Auftakt zu den Feierlichkeiten

Auftakt zu den Feierlichkeiten Heute Morgen um 8.30 Uhr hatten alle Lehrer, Klassen- und Kurssprecher die Ehre, in der wunderschön weihnachtlich dekorierten Aula auf brandneuen Stuhlreihen der Eröffnungsveranstaltung der Projekttage beizuwohnen. Bereichert wurde die Runde außerdem durch Gäste von unseren Partnerschulen in Schweden, Italien, Frankreich und Tschechien, welche uns derzeit im Rahmen verschiedener Austauschprojekte und nicht zuletzt wegen der Feierlichkeiten und der MUN Konferenz besuchen.

Eröffnet wurde die Veranstaltung durch das Klarinettenensemble unter der Leitung von Frau Kühn. Anschließend begann die Rede von unserer Schulleiterin Frau Randelhoff, die uns nicht nur Einblicke in die Biografie unserer Namenspatronin gab, sondern sie uns auch als Person und Vorbild ein Stück näher brachte.

Dies, so machte Frau Randelhoff-Sz. deutlich, ist das Ziel der Projekttage. Durch die Arbeit an individuellen Projekten sollen die Schülerinnen und Schüler der einzelnen Klassen ein besseres Verständnis von Leben und Werk der Bertha von Suttner erlangen. Einen motivierenden Abschluss lieferte die Big Band, die ebenfalls unter der Leitung von Frau Kühn zur Freude aller Schüler den James-Bond-Song zum Besten gab. Wir hoffen auf gutes Gelingen und wünschen viel Spaß und Erfolg bei den Projekten!

R. Kersten

Eröffnungsrede von Frau Randelhoff

Ansprache anlässlich der Jubiläumsfeier und Projekttage Bertha von Suttner: 100 Jahre Friedensnobelpreis 1905 – 2005

Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Kollegen, Schülerinnen und Schüler der Bertha von Suttner Oberschule, aber vor allem auch ein herzliches Willkommen an Sie, liebe Kollegen, Schülerinnen und Schüler aus unseren Partnerschulen in Canterbury, Catania, Jönköping, Paris und Uhersky Brod: welcome, bienvenu und bienvenuto in der Bertha von Suttner Schule zur Feier des 100. Jubiläums der Verleihung des Friedensnobelpreises an Bertha von Suttner – unsere Namenspatronin.

Fast auf den Tag 100 Jahre ist es her, dass das persönliche Engagement und das politische Schaffen Bertha von Suttners mit dieser Auszeichnung belohnt wurde, ein Ereignis, das den Höhepunkt in einem nicht ganz einfachen, unsteten und von Idealismus durchzogenen, durch und durch unkonventionellen Leben darstellte und gleichzeitig eine Genugtuung und Belohnung war für die Schwierigkeiten und Entbehrungen, die ihr Leben bis dahin gekennzeichnet hatten. Sie ist 62 Jahre alt, als ihr diese hohe Ehre zuteil wird, als erste Frau der Welt mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet zu werden. In der Würdigung ihrer Verdienste steht ihr unermüdlicher Einsatz, ihre Initiative und Beharrlichkeit, moralisch für Frieden und Völkerverständigung zu werben, im Vordergrund. Als sie 1905 so geehrt wird, ist sie bereits weltberühmt als Schriftstellerin des Antikriegsromans ‚Die Waffen nieder!’ und vieler weiterer Publikationen zu diesem Thema; sie war es, die die Initialzündung zur Haager Friedenskonferenz (1899) gegeben hatte, an der sie neben Regierungsvertretern als einzige Frau teilnahm; und sie hatte die bis dahin völlig unkonventionelle Idee, mit Hilfe eines Schiedsgerichts, Konflikte zwischen den Völkern friedlich anstatt gewaltsam zu regeln; und last but not least hatte sie durch ihre engagierte und beharrliche praktische Arbeit in der Friedensbewegung durch die Übernahme von vielen Ämtern und Funktionen sich einen Namen gemacht. Bei der Entgegennahme des Preises bekennt sich Bertha von Suttner zu ihrer Überzeugung und sagt nicht ohne Pathos: Die ewigen Wahrheiten und ewigen Rechte haben stets am Himmel der menschlichen Erkenntnis aufgeleuchtet, aber nur gar langsam wurden sie herabgeholt, in Formen gegossen, mit Leben gefüllt, in Taten umgesetzt.

Eine jener Wahrheiten ist die, dass Frieden die Grundlage und das Endziel des Glückes ist. Die Reaktionen auf die Verleihung war geteilt: Freunde und Anhänger Bertha von Suttners waren tief befriedigt, hatten sie doch genau wie sie selbst schon vier Jahre – 1901 hatte sie Alfred Nobel persönlich zu dieser Stiftung veranlasst - vergeblich darauf gehofft. Aber es gab auch viel Häme, besonders im Deutschen Reich, wo die Friedenskämpferin überwiegend als ‚Ärgernis’ empfunden wurde. Eine Stettiner Zeitung schrieb: Und es kam so. Wir haben recht geahnt: Frau Baronin Bertha von Suttner hat nun wirklich den Friedenspreis der Nobelstiftung erhalten. Im übrigen gestattet sich die Geschichte, weiterzugehen. Und was Deutschland angeht, so hält es das Pulver trocken und das Schwert geschliffen.

Von ihren Gegnern immer ironisch und herablassend als naive, hysterische und alles in allem utopistische Friedensbertha bezeichnet, erlebten diese jedoch nach und nach, wie sich das ursprüngliche Schimpfwort zu einem Ehrentitel veränderte. Bertha von Suttner selbst ließ sich die Freude über die ihr zuteil gewordene Ehre nicht verderben; sie war Zeit ihres Lebens an Diffamierung und Ablehnung gewöhnt, und bis zu ihrem Tod im Jahre 1914 gab ihr die Verleihung des Friedensnobelpreises die Kraft, noch engagierter für ihre Sache zu streiten. Woher aber nimmt eine Frau dieser Zeit und dieses familiären Hintergrunds die Kraft und den Mut, für die Friedensbewegung zu kämpfen? So zu kämpfen. Woher speist sich ihre Motivation? Als sie sich für die Friedensbewegung zu engagieren beginnt, ist Bertha von Suttner bereits 40 Jahre alt, mehr als die Hälfte ihres Lebens ist gelebt. In ihren Memoiren spottet sie über sich selbst und die Zeit als naive österreichische Komtesse und notiert, Die jugendliche Bertha war doch eine rechte Null. Und doch – wie so häufig in der Rückschau – sind der familiäre Hintergrund und die Zeit ihrer Jugend prägend und von persönlichkeitsbildendem Einfluss.

Ein kurzer Rückblick in ihre Biographie muss deswegen sein: Am 9. Juni 1843 wird Bertha in Prag als Gräfin Kinsky von Chinic und Tettau, und damit in eine der vornehmsten böhmischen Familien, geboren. Wenn man aber annimmt, dass ein Lebensbeginn mit solchem Namen außergewöhnlich günstig und glückversprechend sein sollte, so ist das im Falle Berthas nicht so. Kurz vor ihrer Geburt stirbt der 75jährige Vater und hinterlässt eine fast 50 Jahre jüngere Witwe mit Kind mit für eine adlige Familie relativ bescheidenen Mitteln ausgestattet. Was jedoch die Identitätsfindung der jungen Bertha noch mehr belastet, ist die Tatsache, dass Berthas Mutter von den fürstlichen Verwandten nicht als vollwertiges Mitglied der Familie anerkannt wird: sie kann jene 16 hochadligen Urgroßeltern nicht nachweisen, die ihr Ebenbürtigkeit beschieden hätten. Bertha wächst im Schatten der Familie Kinsky auf, eine Position, die sie zu einer ambivalenten Haltung gegenüber dem (österreichischen) Adel führt: einerseits kritisiert sie ihr Leben lang die Ignoranz gegenüber der Moderne, die Arroganz und Unbeweglichkeit der Hocharistokratie; andererseits kann sie ihre Bewunderung für die alten kulturellen Werte, die der Adel verkörpert, nicht verleugnen. Doch Zeit ihres Lebens gelingt es ihr nicht, von ihrer Familie anerkannt und aufgenommen zu werden. Bertha verbringt eine im Ganzen behütete und nicht unglückliche Kindheit und wird erst als 18jährige wieder mit der Wirklichkeit konfrontiert, als sie in die Gesellschaft eingeführt werden soll und die demütigende Erfahrung macht, dass einem vermögenslosen und aus einer Mesalliance stammendem Mädchen keine Aufnahme, keine standesgemäße Heiratspartie gewährt wird. Verschiedene Liebesbeziehungen und Anträge enden im Nichts. Über das traditionelle Komtessenniveau hinaus in Philosophie, Sprachen, Literatur und Musik gebildet, lernt Bertha jenseits der gesellschaftlichen Unterhaltung und ihrer Oberflächlichkeiten Wissen, Selbstbewusstsein und Unabhängigkeit zu entwickeln. Eine Überlebensstrategie. Mit Anfang 30 überdenkt Bertha ihren weiteren Lebensweg: die gängigen Moralvorstellungen machen es ihr als unverheirateter Frau unmöglich, allein zu leben; sie kann mit ihrer Mutter leben oder eine neue Familie, sprich Arbeit finden, mit der sie ihren Lebensunterhalt bestreiten kann. Das tut sie und nimmt die Stelle als eine Gouvernante im kinderreichen Hause von Suttner in Wien ein. Sie sagt selbst später, Gesegnet sei der Tag, der mich in dieses Haus geführt. Er war die Knospe, aus der sich die Zentifolie meines Glückes entfaltet hat. Jener Tag auch öffnete die Pforte , durch die die junge Bertha Suttner treten sollte, als die ... ich mich heute fühle. Sie verliebt sich in den sieben Jahre jüngeren Sohn der Familie und verlässt nach drei Jahren der Heimlichkeit das Haus, denn eine Heiratseinwilligung von seiten der Familie ist nicht zu erwarten, obwohl Bertha im ganzen Hause Suttner sehr beliebt ist. Auf eine Annonce hin meldet sich Bertha bei Alfred Nobel, der eine sprachenkundige Sekretärin sucht. Nach stetigem Briefwechsel geht sie 1875 nach Paris und findet in Alfred Nobel einen Mann, der sie als kluge, gebildete Frau schätzt und der sie auf Händen tragen würde – wenn sie es denn wollte. Er ist Seelenverwandter, Freund und Gönner; mit ihm, einem der gebildetsten und reichsten Männer der damaligen Zeit, hätte sie gesellschaftliche Anerkennung erlangen können, die ihr bis dahin immer versagt geblieben war. Und sein Einfluss auf Bertha von Suttner ist immens: er ist es, der sich bereits 1876 intensiv mit Rüstungsfragen auseinandersetzt und über eine Veredlung der menschlichen Gesellschaft nachdenkt. Neue Kenntnisse, neue Entdeckungen, ideale Kunstwerke sollen die Welt bereichern und verschönen, und zur Sicherung all dieser Güter alles Gedeihens Grundbedingung: der Frieden. Bertha ist von Nobels Idealismus tief beeindruckt und – will ihn doch nicht. Sie entscheidet sich für die Liebe und Arthur von Suttner, der Bertha gegen den Willen seiner Familie, und damit berufs- und mittellos, einen Antrag macht. Sie ist sich der Tatsache bewusst, dass sie mit diesem Mann in dieser Position nie ein traditionelles Frauenleben des 19. Jahrhunderts führen können wird. Und sagt – ja. Nach nur acht Tagen Paris geht Bertha zurück nach Wien und lässt Nobel enttäuscht zurück. Er bleibt ihr in Freundschaft und Verehrung verbunden, unterstützt ihre späteren Aktivitäten in der Friedensarbeit und lässt sich von Bertha zur Stiftung des Friedensnobelpreises anregen.

Bertha Kinsky und Arthur von Suttner heiraten 1876 heimlich in einer Vorstadtkirche Wiens, fliehen nach Mingrelien in den Kaukasus zu einer befreundeten Familie und leben unter bescheidenen Verhältnissen. Beide beginnen mit der Schriftstellerei und – haben Erfolg. Während der Balkankrise, in der sich Russland und Österreich als Feinde gegenüber stehen, macht sich Bertha stark für eine vorurteilsfreie Haltung gegenüber den russischen Feinden. Nach Wien zurückgekehrt leben und arbeiten sie auf dem Suttnerschen Schloss und Bertha hört 1887 zum ersten Mal von der Friedensbewegung, einer Idee, die sie elektrisiert aufnimmt. Zusammen mit ihrem Mann engagiert sich Bertha von Suttner das erste Mal aktiv politisch und verficht liberale Ideen, jedoch ohne einer Partei beizutreten. 1988 veröffentlicht sie das politisch-philosophische Buch mit dem Titel Das Maschinenzeitalter, in dem sie übertriebenen Nationalismus und Aufrüstung anprangert. 1889 ist ein wichtiges Jahr, denn sie bringt den Antikriegsroman Die Waffen nieder! heraus, der in alle Kultursprachen übersetzt wird und seine Autorin weltberühmt macht. Nur ein einziges anderes Buch war noch erfolgreicher: Harriet Beecher Stowe’s Uncle Tom’s Cabin. Tolstoi, der in den praktischen Friedensvorschlägen nicht mit Bertha von Suttner übereinstimmte, sagte dennoch: Die Abschaffung der Sklaverei war das berühmte Werk einer Frau ... vorausgegangen. Gott möge es so fügen, dass die Abschaffung des Krieges Ihrem Werke folgt. In ihrem Buch widerspricht Bertha von Suttner energisch dem üblichen Klischee, Kriege als Naturgesetz, Siegeshymne, patriotische Tat und Heldentum anzusehen und darzustellen. Sie entlarvt die Mechanismen des Militarismus und setzt sich offensiv mit den Argumenten der Kriegsbefürworter auseinander.

Humanismus und Fortschritt statt Heldentum und Ruhm auf dem Schlachtfeld – das war ihre Devise. Das Bekämpfen der Elemente, welche uns oft feindlich gegenübertreten, das Bekämpfen der Krankheiten und des Elends fordert auch seine Helden. Berge sprengen, Dämme bauen, Feuer löschen, Spitäler besuchen, heilen, helfen – das sind wohl nicht feige Taten. Zu bekämpfen gibt es immerhin genug, ohne sich untereinander auf Kommando zu schlagen ... In Technik, Wissenschaft, Wohltätigkeit, überall winken dem Ehrgeiz schönere Ziele als auf den Schlachtfeldern. Auch beschreibt sie schonungslos die brutale Seite des Krieges: die Grauen der Schlachtfelder, die Leiden der Opfer, und kritisiert die doppelte Moral staatlicher und kirchlicher Repräsentanten. Mit dieser Haltung bricht Bertha von Suttner auf mehreren Ebenen mit gesellschaftlichen Tabus und ‚heiligen’ Werten. Sie stellt sich gegen den Zeitgeist. Im Roman zeigt sie z.B. anhand der Kriegserklärungen von Österreich und Preußen (1866), dass die wichtigsten Punkte beider Erklärungen nahezu identisch sind: Beteuerung der eigenen Friedfertigkeit; Vorwurf, der Gegner habe Vertrags- und Treuebruch begangen; Betonung, für eine ‚gerechte Sache’ kämpfen zu müssen; Berufung auf den Gott der Väter, der die Waffen segnen möge; Ankündigung des ‚sicheren Sieges’.

Jedem Leser wird sofort klar, dass es sich zumindest bei einer Seite um ein Lügengebilde handeln muss. Nimmt man die Zeiten zielgerichteter Schriftstellerei und praktischer Friedensarbeit z.B. in der Friedensgesellschaft, dessen langjährige Präsidentin sie war, zusammen, so ist Bertha von Suttner über Jahrzehnte mit unermüdlichem Idealismus bei ‚ihrer Sache’ geblieben und hat sich für sie engagiert. Ihr Fleiß war sprichwörtlich; sie ging bis an die Grenze ihrer Belastbarkeit und Erschöpfung. Und dies immer gegen ein vorwiegend feindliches oder zumindest nicht unterstützendes Umfeld. Zeitgenossen verwiesen auf die tiefverwurzelte Abscheu gegen den Krieg und ihre Begeisterungsfähigkeit als treibende Kraft, die gepaart mit Ehrgeiz und Disziplin zum Erfolg verhalf. Aber es handelte sich eben nicht nur um weltfremde, utopische Spinnereien, sondern um durchaus reale Visionen möglicher Kriege und Schrecken. Es war die Antwort auf eine bedrohliche Entwicklung in der modernen Waffentechnik: Nobels Sprengstoffe, die neuen Kampfgase, U-Boote und eine neue Luftwaffe machte das Zerstörungspotential eines Krieges unfassbar größer als je zuvor. Ein moderner Krieg mit solchen Waffen sei von keiner Seite mehr zu gewinnen und aus dieser Erkenntnis leitete sie die Forderung ab, radikal umzudenken und den Einsatz eines Krieges als politisches Mittel aufzugeben.

Als Nobel 1896 stirbt verliert Bertha von Suttner ihren engagiertesten Mitstreiter und finanziellen Förderer. Seit Jahren bereits haben beide die Idee eines Friedenspreises diskutiert, waren sich aber in der Form nicht einig. Nobel sah keinen Sinn in einem Preis, der bereits das Bemühen um Abrüstung würdigte. Es sollten vielmehr Menschen geehrt werden, die sich im Kampf gegen Willkür und Vorurteile, die Kriege verursachen, hervorgetan hatten. 1901 wird dieser Nobelpreis das erste Mal verliehen, aber nicht an Bertha von Suttner. Sie muss - wie eingangs gesagt - vier Jahre darauf warten. Am 21. Juni 1914 stirbt Bertha von Suttner nach langjährigem Krebsleiden; die Schüsse von Sarajewo hat sie – da war das Schicksal gnädig - nicht mehr gehört. Frau Randelhoff-Szulczewski Was für ein Leben? - Stoff genug, um daraus zwei zu machen. Und zwei sehr verschiedene Leben waren es denn auch, die Bertha gelebt hat. Aber eines ist sicher: in der Auseinandersetzung mit der Gesellschaft, die sie ablehnte und ihr die Aufnahme versagte, entwickelte sie Mut, Kraft und Entschlossenheit, ihren eigenen Weg zu gehen, eigene Positionen zu beziehen und sich vorbehaltlos dafür einzusetzen, was sie als das Richtige empfand. Ihre Bildung und Belesenheit halfen ihr dabei, dies auch als Frau in der damaligen Zeit tun zu können. Sie scherte sich nicht um ihre Kritiker, wusste ganz genau, dass Aktivitäten für den Frieden grenzüberschreitend und international gestaltet werden mussten, um wirksam zu sein. Sie träumte nicht nur von einer besseren Welt, sondern hatte sehr konkrete Vorstellungen davon, wie man die Mächtigen der Welt an einen Tisch bringen könnte in der Absicht, ein internationales Gefüge zu etablieren, das künftige Kriege vermeidet. Stefan Zweig schreibt in der Zeitung Neue Freie Presse 1918: Aber eben diese Frau, von der man meinte, sie habe nichts als ihre drei Worte der Welt zu sagen, hatte den tiefsten Gedanken der Gegenwart mit kräftiger Hand an der Wurzel gepackt. ... Sie schrak nicht zurück, das scheinbar Unerreichbare zu fordern. Sie wusste ja selbst besser als jeder andere um die tiefe Tragik der Idee, die sie vertrat, um die fast zernichtende Tragik des Pazifismus, der nie zeitgemäß erscheint, im Frieden überflüssig, im Kriege wahnwitzig, im Frieden kraftlos ist und in der Kriegszeit hilflos. Dennoch hat sie es auf sich genommen, zeitlebens für die Welt ein Don Quichotte (zu sein), der gegen Windmühlen ficht.

Aber heute wissen wir es schauernd, was sie immer wusste, dass diese Windmühlen nicht Wind, sondern die Knochen der europäischen Jugend zerreibt. Die nächsten Tage werden wir ihrer Person und ihrem Erbe widmen, und wir werden uns fragen müssen, inwieweit Friedensideale des ausgehenden 19. Jahrhunderts und Bertha von Suttners Gedanken und Einstellungen in unserer heutigen Zeit und Lebenssituation noch Gültigkeit besitzen. Ich bin sehr gespannt auf die Ergebnisse und freue mich mit Euch und Ihnen auf erlebnisreiche drei Tage an unserer Schule. Diese Tage haben nach Klassen und Kursen und einzelnen Wünschen unterschiedliche Themen und Zielsetzungen; eines haben sie jedoch gemeinsam: sie bringen uns Bertha von Suttner ein Stück näher. Schon jetzt aber können wir sagen: Bertha von Suttner war eine Idealistin: abenteuerlustig, mutig, stolz, klug, eine Humanistin durch und durch, unkonventionell, beharrlich bis zur Sturheit, aber auch durchsetzungsfähig, und ich finde schon heute, wir können verdammt stolz darauf sein, sie als unsere Namenspatronin zu haben.

Vielen Dank. J. Randelhoff-Szulczewski 07.12.2005