Wissenschaft HANDhabbar gemacht

Von der Astronomie über die Biochemie, von der Quantenphysik über die Stammzellforschung bis hin zu Künstlicher Intelligenz: Herlinde Koelbl hat 60 der weltweit bedeutendsten Naturwissenschaftler*innen in einer sehr ungewöhnlichen Weise porträtiert. Eine Formel, eine Philosophie, ein Zitat: Die Fotokünstlerin bat die Porträtierten, die Quintessenz ihrer Forschung Die Einladung am 30. November 2020 in den Leibnizsaal der „Akademie der Wissenschaften“  und zum Gespräch mit Herlinde Koelbl hat Frau Dr. Pauly  kurzerhand in den digitalen Raum verlegt.

Im Vorfeld bekamen wir einen Brainstorming- Bogen zugestellt, dessen Ziel es ist, unsere Vorkenntnisse, Einstellungen und Voraussetzungen zu ermitteln, und zwar mithilfe von Fragen wie den folgenden: 1. Welche Merkmale sind nach Ihrer Auffassung kennzeichnend für wissenschaftliche Forschung? 2. Welche persönlichen Erfahrungen haben Sie bisher mit Wissenschaft bzw. Wissenschaftlern gemacht? 3. Steckt ein Wissenschaftler in Ihnen? - Welche Aussagen treffen auf Sie zu? Zu allen drei Themen wurde eine größere Zahl von Items mit der Möglichkeit der Mehrfachwahl angeboten, z.B.: „kooperativ“ / „rational“ / „hypothesengeleitet“ (zu 1.); „Teilnahme an Jugend forscht“ / „Besuch eines Schülerlabors“ / „Eine Freundin meiner Eltern ist Wissenschaftlerin“ (zu 2.); „Ich spiele ein Musikinstrument“ / „Ich war schon immer ein Nerd“ / „Meine Eltern sind Akademiker“ / „Ich kann mich so richtig in eine Sache verbeißen“ (zu 3.). Danach  erhielt jede/r Teilnehmer/in aus dem Ausstellungskatalog das Porträt eines Forschers oder einer Forscherin, bestehend aus zwei Fotos und dem Text des vollständigen Interviews und übernahm damit gleichsam die „Patenschaft“ für einen Mann / eine Frau der Wissenschaft.

Durch Herlinde Koelbls Fotos erhält die Forschung buchstäblich Gesichter, wird konkret. Ihre Qualität zeigt die Fotografin, die Menschen nicht einfach nur in den Fokus nimmt, sondern regelrecht zu scannen und zu begreifen und in ihre Persönlichkeit zu dringen scheint, bevor und wenn sie fotografiert. Keine Distanz, stattdessen Nähe und Vertrauen. Das ist es, was die Arbeiten ausmacht. Wie sie das schafft? „Grundsätzlich gibt es kein Rezept. Man kann Kuchen backen nach Rezept, aber Nähe zu Menschen zu erzeugen ist ganz individuell“, sagt die Künstlerin. Entscheidend sei es, sich völlig auf den anderen einzulassen und das eigene Ego zurückzunehmen. Wir meinen: Das hat geklappt!

Martina Denda & Leistungskurs Philosophie