Abiturentlassungsfeier 2005

So schnell können 13 Jahre Schule vorbei sein. Damit das Ende nicht kurz und schmerzlos war, wurde lang und ausgiebig gefeiert.

Der Abiturball am 12.06.2005 im Estrel Convention Center dauerte bis in die frühen Morgenstunden hinein. Tanzend und unterhaltend ließen wir unsere Oberstufenzeit ausklingen, nachdem wir uns am üppigen Büffet den Bauch vollschlugen. Oder sollte man als Abiturient nicht besser „und wir aßen vom vorzüglichen Büffet“ schreiben?

Denn zwei Tage vorher hieß es für 99 13. Klässler „herzlichen Glückwunsch“:

Die Abiturverleihung fand am Freitagabend, 10.06.2005, im Ernst-Reuter-Saal statt. Nach einem umfangreichen Programm aus Lehrerreden und Schülerredehttp://www.bvs-os.de/index.php?docid=4545&vid=&lang=, Theater und Musikalischem wurden verschiedene Schüler für ihr Engagement und ihre Leistungen geehrt. Anschließend standen dann aber alle 99 Schüler auf der Bühne und hielten ihr soeben verliehenes Abiturzeugnis in der Hand.

 

Abiturrede der Schüler 2005Abiturrede der Schüler 2005

Trotz Müdigkeit, pochenden Kopfschmerzen und weiteren physischen Mangelerscheinungen versuchen wir eine Rede im angemessenen und verständlichen Deutsch zu halten.

Liebe Abiturientinnen und Abiturienten 2005,
liebe Lehrerinnen und Lehrer
liebe Verwandte und Freunde!
Heute ist unser aller Ehrentag.
Wessen Ehrentag eigentlich?

Der Ehrentag der 99

Strebsamen- nicht so Strebsamen
Organisierten – Verpeilten
Schleimenden – Ehrlichen
Fleißigen – Faulen
Engagierten - Uninteressierten
Fröhlichen – Traurigen
Spickenden - Aufrichtigen
Eingebildeten – Bescheidenen
Partygötter – Spaßbremsen
Beliebten – Unbeliebten
Paarungsfreudigen – Enthaltsamen
Alkoholiker – Abstinenzler
Dunklen– Hellen
Rauchenden - -Nichtrauchenden
Sportlichen – Unsportlichen
Ossis – Wessis
Lauten – Leisen
Dicken – Dünnen
Grundständigen – Nichtgrundständigen
Männlichen – Weiblichen

Abiturienten der Bertha-von Suttner Oberschule.
Kurz gesagt: Wir reden über einen Jahrgang mit Charakter.

Aber wie kam dieser überhaupt zustande?

Einige hatten schon im Alter von 10 Jahren die Freude, in diese Anstalt zu gehen, um sich mit der Mutter aller Sprachen, dem weltumspannenden Latein, zu beschäftigen.

So gab es zwei Klassen, die insbesondere von den Lateinlehrern gegeneinander angesetzt wurden, da Konkurrenz schließlich Bildung mit Qualität fördert. Die pädagogische Qualität darf hinterfragt werden, fest steht jedoch, dass diese interspezifische Konkurrenz – die A-Art und die B-Art bis ins neue Millenium, sprich bis in die 9 Klasse, gehalten hat. Die Pausen waren gefüllt mit erbitterten Tischtenniswettkämpfen, die wir in unseren Micky-Mouse-Pullovern bestritten. Unvergessen bleibt die gemeinsame Klassenfahrt nach St. Peter Ording mit der legendären Disco, wo wir uns bei Rammstein und Celine Dion ersten Kuschelversuchen hingaben.

Dann kam zu diesem Kindergartenverein die voll im Leben stehenden, unheimlich coolen Siebtklässler. Gefürchtet, beguckt und auch belächelt. Aber der gemeinsame Sportunterricht sollte dies ändern.
Gewandelt hat sich auch unser äußeres Erscheinungsbild, wir stolzierten in Buffalos über den Schulhof, ergötzten uns an den extrem luftigen und praktischen Adidas- Knopfhosen, versuchten unsere aufkommende Weiblichkeit zu untermalen und kümmerten uns um unsere Tamagotchis.

So auf hohes Niveau gebracht, konnten wir aus einem reichhaltigen Angebot von Erlernbaren eine weitere Fremdsprache oder ein anderes Wahlpflichtfach wählen. Eine kleine Gruppe von unbeugsamen Humanisten entschied sich für die Sprache der wirklich Gebildeten, das Alt-Griechische -2000Jahre zu spät.

Unsere Fähigkeit zu abstrahieren und geschichtliches Wissen zu verinnerlichen zeigte sich besonders in einer 8 Klasse, die den Sturm auf die Bastille durch ihre Barrikadenkämpfe erfolgreich simulierte.
Andere hielten es für besonders raffiniert, während eines Segeltöerns mit einem wohlriechenden Deo Feueralarm auszulösen.
Auch versuchten einige den Klassenraum mit klebenden Leberwurstbroten zu verschönern Man sieht: schon damals waren unserer Kreativität keine Grenzen gesetzt.

In der 10 Klasse ließen sich erste Anzeichen erkennen, welch grandioser Abijahrgang sich einmal aus uns entwickeln würde. Eine besonders im Volksmund Alkohol genannte Substanz wurde langsam aber sicher ein bewährter und bekannter Freund, der uns bis zum Abitur treu begleiten sollte und dennoch nicht jedem auf Anhieb bekam oder heute eigentlich immer noch nicht bekommt.

Schon bald zeigte sich, dass wir nicht nur gemeinsam feiern können- wie wir auch jüngst auf der Abiparty unter Beweis stellten- sondern auch im Kollektiv weinen können –wie beispielsweise auf den 10er-Abschlussfahrten.
Ab der 10. Klasse bekamen wir auch die Chance, bei den alljährlichen Sommerbällen das Tanzen für den kurzbevorstehenden Abiball zu üben.

Nach dieser turbulenten Zeit verließen uns leider einige, andere gingen für ein Jahr auf Weltreise. Dennoch war diese Zeit für die Zurückgebliebenen alles andere als langweilig. Auch sie genossen teilweise die offene freie Welt, durften an zahlreichen Austauschprogrammen teilnehmen, wie beispielsweise nach China, Kanada, Frankreich, Tschechien, Schweden und dank des Comenius-Projektes auch nach England und Spanien. Aber auch körperlich versuchten wir uns beim Skifahren zu ertüchtigen - doch leider wurde dies für 2/3 der Mitfahrer durch Grippeattacken verhindert.

So formte sich der Jahrgang zu dem, was er heute ist:
99 Heldenschüler, die durch die Leistungs /Grundkurse, sowie AGs wie zum Beispiel DS, nach und nach eine Gemeinschaft bildeten.
So wurde der Oberstufenchor mehr und mehr zu einem Treffpunkt oder chaotischen Spaßforum, woran die Fraktion des sonnigen Südens maßgeblich beteiligt war. Unvergesslich auch die exzessiven Chorfahrten, die Frau Schwarzwälder an den Rande des Nervenzusammenbruchs brachte.
Die Instrumentalisten unter uns konnten sich im Orchester, in der Big Band und im Saxophonquartett verwirklichen. Den Chaostanz von Frau Kühn werden sie wohl nie vergessen.

Nicht zuletzt lernten wir uns auf unseren Kursfahrten besser kennen. Und wieder einmal zeigte sich das breite Spektrum unseres Jahrgangs: von kulturinteressierten nahezu enthaltsamen Signore et Signori Mesdames et Messieurs, die spätestens um 22:00 das Licht auslöschten, bis hin zu mit Freude dem Alkohol frönenden party people, die die Nacht zum Tage machten.

Doch irgendwann war der Spaß vorbei. Es folgte der von allen Lehrern propagierte Ernst des Lebens: unsere Abiturprüfungen. Ach waren das herrliche und gemütliche Stunden, unter dem Weihnachtsbaum beim Duft von Kerzen und Plätzchen in aller Ruhe für das Abitur zu lernen. Wir werden es vermissen, in sterilen, engen, stickigen Räumen gegen die Zeit anzuschreiben und protokolliert auf Toilette zu gehen. Erst nach viermonatigem Verdrängen und Feiern kam der Tag der nackten Wahrheit. Frau Ites und Herr Hillmann händigten uns unsere schriftlichen Ergebnisse aus. Motiviert oder auch demotiviert begann der letzte Kraftakt.
Im Schwimmbad, im Park, auf der Wiese oder beim Sonnen wurde eifrig gelernt, sodass wir heute alle zufrieden hier sitzen dürfen.

Natürlich waren wir nicht immer zufrieden. Besonders die in verschiedenen Kursen unterschiedliche Notengebung gab immer wieder Anlass zu Ärger. Nicht nur manche ungerecht empfundene Beurteilung innerhalb der einzelnen Kurse, sondern vor allem die unterschiedliche Bewertung im Vergleich der Kurse untereinander konnte teilweise frustrieren. Es wäre schön, wenn die Lehrer sich in Zukunft besser untereinander absprächen, welche Leistung wie bewertet werden soll.

Dass wir eine so einzigartige Stufe wurden, verdanken wir nicht nur uns selbst, sondern auch unseren Eltern, die uns mit so großer Weitsicht auf diese Schule schickten, und natürlich aber auch unseren Lehrern, die uns- ob es uns recht war oder nicht- doch auch prägten.

Besonderer Dank gilt dabei vor allem jenen Lehrern, die nicht nur als lebendiges Lexikon fungierend Fachwissen vermitteln wollten, sondern die uns weit über das normale Maß hinaus in den unterschiedlichsten Bereichen viel ermöglichten. Zum Glück sind es an dieser Schule überdurchschnittlich viele.
Lehrer, die zu außerschulischen Prüfungen mitkamen, um uns psychisch zu unterstützen wie bei den Delfprüfungen und diversen Sportwettkämpfen.

Lehrer, die ihre Freizeit für Klassen, Chor und Orchesterfahrten opferten,

Lehrer, die uns andere Länder durch Austauschreisen näher brachten,

Lehrer, die uns auch mal nach Hause einluden und dadurch menschlicher wurden,

Lehrer, die für ihr Engagement viel Ärger von anderen Lehrern auf sich zogen, wie z.B. für die gelungene Weimarfahrt,

Lehrer, denen es nicht egal ist, woher wir kamen und wohin wir gehen.

Aber nicht nur Lehrern, sondern auch unserem Hausmeister Herrn Kielblock wollen wir danken, der nicht nur des öfteren Überstunden für so schöne Dinge wie den Sommerball machte, sondern uns auch tatkräftig unterstützte, unseren einzigartigen Charakter an einer Schulwand zu verewigen.

Ebenso unserem stets gutgelaunten, junggebliebenen und charmanten Sportsfreund, dessen Sprüche den Schulalltag wesentlich bereichert haben, der sich gestern zur Karaokemeisterschaft qualifizierte, und der uns aufgrund seines perfekten Organisationsvermögens so gut wie nie eine Freistunde bescherte, Herrn Wuestenberg.

Dank gilt natürlich auch unserer Schulleitung, Frau Randelhoff, die immer ein offenes Ohr für unsere Ideen hatte, mit der nicht nur alles Organisatorische unkompliziert und freundlich geklärt werden konnte. So wäre auch ohne sie unsere Erinnerungswand nicht möglich gewesen.

Für die Betreuung vor allem des mündlichen Abiturs danken wir insbesondere Herrn Hillmann.

Danken wollen wir auch unserer wunderbaren Oberstufenkoordinatorin Frau Ites. Obgleich wir ihr erster Jahrgang sind, nahm sie sich mit einer erstaunlichen Professionalität und schier unendlicher Geduld unser an.

Sie alle haben Ihren Anteil daran, dass aus uns ein Jahrgang mit Charakter wurde.

Dafür wollen wir Ihnen ganz herzlich danken und hoffen, dass auch weiterhin die Bertha-von-Suttner-Oberschule Jahrgänge mit Charakter hervorbringen kann.

Vielen Dank!!!

Cornelia Abmeier, Simon Rowedder