Kurzbiografie

 9. Juni 1843:
 
Geburt der Bertha Sophia Felicita Gräfin von Kinsky von Chinic und Tettau im Palais Kinsky. Franz Joseph Kinsky, der Vater Berthas, war kurz vor der Geburt des Kindes im Alter von 75 Jahren gestorben. Obwohl die Familie zum österreichischen Hochadel zählt und auf berühmte Vorfahren zurückblicken kann - ein Graf Kinsky wurde 1634 mit Wallenstein in Eger ermordet - besitzt sie durch den fehlenden Nachweis von mindestens 16 hochadligen Ahnen dennoch nicht die "Hoffähigkeit, was für die junge Bertha von Kinsky später in der Gesellschaft schmerzhafte Zurückstellungen bedeutet. Berthas Mutter, eine geborene von Körner und Verwandte des berühmten Freiheitsdichters Theodor Körner, ist eine passionierte Spielerin und bringt in allen mondänen Badeorten und Metropolen Europas fast das gesamte Familienvermögen durch. 
 
 Bertha nimmt in der Zeit um 1860 Gesangsstunden und plant eine Karriere als Sängerin. Von 1867 bis 1868 Aufenthalt in Paris und Gesangsstudium (später auch in Mailand). Drei Verlöbnisse der jungen Gräfin, die als Schönheit gilt, schlagen fehl (darunter eines mit dem Prinzen Adolf Sayn-Wittgenstein-Hohenstein in Wiesbaden, der 1872 kurz nach der Verlobung stirbt). 
 
 
 Sommer 1873:
 
 Aufgrund ihrer musikalischen Ausbildung, ihrer "sonstigen umfassenden Kenntnisse" und ihrer "vollkommenen Beherrschung des Französischen, Englischen und Italienischen" (Memoiren) erhält Bertha von Kinsky eine Anstellung als Erzieherin im Hause des Barons von Suttner, der, reich geworden in der Wiener Gründerzeit, ein eigenes Palais in der Canovagasse in Wien bewohnt. Eine sich anbahnende Beziehung zu dem dritten und jüngsten Sohn, Artur Gundaccar von Suttner (geb. 1850), wird von den Eltern mißbilligt. 
 
 
 1876:
 Aus diesem Grund reist Bertha nach Paris ab, wo sie für kurze Zeit eine Stellung als Sekretärin und Hausdame von Alfred Nobel, dem Erfinder des Dynamits, antritt. Als der Industrielle überraschend nach Schweden zurückgerufen wird, kehrt Bertha nach Wien zurück, wo sie am 12. Juni heimlich Artur Gundaccar von Suttner in der Pfarrkirche St. Ägyd in Wien-Gumpendorf heiratet. Beide ziehen sich für neun Jahre an den Hof der Fürstin Ekaterina Dadiani von Mingrelien, die Bertha von Suttner von einem früheren Aufenthalt in Bad Homburg (1864) her kennt, in den Kaukasus zurück (Aufenthalt in Kutais, Tiflis und Zugidi). Hier beginnt zuerst - offenbar unter finanziellen Schwierigkeiten - Artur Gundaccar von Suttner mit kleineren schriftstellerischen Arbeiten. Sein Erfolg regt auch Bertha zum Schreiben an. 
 
 
 1884:
 Tod der Mutter, Sophie Gräfin Kinsky-Körner. 

Mai 1885:

Das Ehepaar Suttner kehrt nach Wien zurück und bezieht nach Aussöhnung mit den Eltern das einsam gelegene Gut Harmannsdorf, das Familienschloß der Suttners im Waldviertel bei Eggenburg. Beide gehen umfangreichen schriftstellerischen Arbeiten nach und unternehmen ausgedehnte Reisen durch ganz Europa. Im Oktober besucht Bertha den Schriftstellerkongreß in Berlin.


Winter 1886/87:
Aufenthalt in Paris; Bertha von Suttner hört zum ersten Mal vom Friedens- und Schiedsgerichtsverein.


1887/89:
Der Roman "Die Waffen nieder!" entsteht und wird 1889 gedruckt. Er wird ihr größter literarischer Erfolg, erscheint in 37 Auflagen und über einem Dutzend Übersetzungen. Die internationale Friedensbewegung sieht in ihm einen Wendepunkt für die Massenwirkung des Friedensgedankens. 1903 erscheint als Folgeroman "Marthas Kinder".


1890/91:
Den Winter verbringt das Ehepaar Suttner in Venedig, wo es durch den Marchese Benjamino Pandolfi mehrere Vertreter der "Interparlamentarischen Konferenzen" (ab 1910 "Interparlamentarische Union"), einer Vereinigung von pazifistischen Parlamentariern aus den verschiedensten Ländern, kennenlernt. Bertha von Suttner wird zur Mitanregerin der "Friedensgesellschaft Venedig".


1891:
Der vom 11.-14. September geplante 3. Weltfriedenskongreß in Rom veranlaßt Bertha von Suttner, am 3. September in der Wiener Zeitung "Neue Freie Presse" einen Aufruf zur Gründung einer Österreichischen Gesellschaft der Friedensfreunde zu veröffentlichen. Dieser Aufruf hat einen unerwartet großen Erfolg. Auf der Gründungssitzung wird Bertha von Suttner zur Präsidentin der "Österreichischen Friedensgesellschaft" gewählt, die sie bis zu ihrem Todesjahr 1914 leitet. In dieser Funktion nimmt sie als Vertreterin Österreichs am Kongreß der internationalen Friedensbewegung in Rom teil und hält ihre erste öffentliche Rede.

Bereits vor der Gründung des Österreichischen Friedensvereins hatte sich Bertha von Suttner für die Gründung der "Interparlamentarischen Gruppe Österreich" eingesetzt.

Artur Gundaccar von Suttner regt die Gründung des "Vereins zur Abwehr des Antisemitismus" in Wien an, der sich, ausgehend von dem Gedanken, daß die Herstellung des inneren Friedens eine Grundvoraussetzung für die Herstellung des äußeren Friedens sei, als Ergänzung zum Österreichischen Friedensverein versteht. Auch Bertha von Suttner engagiert sich leidenschaftlich gegen den Antisemitismus, den sie als einen "Rückfall ins Mittelalter" (Memoiren) empfindet. Doch fast alle Artikel der Suttners gegen den Rassenhaß senden die Zeitungen ungedruckt zurück.

1892:

Mit dem gebürtigen Wiener Alfred Hermann Fried gibt sie ab dem 1. Januar die Monatszeitschrift "Die Waffen nieder!" heraus (bis 1899; Nachfolgeorgan ist A. H. Frieds "Friedenswarte"). Bertha von Suttner veröffentlicht darin u. a. die "Randglossen zur Zeitgeschichte" (1892-1899 und 1906-1914) und ist außerdem Mitarbeiterin anderer europäischer Zeitungen. Auf Einladung des "Vereins der Berliner Presse" liest sie in Berlin aus ihrem Roman "Die Waffen nieder!". Auf dem 4. Weltfriedenskongreß in Bern wird der Capper-Moneta-Suttner-Antrag "Europäischer Staaten-Bund" eingebracht. Seitdem nimmt von Suttner an fast allen Weltfriedenskongressen und Interparlamentarischen Konferenzen teil. Sie gilt als die berühmteste Pazifistin der Vorkriegszeit. Ihre Herkunft ermöglicht ihr den Zugang zu den höchsten Spitzen der damaligen Gesellschaft und damit auch zu einflußreichen Politikern.

Nach dem Kongreß in Bern besucht Bertha von Suttner Alfred Nobel in Zürich. Im Dezember unterstützt sie A. H. Fried bei der Gründung der Deutschen Friedensgesellschaft.


1894:
Friedenskongreß in Antwerpen und Interparlamentarische Konferenz im Haag.


1895:
Reisen mit Vorträgen nach Prag, Budapest und Italien.


1896:
Friedenskongreß und Interparlamentarische Konferenz in Budapest.

Tod Alfred Nobels, dessen Testament jährliche Preisverleihungen für herausragende Leistungen in Physik, Chemie, Medizin, Literatur und den Friedensnobelpreis vorsieht.


1899:
Auf der durch das Manifest des russischen Zaren Nikolaus II. ausgelösten "Ersten Haager Friedenskonferenz" in Den Haag, auf der Regierungsvertreter über Möglichkeiten der Friedenssicherung und Abrüstung beraten und den ersten Schritt zur Einrichtung eines permanenten internationalen Schiedsgerichts machen, ist Bertha von Suttner, obwohl an den Verhandlungen der Politiker nicht direkt beteiligt, eine der zentralen Gestalten, die viele Fäden zieht.


1900:
Friedenskongreß in Paris.


1901:
Silberne Hochzeit.

1902:

Friedenskongreß in Monaco, an der Bertha wegen Erkrankung ihres Mannes alleine teilnimmt.
Gemeinsame Reise nach Böhmen.


10. Dezember 1902:

Artur Gundaccar von Suttner stirbt. Nach dem Tod ihres Mannes ist Bertha von Suttner in verstärktem Maße auf Einkünfte aus Vorträgen und Presseveröffentlichungen angewiesen. 1905 spricht sie innerhalb von zwei Monaten in 31 deutschen Städten. Mehrfach kommt sie auch nach Berlin (1904, 1905, 1912, 1913).


1903:

Teilnahme an der Eröffnung des "Institut international de la Paix" in Monaco, das sie auch in den Folgejahren öfter besucht.


1904:

Besuch des Bostoner Weltfriedenskongresses mit anschließender Vortragsreise durch amerikanische Städte. In Washington wird Bertha von Suttner von Präsident Theodore Roosevelt empfangen.


10. Dezember 1905:

Anerkennung des Friedensnobelpreises. Bertha von Suttner ist die erste Frau, die mit diesem Preis ausgezeichnet wird.


18. April 1906:

Entgegennahme des Friedensnobelpreises und Rede vor dem Nobel-Komitee des Storthing zu Christiania. Anschließend Reise durch Skandinavien.


1907:

Teilnahme an der "Zweiten Haager Friedenskonferenz".


1909:

Aus gesundheitlichen Gründen legt Bertha von Suttner die Vizepräsidentschaft des 1892 gegründeten "Internationalen Friedensbüros" in Bern nieder, bleibt aber bis zu ihrem Tode dessen Ehrenpräsidentin.


Juni bis Dezember 1912:

Vortragsreise durch 50 amerikanische Städte, die sie bis nach San Francisco führt. Fast überall wird ihr ein triumphaler Empfang bereitet.


1913:

Verschiedene Vorträge, u.a. in Berlin, Den Haag und Paris.


21. Juni 1914:

Sieben Tage vor dem Attentat von Sarajewo stirbt Bertha von Suttner in Wien. Zuvor hatte sie noch den Weltfriedenskongreß in Wien vorbereitet und trotz Krankheit eine Villa in der Steiermark erworben.

Kurzbiografie Quellen

Die Zeittafel ist eine überarbeitete und ergänzte Fassung der Zusammenstellung von R. Eitel (1983). Ihr liegen folgende Quellen zugrunde:

Archiv der Vereinten Nationen in Genf: Nachlaß Suttner/Fried
Brinker-Gabler, G. (Hg.): Kämpferin für den Frieden: Bertha von Suttner, Frankfurt/M. 1986
Hamann, B.: Bertha von Suttner. Ein Leben für den Frieden, 2. Aufl. München 1987
Kempf, B.: Bertha von Suttner. Das Leben einer großen Frau, Wien 1964
Kleberger, I.: Bertha von Suttner. Die Vision vom Frieden, München 1988
Suttner, B.v.: Memoiren, Stuttgart 1909

Bearbeitung: Lutz Zimmermann (Dezember 1992), alle Rechte vorbehalten.
Übertragung: Eva Maria Zausch, Juni 1993 und 1998.
Nachbearbeitung für berth@ online: Dominik Eckardt, Florian Kollmann.
Entnommen der Festschrift zum 150. Geburtstag der Bertha von Suttner, Berlin 1993