten uns auf den beschwerlichen Weg zum Supermarkt.

Nach dem späten Abendessen, das schon mal bis um halb elf dauern konnte, schlossen sich entsprechend ausgedehnte Abende auf der großen Feuertreppe an, auf der man sich in milder Abendluft unterhielt und vom Essen entspannte J. Manchmal kam man dort auch mit den letzten noch im Studentenwohnheim verbliebenen Spaniern ins Gespräch. Von jenen Gelegenheiten, sein Spanisch durch die Konversation mit “Einheimischen” zu verbessern, hätte es noch deutlich mehr geben können, dann hätte man in den vier Wochen wesentlich mehr lernen können.

Dennoch war die Reise für uns alle eine Erfahrung, die unsere Vorstellungen der Spanier, ihrer Sprache und Kultur entscheidend geprägt hat. Wie sehr ich mich in jenen Wochen an die andere Lebensart, das scheinbar unerträgliche Wetter und die munteren Spanier gewöhnt hatte, merkte ich natürlich erst, als ich wieder im kalten Berlin war, wo mein Fächer verstaubte und die alpargatas im Schrank verschwanden ...

Charlotte Funke