Interview mit Politikerin Monika Grütters - Bundestagsabgeordnete und Kulturstaatsministerin

Am Montag, dem 23.05.2022 besuchte die Politikerin Frau Monika Grütters unsere Schule. Die 10b bereitete dafür Interviews zu verschiedenen Themengebieten wie zum Beispiel Ukrainekrieg, Jugend und CDU, Frauen in der Politik und Rechtsruck vor.

Darüber hinaus entstanden in der Nachbereitung gelungene Artikel:

Frauen im Bundestag - Nur für Fotos gut?

Ja, Sch…-Chauvis, wenn die es nötig haben, dann muss man zurückbellen, antwortete Frau Grütters auf die Frage, ob sie selbst schon einmal frauenfeindliche Erlebnisse im Bundestag erfahren musste. Als deutsche Politikerin wisse sie ganz genau, wie Frauenfeindlichkeit im Bundestag aussehe und wie man am besten dagegenwirke.

Als sie 2001 die einzige Frau in der damaligen CDU-Fraktion war, erfuhr sie die Einschränkungen einer Frau hautnah. Sie schildert die Situation, gezwungen gewesen zu sein, sich bei öffentlichen Konferenzen neben den Fraktionsvorsitzenden zu setzen. Es würde gute Fotos und Presse geben. Ihr Wert als Politikerin sei im Grunde nicht beachtet worden und ihre Person hätte als reines Fotoobjekt gedient. Monika Grütters, die sich aktiv für die Frauen einsetzt, ließ sich dies nicht gefallen. Es hätte ihr Ansehen als ernstzunehmende Politikerin und das Ansehen aller Frauen verletzt. Eine weitere Situation kurz darauf scheint ihr ebenfalls stark in Erinnerung geblieben zu sein. Als damals der Frauenausschuss gewählt wurde, sei es für die Männer der CDU-Fraktion selbstverständlich gewesen, dass Frau Grütters Teil dieses Ausschusses werden würde. Sie jedoch meinte, sie würde dieses Amt nicht bestreiten, solange die Männer nicht bereit wären, weitere Frauen zu wählen.

Im Interview betonte sie mehrmals, dass sie durchaus auch von Männern gefördert wurde, Situationen wie diese seien jedoch nicht unbedingt der Alltag im Bundestag. So bemerkte sie, dass das politische Leben und die Karriere deutlich schwerer werden, sobald man ähnlich hohe Positionen wie ein Mann erreiche. Dabei musste die deutsche Politikerin lernen, sich durchzusetzen. Sie ruft unbedingt dazu auf, aktiv zu werden und nicht klein beizugeben. Als passendes Beispiel gibt sie einen weiteren direkten Einblick in den Alltag des Bundestags. Während sie eine Ansprache im Bundestag hielt, fiel ihr ein Fraktionsvorsitzender ins Wort und wollte ihr gegenüber seine Machtposition beweisen. Daraufhin erwiderte sie unbekümmert: Hast du heute wieder deine kurzen Hosen an?Der Fraktionsvorsitzende blickte tatsächlich an sich herunter und war von Frau Grütters Aussage sehr überrascht. Er solle ihr dieses Ereignis bis heute übelnehmen.

Zusammenfassend findet Grütters, dass es heute durchaus noch zu Diskriminierung von Frauen in der Politik und im Bundestag komme. Sie bekräftigt, es sei deutlich schwerer, sich als Frau gegen die Überzahl annner durchzusetzen. Dennoch denkt sie, dass in der Politik und damit im deutschen Bundestag im Laufe der Jahre viel dazugelernt wurde. Auch der Umgang mit Frauen und die Frauenquote habe sich verbessert. Insgesamt wurde schon sehr viel für Frauen im Bundestag getan, jedoch kann und müsse in allen Bereichen weiterhin gegen die Diskriminierung von weiblichen Politikerinnen gekämpft werden. Heute setzt sich Monika Grütters als Mitglied der Gruppe der Frauen der CDU/CSU im Bundestag genau dafür ein.

(Lilly, Tomke, Philipp, Julius, Sunay, Joana, Lena)

 

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DDR-Workshop mit Zeitzeugengespräch

Am 16. Dezember 2021 bekamen der Geschichts-Profilierungskurs und die Klasse 10e die Chance, an einem Workshop zur DDR-Geschichte teilzunehmen.  Im Rahmen dieser Veranstaltung konnten die Schüler*innen ebenfalls mit  einem  Zeitzeugen sprechen und seiner Lebensgeschichte lauschen.

Vorher hatten sie in zwei Blöcken etwas über die Lebenssituation in der DDR gelernt und sich in Gruppenarbeiten selbst ein Bild verschaffen können. Dabei erarbeiteten sie sich etwas über die DDR im Allgemeinen, sprachen aber auch über Probleme der Deutschen Demokratischen Republik. So behandelten sie in diesem Zusammenhang Grundzüge der Sozialistischen Einheitspartei und die sogenannten Wahlvorgänge.  Es wurde sich ebenso mit kontroverseren Themen beschäftigt, wie z.B. dem Gefangenenfreikauf zwischen der BRD und der DDR. 

Zum Schluss trafen sie Thomas Raufeisen. Dieser erzählte ihnen von seiner Entführung in die DDR durch seinen Vater, der ein Spion war, seinem Schul- und Berufsleben und seinen Fluchtversuchen in die BRD. Nachdem diese gescheitert waren, kam er für drei Jahre in Haft in das Stasi-Gefängnis in Bautzen und wurde anschließend in die BRD ausgewiesen.

Der Workshop wurde unterstützt durch die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und der Deutschen Gesellschaft e.V.  Dafür möchten wir uns auch ganz herzlich bei Thomas Raufeisen bedanken, der uns alle Fragen geduldig beantwortete und uns einen Einblick in das Leben in der DDR ermöglichte.

Runa Schorge und Hannah Schepers (Profilierungskurs Geschichte)

Am Donnerstag, dem 16. Dezember 2021, fand im Rahmen eines Workshops der 10e sowie des Geschichts-Profilierungskurses ein Zeitzeugengespräch mit einem ursprünglich aus der BRD stammenden, politischen Häftling der DDR statt.

Der Workshop gliederte sich in drei Abschnitte und begann mit der leicht zu stellenden, doch schwer zu beantwortenden Frage, was Freiheit sei. Die Freiheit definiert sich für uns als Zustand, in dem jemand frei von bestimmten persönlichen oder gesellschaftlichen, als Zwang oder Last empfundenen Bindungen oder Verpflichtungen, unabhängig ist und sich in seinen Entscheidungen nicht eingeschränkt fühlt. Sie ist aber die Möglichkeit, sich frei und ungehindert zu bewegen. Unter diesen Aspekten sahen wir die Meinungsfreiheit, die Reisefreiheit, die Pressefreiheit und vieles, was in einer Demokratie selbstverständlich ist und es auch immer bleiben sollte, als unabdingbar.

Wir gingen zeitlich chronologisch vor und stiegen thematisch mit der Potsdamer Konferenz ein. Das zerbombte Deutschland wurde in vier Besatzungszonen geteilt. Während diejenigen der Westmächte erst zur Bi- und später zur Trizone verschmolzen, schottete sich die Sowjetunion von ihren Bündnispartnern ab und befestigte ihre Grenzen.  Der politische Wiederaufbau Deutschlands begann vor dem Hintergrund des Ost-West-Konflikts. Um Europa zu unterstützen, wurde das „Europäische Wiederaufbauprogramm“ verkündet, auch bekannt als Marshall-Plan. Einerseits sollten demokratische Strukturen gestärkt werden, aber auch eine gewisse Abhängigkeit der künftigen westlichen Führungsmacht gegenüber Amerika hergestellt werden. 1984 beharrten die amerikanische und die englische Regierung auf der Errichtung eines westdeutschen Staats auf freiheitlich-demokratischer und föderaler Basis. Ein Mehrparteiensystem, freie Marktwirtschaft und verfassungsmäßig festgeschriebene Menschen- und Bürgerrechte sollten weitere Bestandteile sein.

In der sowjetischen Besatzungszone etablierte sich aus der Zwangsvereinigung von SDP und KPD die SED. Sie verstand sich als „organisierte Vorhut der Arbeiterklasse“. Einer Diktatur nach marxistisch-leninistischem Vorbild stand nichts mehr im Wege. Im Volkskongress wurde der „deutsche Volksrat“ gewählt, welcher am 19. März 1949 die Verfassung der DDR verabschiedete. Allerdings war eine parlamentarische Opposition ebenso wenig vorgesehen wie die Gewaltenteilung. In den nachfolgenden Jahren konsolidierten sich beide deutsche Staaten durch Einbindung in verschiedene Bündnissysteme. In der BDR beflügelte der Arbeitswille der Bevölkerung, der Wiederaufbau der Industrie und der Infrastruktur, die zurückhaltende Tarifpolitik der Gewerkschaften und die Einführung moderner Technik die Wirtschaft. In der DDR hingegen waren die Lebensverhältnisse erträglich, aber das System der Planwirtschaft ließ der Eigeninitiative des Einzelnen kaum Spielräume. In diesem Zusammenhang arbeiteten wir als Gruppen unterschiedliche Einschränkungen, die DDR- Bürger erfuhren, heraus.    

Mariella Jahn (Klasse 10e und Profilierungskurs Geschichte)    

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Juniorwahl an der BERTHA

Abgleich mit dem Wahlverzeichnis und Stimmzettelausgabe
Wahlkabinen im Vorraum der Aula
Wahlhelfer:innen des bilingualen Politikkurses

Politikunterricht an der Schule leidet unter einem besonderen Umstand: Es wird politische Mündigkeit gefördert und Jugendliche können dennoch noch nicht wählen gehen. Da bespricht man das Wahlsystem, die Parteiprogramme, den Wahlkampf und wenn es ernst wird, können die Schüler:innen sich im besten Fall vorstellen, was Wählen gehen bedeuten könnte. Es gibt eine Möglichkeit, diese Lücke zwischen Theorie und Praxis zu schließen: Die Juniorwahl.

Am 23.09 haben viele Klassen und Kurse der Bertha an ihrer eigenen Wahl teilgenommen. Mit einem Wähler:innenverzeichnis, Wahlkabinen und Wahlzetteln wurde so die Wahl so realistisch wie nur möglich an der Schule durchgeführt. Gut gelaunt wurden die Klassen von dem Grundkurs von Hr. Davis begrüßt und haben nach Abgleich mit dem Verzeichnis dann in der Wahlkabine ihre beiden Kreuze machen können. Viele waren überrascht darüber, dass der Stimmzettel so lang war, sind doch in der Öffentlichkeit üblicherweise nur die Parteien bekannt, die auch eine Chance haben in den Bundestag einzuziehen.

Für die Schüler:innen war es das erste Mal, dass sie an einer Bundestagswahl „teilgenommen“ haben. Sie haben eingeübt, wie das so geht mit „dem Wählen“. Das hat Spaß gemacht und gleichzeitig hat so mancher auch den Ernst gespürt, der darin liegt, dass es in einer Demokratie auf die einzelne Stimme eines Jeden ankommt.

Das Ergebnis wird nun an die Organisation der Juniorwahl übermittelt und in der Schule publik gemacht. So kann das Schulergebnis mit dem offiziellen Ergebnis verglichen und eine Diskussion über die politische Ausrichtung der Schüler:innenschaft geführt werden. In (spätestens) vier Jahren sind wir wieder mit dabei!

Gabriel Kurz

GESCHICHTS-EXKURSION DER 9E

Am Freitag, den 6. Mai, waren wir in der 6. und 7. Stunde mit unserem Geschichtslehrer Herrn Krause auf einer Exkursion. Im Rahmen des Geschichtsunterrichts zur Weimarer Republik besuchten wir die "Weiße Stadt" und die "Siedlung am Schillerpark" hier bei uns in Reinickendorf/im Wedding.

Diese Siedlungen wurden beide in den 1920er Jahren gebaut und man kann an ihnen viele Aspekte des Lebens in Berlin zu der damaligen Zeit erkennen. Wir liefen zu Fuß von der Schule los und hörten auf dem Weg immer wieder kleine, von Mitschüler*innen vorbereitete Impulse zu den gerade zu sehenden Gebäuden. Wusstet ihr zum Beispiel, dass die beiden Siedlungen seit 2008 UNESCO-Weltkulturerbe sind? Oder dass die Siedlung am Schillerpark die erste Großsiedlung war, die über die Hauszinssteuer finanziert wurde? Und dass eine Ecke der Siedlung im Zweiten Weltkrieg zerstört und hinterher wieder aufgebaut wurde (allerdings mit einem Stockwerk mehr als alle anderen Gebäude)? Oder dass einige Elemente der Infrastruktur der Weißen Stadt, bspw. die Kindertagesstätte, bis heute erhalten geblieben sind?

Insgesamt hat die Exkursion viel Spaß gemacht und es war spannend, alles, was wir vorher gelernt hatten, in der Realität zu sehen.

Ella Bernhardt (9e) im Mai 2022