Medea

Am 24. Januar 2023 besuchte der Grundkurs Griechisch die Aufführung von Euripides‘  „Medea“ im Berliner Ensemble.

 

ἄνω ποταμῶν ἱερῶν χωροῦσι παγαί,

καὶ δίκα καὶ πάντα πάλιν στρέφεται.

„Aufwärts strömen die Flüsse,

es wendet sich das Recht, alles kehrt sich um.“ 

(Euripides, Medea, 1. Stasimon, v. 410f.)

Jason hat Medea verlassen  - Medea, die alles für ihn getan hat, die ihm geholfen hat, das goldene Vlies zu holen, als er mit den Argonauten nach Kolchis am Schwarzen Meer kam, die für ihn ihre Familie verraten und ihre Heimat verlassen hat, um mit ihm in Griechenland zu leben.

Nun droht ihr und ihren beiden gemeinsamen Kindern die Verbannung. Denn Jason heiratet Glauke, die Tochter des Königs Kreon von Korinth, um sich eine bessere soziale und wirtschaftliche Stellung zu sichern.

Medea ist zutiefst verletzt von diesem Verrat, ihre grenzenlose Liebe wird zu grenzenloser Wut.

Euripides zeigt in seiner 431 v.Chr. uraufgeführten Tragödie die verletzte Seele einer starken Frau, die sich gegen Jason zur Wehr setzt. Sie kämpft  und verwirklicht Schritt um Schritt ihre erbarmungslose und brutale Rache.

Der Regisseur Michael Thalheimer stellt den Text in den Mittelpunkt seiner Inszenierung. Sparsam mit Kostümen, Requisiten und Effekten arbeitet er eine Medea heraus, deren zwiespältiger Charakter sich ebenso deutlich offenbart wie das ihr zugefügte Unrecht.

Unter den großartigen Schauspielern ragt Constanze Becker als Medea hervor. Aber auch Marc Oliver Schulze gibt den glatten, oberflächlichen Jason meisterhaft und Bettina Hoppe vermittelt überzeugend das Mitgefühl und auch die Fassungslosigkeit  des  Chores  der korinthischen Frauen.

Eine grandiose Tragödie und ein tief beeindruckender Theater-Abend!