Abiturentlassungsfeier 2011

Am Sonnabend, den 25.06.2011 wurden traditionell
im Ernst-Reuter-Saal die Abiturzeugnisse ausgegeben.

Nachdem der Saal restlos gefüllt war, betraten die Abiturienten unter dem Applaus der Gäste und der musiklischen Begleitung durch das Schulorchester den Saal. Anschließend eröffnete Frau Randelhoff-Sz. die feierliche Veranstaltung mit einer kurzen Rede.
Nach einem weiteren Auftritt des Orchesters unter Leitung von Frau Suckow hielt Herr Zimmermann in diesem Jahr die Abiturrede der Lehrer.
Der Schulchor unter Leitung von Frau Schwarzwälder führte über in den nächsten Programmpunkt, der Schülerrede von N. Smolny und L. Roth.

Frau Randelhoff-Sz., Herr Zimmermann, N. Smolny & L. Roth

Die Abiturienten des Kurses "Darstellendes Spiel" demonstrierten danach einige Stücke aus ihrem Repertoir, bevor der eigentliche Höhrpunkt der Veranstaltung begann. Es wurden die Abiturientinnen und Abiturienten feierlich geehrt, die durch besonderes Engagement sich für die Belange der Schule einsetzten oder durch herausragende Ergebnisse den Abiturdurchschnitt der Schule positiv beeinflussten. Insgesamt 28 Abiturienten erzielten einen "Einser-"Durchschnitt und vier erkämpften sich sogar die Traumnote 1,0.
Nach der Ehrung folgte die eigentliche Ausgabe der Zeugnisse auf der Bühne, die sich nach und nach füllte, bis schließlich alle 123 Abiturienten dieses Abiturdokument erhalten hatten. In einem Blitzlichtgewitter ihrer Kameras hielten die Gäste diesen Augenblick fotografisch in Bildern fest.

Der Abiturientenchor beendete die feierliche Zeugnisausgabe und führte zum abschließenden "Umtrunk" im Foyer über.

Nach einigen Stunden Pause folgte dann im Mariott-Hotel die Abiturfeier.



F. Zimmermann; 28.06.11

Chor
Orchester
Darstellendes Spiel
Abiturientenchor
Abiturjahrgang

Abiturrede 2011 (Hr. Zimmermann)

Liebe Abiturientinnen und Abiturienten,
liebe Eltern, liebe Gäste,
liebe Kolleginnen und Kollegen.

Es ist geschafft! Im 103. Jahr des Bestehens unserer Schule beendet ein weiterer Abiturjahrgang seine Schullaufbahn am Bertha-von-Suttner-Gymnasium. Nach mittlerweile 13, 14 oder 15 Jahren haben Sie, liebe Abiturientinnen und Abiturienten, ein lang ersehntes Ziel erreicht und dabei 7 bis 9 Jahre an unserem Gymnasium gelernt. Von 131 Schülern des 4. Semesters sind sie es, die 123 Abiturienten , die auch hier den Weg in den neuen Lebensabschnitt beginnen. Es war ein langer Weg von ca. 10000 Unterrichtsstunden , 400 Klassenarbeiten und incl. MSA 10 Prüfungen und Sie haben viele Kompetenzen erlangt. Anders formuliert: Ihre Schuldauer beschreibt für fast alle eine streng monoton steigende Funktion, für wenige von Ihnen nur monoton steigend und diese nähert sich nun ihrem Grenzwert: dem Abitur!

Meine Gratulation liebe Abiturientinnen und Abiturienten zum bestandenem Abitur, zu sehr guten & herausragenden Leistungen oder zum Erreichen eines selbstgesteckten Zieles!

Als Mathematik-LK-Lehrer dieses Jahrgangs, als Oberstufenkoordinator und nicht zuletzt als Tutor von 13 Abiturientinnen und Abiturienten darf ich heute als Lehrervertreter unseres Gymnasiums einige Abschlussworte an Sie richten !
Teil 1
Es war eine besondere Beziehung, die ich zu Ihrem Jahrgang, dem Abitur-Jahrgang 2011, hatte, denn als die Hälfte von Ihnen in der Klassenstufe 7 an der BvS-OS die gymnasiale Laufbahn begann, nahm auch ich zeitgleich meine Arbeit an diesem Gymnasium auf. Und wie der Zufall so spielt, brachte der Stundenplan uns gleich zusammen, Manche von Ihnen sagen, ich war maßgeblich an ihrer schul. Entwicklung beteiligt, denn ITG in Klasse 7, Physik in 8/9, Wahlpflicht in 9/10, Profilkurs Mathe in 11 und abschließend LK Mathe in der Kursphase sprechen dafür.
In dieser Zeit habe ich Sie relativ gut kennengelernt - sofern man das aus Lehrerperspektive überhaupt behaupten darf und freue mich, dass ich viele Ihrer Lebenslinien mit gestalten konnte und dass einige spezielle Sorgenkinder es geschafft haben! Wie hat Goethe es formuliert: „Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man ein schönes Muster bauen“.
Es geht heute nicht nur um Bestleistungen, sondern um das Bemühen, aufgetretende Probleme bewältigt zu haben. Dabei denke ich zuerst an die LK-Wahl während der Kl. 11 als notwendiges Übel, wobei einige Schüler hier gewaltige Kompromisse eingingen und von vornherein mit riesigen Felsbrocken auf ihrem weiteren Weg zu kämpfen hatten. Nach dem 2. Semester hatten mehrere jetzige Abiturienten die Maximalanzahl aller möglichen Ausfälle bereits erreicht und haben sich dennoch entschieden, entgegen dem väterlichen Rat von mir und dem mütterlichen von Frau Ites, doch in der Laufbahn fortzufahren und haben mit Ehrgeiz und Ausdauer das Ziel erreicht. Und es waren weitere viele kleine Steinchen bis zum heutigen Tag, wie zahllose Klausuren und Tests, Präsentationen und Vorträge, die bis zum Abi vorbereitet und gehalten werden mussten, obwohl die innere Einstellung von freiwillig engagiert bis zu verschiedensten Abwehrargumentationen eine riesige Bandbreite einnahmen. So z.B. "Ich will den Vortrag nicht. Was passiert, wenn ich das Thema hier auf ihrem Tisch liegen lasse?".
Ich denke auch an viele freundliche Gesichter, die auf meinen Wegen durch die Schule anzutreffen waren und nette Gespräche in der Cafeteria und aufmunternde Worte wie :"Sie müssen mehr lächeln, Hr. Zimmermann!"

Und heute ist es soweit- unsere Schule bekommt einige Ehemalige mehr und sie werden in kürze das ABITUR-Zeugnis in den Händen halten.
Meine Anmerkung dazu war mehrmals im LK Mathe zu vernehmen:
Erst mit dem Abitur haben sie sich das Recht erworben alles das zu vergessen, was Sie für ihr späteres Leben nicht mehr brauchen. Aber wer weiß das jetzt schon, was nicht mehr gebraucht wird? Nun erwartet Sie eine neuer Lebensabschnitt mit vielen neuem Herausforderungen, in dem sie sicher mehr als erwartet von Ihrer Schulbildung wieder nachweisen müssen oder von dieser hoffentlich oft profitieren können.
Sie haben das ABITUR- die höchste Schulqualifikation in Deutschland.
Und damit besitzen Sie einen Vorsprung bzgl. anderer Konkurrenten um Ausbildungsplätze oder müssen sich bei der Vergabe von Studienplätzen mit einreihen und sich gegen Mitbewerber mithilfe von Kompetenzen, die sie an unserem Gymnasium zahlreich erworben haben, durchsetzten und in sich in verschiedensten Situationen stets neu beweisen. Um mit der Mathematik zu sprechen: Abitur ist nur eine notwendige Bedingung für die Erlangung eines Studienplatzes, noch keine hinreichende!
Sicherlich sind die auf dem richtigen Wege - und das waren zahlreiche unter Ihnen, die bereits in der Schule Engagement, Leistungsbereitschaft und Verantwortung in den unterschiedlichsten Bereichen gezeigt haben, bei diversen schulischen Projekten wie: Musik- Theateraufführungen, Schulpartnerschaften und Betreuung ausländischer Gäste, sportlichen Wettkämpfen wie Jugend trainiert für Olympia oder Mitstreiter um den Titel Berliner Judo und Staffelmeister, Beteiligung bei MUN oder Jugend debattiert.
Und nicht zuletzt natürlich auch der Unterricht, in dem Sie verschiedensten Lehr- und Lernmethoden über Jahre erlebt oder mitgestaltet haben.
Sie sind gerüstet, nutzen Sie diese Qualifikationen!
Auf dem richtigen Weg sind auch all diejenigen, die erkannt haben, dass die Kehrseite von Rechten Pflichten sind. Und damit meine ich nicht nur das Bemühen um die Einhaltung von, Abgabe- oder Einschreibefristen sowie gesellschaftlicher Normen, sondern Pflichten die ganz natürlich aus Studien- oder Arbeitsbedingungen resultieren, denen man sich einzufügen hat, obwohl man sie evtl. aus persönlichen Gründen diskussionswürdig findet.
Mathematisch könnte man sagen, sie befinden sich nun an einem Wendepunkt Ihres Lebens. Für diejenigen, für die es gar ein Sattelpunkt ist, bleibt die u.a. die Frage, wie lange die momentane Konstanz anhält oder welche Art von Sattelpunkt vorliegt. Sie bestimmen ab nun, in welcher Richtung der persönliche Lebenlinie weiterläuft!

Teil 2
Ihre und meine Lebenswege scheinen parallel zu verlaufen aber schon aus der Bildenden Kunst bekannt, dass sich Parallelen in einem Fluchtpunkt schneiden. Und genau dieser ist der zweite Bezug für die Rede, denn rückblickend betrachtet ist 2011 ist für mich persönlich fast ein Jubiläumsjahr. Mein eigenes Abitur liegt nunmehr fast 30 Jahre zurück. 30 Jahre - das hört sich schrecklich viel an, aber da lohnt es sich auch zu erinnern und zu vergleichen. 30 Jahre - ja, im Grunde bedeutet das, es liegen Welten zwischen uns bzw. unseren Erfahrungen in Schule und Gesellschaft. Damals gab es keine großen Abifeier mit gesetzten Reden und umfangreichem Rahmenprogramm, kein Abijahrbuch, keinen Abischerz und erst recht keine Abifahrt und für einige Ihrer Eltern wäre eine Schülerfahrt nach Bulgarien ein Highlight gewesen, da das kapitalistische Ausland keine wirkliche Alternative war.

1981 und 2011, die Veränderungen in den Jahren haben auch das Schulleben und unsere Bedürfnisse gravierend beeinflusst.

Ich will nur zwei Dinge beispielhaft herausgreifen.
Das Mobiltelefon - 1981 begann erst der Boom des normalen Telefons und es hatten immerhin schon ca. 80% der Bundesbürger und 15% der DDR-Bürger ein Telefon. Heute ist das Mobiltelefon allgegenwärtig. In der Schule ist es ein Dauerbrenner, Handys aus dem Unterricht zu verbannen. Wir sind immer erreichbar und auf Knopfdruck mit der ganzen Welt verbunden!
Was aber gibt es so Wichtiges mitzuteilen? Man kann vermuten, das Mobiltelefon schürt die Angst etwas zu verpassen und raubt seinem Nutzer damit gleichzeitig die Muße. Die Umwelt um uns herum ist unruhiger und mitteilsamer geworden, aber das bringt auch für uns mehr Unruhe und weniger Zeit der Stille und Besinnung. Zusätzlich bedienen wir uns mit dem Handy zur Navigation um z.B zu Verabredungen zu gelangen. Heute fragt man sich, wie es früher möglich war, sich überhaupt zu treffen, ohne Google Maps zu kennen!

Computer & Internet - auch so eine Erscheinung, die 1981 und 2011 in zwei Welten trennt. Der Computer hat die Kommunikation verändert. Damals gab es vereinzelt die ersten Heimcomputer wie ATARI, C64 und lochbandgesteuerte Großrechner in Universitäten. Welcher Schüler, welche Schülerin hat heute keinen PC oder Laptop? Sie bedienen sich Skype oder Facebook, um mit der Welt verbunden zu sein oder auch die Eltern, um bei Auslandsaufenthalten mit den Kindern Kontakt zu halten. Das war damals nicht möglich und wir waren über Tage und Wochen abgeschnitten von der Familie und sogenannte Hubschraubereltern, die stets und ständig über ihren Kindern kreisen, gehörten noch nicht so zum Alltag.
Wie hätten Sie in den vergangenen Jahren so manches Mal die Hausaufgaben machen, die Referate vorbereiten können ohne Internet? Eine Präsentationsprüfung, ohne vorher tage- und wochenlang im Internet zu recherchieren? 2011 fast undenkbar.
Leichter vorstellbar ist da schon, dass manche nicht mehr wissen, wie man in einer Bibliothek mit richtigen Büchern, Büchern aus Papier, zum Anfassen, recherchiert. Wir nannten es früher eine Enzyklopädie- heute im Neudeutsch: analoge Datenbank! Das Internet stellt zwar unendliche Informationsfülle innerhalb kürzester Zeit zur Verfügung, aber wie dauerhaft ist diese Quelle?
Und Informationsvermittlung über das Internet erfolgt häufig in leicht verdaulichen Häppchen. Wer mag sich da noch der Mühsal des Erschließens langer Texte, sogar ganzer Bücher, unterziehen? Oberflächlichkeit scheint vorprogrammiert und wird der Jugend oft vorgeworfen.

Sie sehen also:
Das Wissen von Generationen miteinander zu vergleichen und Möglichkeiten zu dessen Erlangung ist äußerst schwierig, wahrscheinlich unmöglich. Sie haben viele Dinge lernen müssen und vielleicht auch gelernt, die zu meiner Zeit noch nicht im Rahmenplan standen (z.B. Globalisierung) oder schlichtweg unbekannt waren und technische Dinge zur Verfügung, die für uns noch Utopie waren. Wir müssen umdenken und dass wird in der heutigen Zeit immer wichtiger. Das meint auch der spanische Schriftstellers Picabia mit seinen Worten: "Unser Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung ändern kann." Sie sollten zum Umdenken auch in anderen gesellschaftlichen Bereichen bereit sein.
Denn Sie haben heute keine Sicherheiten mehr in Bezug auf Ihre Zukunft, Sie können kaum wissen, was Sie irgendwann tatsächlich einmal beruflich machen werden. Brüche in der Berufsbiographie sind in meiner Generation noch seltener. Vor 30 Jahren hatte die Soziologie den Begriff der "Normalbiographie" noch nicht erfunden, um einen standardisierten Lebenslauf zu beschreiben, mit kontinuierlicher Vollzeitarbeit, meist in einem Beruf von der Ausbildung bis zur Rente. Für etwas, das noch selbstverständlich war, brauchte man keinen Begriff. Für Sie dagegen gehört die "Normalbiographie" wohl endgültig der Vergangenheit an, auf Umwege und Brüche werden Sie sich vermutlich einlassen müssen - Flexibilität ist angesagt; dazu gehört Offensein für Neues, Einbringen vielfältiger Erfahrungen, Analysieren aktueller Entwicklungen und in der Lage sein auf diese zu reagieren. Wir hoffen, dass auch wir Sie an in den vielen Jahren durch verschiedenste Angebote im schul. Und außerschul. Bereich etwas darauf vorbereitet haben.

Das Leben braucht aber auch Zeit und- Muße, und man muss sich von der Angst frei machen, man könnte irgendetwas verpassen.
Zwar wird Ihnen heute jederzeit erzählt, Sie müssen schnell das nächste Ziel erreichen, schnell eine Ausbildung beginnen, ein Studium, dieses so schnell wie möglich zum Abschluss bringen, um dann ganz schnell dem Arbeitsmarkt zur Verfügung zu stehen.

Sicher, Leistung ist positiv zu bewerten. Aber Leistung erschöpft sich nicht im Punktesammeln, in Schnelligkeit oder in der Erhöhung des Kontostandes bei der Bank. Es gilt auch zu bedenken, dass sich Lebensqualität nicht, wenigstens nicht ausschließlich, nach Wohlstand bemisst. Es gibt ein Leben jenseits von Konto und Karriere. Deshalb ist auch zu bedenken, zwischendurch mal einen Gang zurückzuschalten.
Dennoch werden auch Sie über kurz oder lang mit dem Vereinbarkeitsdilemma - Beruf und Karriere auf der einen Seite, die Familie auf der anderen, konfrontiert sein. Der Kompromiss und die Flexibilität sind gefragt und das bedeutet unter Umständen auch, sich gegen die Zumutungen der Umwelt, der Arbeitswelt, der Ökonomie zu entscheiden.
Sie selbst müssen ab nun entscheiden - was auch immer Sie tun wollen, wie auch immer Sie Ihre Zukunft planen, wie Sie dazu beitragen können, dass sich die Zukunft so gestaltet, wie Sie es sich wünschen. Versuchen Sie sich Ihren Weg zu bahnen und finden Sie Lösungen nach dem Devise: Konsens statt Konflikt und denken Sie an die weisen Worte von Konfuzius: sagte schon: "Nur wer mit dem Strom schwimmt, wird das Meer erreichen."

Auch Sie, liebe Eltern und Großeltern, haben es geschafft: Für die einen mag es eine nicht endende Zeit von der Schultüte bis zum heutigen Tag gewesen sein, für andere verging sie rückblickend wie im Flug. Dank für Ihre Mühe, zeitliche Aufopferung mit seelischer und fachlicher Unterstützung bei zahllosen Elternhausaufgaben wie Vorträgen oder Portfolios, sowie für die mentale Unterstützung über mindestens 13 Jahre und ggf. auch für die Arbeit als Elternvertreter oder in schulischen Gremien!
Und wenn ich Sie, liebe Eltern, betrachte, dann sehe ich glückliche Gesichter.
Liebe Abiturienten, gönnen Sie sich doch ein solches Erlebnis auch in Ihrem Leben.

Für Ihr höchstpersönliches Werden wünsche ich Ihnen nicht nur Erfolg und Glück, sondern von Zeit zu Zeit auch das Gefühl, rechtzeitig zu erkennen, wann es Zeit zum Umdenken ist, wann es Zeit ist, auf das Leben zu reagieren, vielleicht auch manchmal begleitet von Selbstkritik und Selbstironie. Ich wünsche Ihnen auf Ihrem hoffentlich stufen- und erkenntnisreichen Weg Menschen, die Sie aufrichtig, zuverlässig und liebevoll begleiten.